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Dr. Siri sieht Gespenster - Cotterill, C: Dr. Siri sieht Gespenster - Thirty-Three Teeth

Dr. Siri sieht Gespenster - Cotterill, C: Dr. Siri sieht Gespenster - Thirty-Three Teeth

Titel: Dr. Siri sieht Gespenster - Cotterill, C: Dr. Siri sieht Gespenster - Thirty-Three Teeth
Autoren: Colin Cotterill
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lenkte Civilai ein. »Dann amüsiere ich mich eben.«
    »Gut.«

    »Unter einer Bedingung: dass du mir verrätst, wie du diese Nummer gedeichselt hast.«
    »Nummer? Gedeichselt? Civilai, es handelt sich um eine Gemeinschaftsveranstaltung von Sport- und Kulturministerium und russischer Botschaft. Da gab es nichts zu deichseln. Wovon sprichst du?«
    »Um die beiden dazu zu bringen, deinen Schwesternfonds zu unterstützen, bedurfte es doch bestimmt einiger überaus cleverer politischer Winkelzüge, werter Doktor.«
    »Eigentlich nicht.«
    Ein Ukrainer mit Gitarre erklomm die Bühne, setzte sich auf einen wackligen Hocker und heizte dem Publikum mit amerikanischen Folksongs in russischer Übersetzung ein.
    »Sag schon.« Civilai beugte sich über Geung hinweg und senkte die Stimme. »Wie hast du das geschafft?«
    Auch Siri beugte sich über Herrn Geung, was der so komisch fand, dass sie kurzerhand die Plätze tauschten.
    »Aber du musst mir versprechen, dass du es niemandem verrätst.«
    »Wer würde auf mich schon hören?«
    »Na schön. Ich habe sie erpresst.«
    »Wen?«
    »Alle. Die Leute aus dem Ministerium, die Russen, alle.«
    »Ich bitte dich.«
    »Nein, im Ernst. Der Leiter des Archivs des MSIK arbeitete schwarz auf dem Thongkhankham-Markt, wo er während der Dienstzeit Fisch verkaufte. Was, wie du weißt, einen eklatanten Verstoß gegen die Vorschriften darstellt. Und so erklärte er sich gern bereit, den Wohltäter zu spielen und ein Konzert zu veranstalten, dessen Erlös den kranken Schwestern zugutekommt.«
    »Im Austausch für …«

    »Mein Schweigen.«
    »Gut. Gebongt. Aber die Russen? Was hast du, das sie nicht haben?«
    »Nun ja, diese Eingebung habe ich im Grunde Dtui zu verdanken. Als sie Ivanic aufsuchte, sah sie einen nachtaktiven Panda, den sie angeblich vor Kurzem durch den Zoll geschmuggelt hatten. Da ich noch nie von einem Tier gehört hatte, das seine Schlafgewohnheiten dem Wetter anpasst, wurde ich misstrauisch und bat meinen Gewährsmann in Wattay, das für mich zu überprüfen. Und siehe da, in fraglichem Zeitraum gab es keinerlei Flüge von China hierher, weder direkt noch mit Zwischenstopp.
    Also versuchte ich es mit einem kleinen Bluff. Erinnerst du dich an den Bären aus dem Lane Xang Hotel, mit dem das ganze Theater seinen Anfang nahm?«
    »Ja.«
    »Alle waren sich einig, dass das Tier in seinem geschwächten Zustand ohne fremde Hilfe nicht hätte entkommen können. Also fragte ich mich, wer erstens die nötige Tierliebe mitbringt und zweitens über die erforderlichen Mittel verfügt, um das arme alte Mädchen zu retten. Der Name Ivanic drängte sich da förmlich auf. Vielleicht hatten er und seine Freunde von der Geheimpolizei den Bären ja befreit und in den Zirkuskomplex geschafft.«
    »Und?«
    »Er brauchte natürlich eine gute Ausrede für das plötzliche Auftauchen des Tieres, zumal die halbe Armee dem Bären auf den Fersen war. Und so kam er auf die Geschichte mit dem chinesischen Panda.«
    »Wie, bitte, verwandelt man einen Kragenbären in einen Panda?«
    »Bleichmittel und ausreichend Schatten, damit sich das
Tier niemand aus der Nähe ansehen kann. Je länger ich über diese kleine Theorie nachdachte, desto plausibler erschien sie mir. Also konfrontierte ich den Russen damit.«
    »Nicht schlecht.«
    »Als guter sowjetischer Kommunist redete er nicht lange um den heißen Brei herum und fragte mich, was ich als Gegenleistung wolle, damit ich mein loses Mundwerk halte. Et voilà: Manege frei!«
    »Siri, abgesehen von mir selbst bist du der durchtriebenste Hund, den ich kenne.«
    Er warf lachend den Kopf in den Nacken, schlang seinem Freund den Arm um den Hals und küsste ihn auf die Wange.
    »Lass das.«
    »Wie köstlich. Das entschädigt für vieles. Wirklich. Gott, ich liebe dich.«
    Er küsste ihn gleich noch einmal.
    Civilai kicherte während der gesamten Vorstellung. Die dicken laotischen Mädchen in ihrer Unterwäsche hopsten tapfer über die Bühne und bildeten schwankende Menschenpyramiden. Drei Jongleure hielten minutenlang zwei Handvoll wohlgeformter Kokosnüsse in der Luft. Ein Clown, dem immer wieder die Hose herunterrutschte, brachte das riesige Publikum zum Johlen und Jauchzen.
    Zur Halbzeit kam ein laotisches Orchester auf die Bühne, vor dem der elegant gekleidete Herr Inthanet und einige Zirkusschüler ein Stück mit den königlichen Puppen aufführte. Es war ein magischer Augenblick, und die Zuschauer betrachteten es als eine Ehre, ihn miterlebt haben zu dürfen.

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