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Dr. Siri sieht Gespenster - Cotterill, C: Dr. Siri sieht Gespenster - Thirty-Three Teeth

Dr. Siri sieht Gespenster - Cotterill, C: Dr. Siri sieht Gespenster - Thirty-Three Teeth

Titel: Dr. Siri sieht Gespenster - Cotterill, C: Dr. Siri sieht Gespenster - Thirty-Three Teeth
Autoren: Colin Cotterill
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Sie haben ihn auch nicht gesehen?«
    »Nein. Als die Taschenlampe endlich anging, sah ich die Folgen dessen, was Sie gerade geschildert haben, mit einem
kleinen Unterschied. Ich sah eine alte Frau – genauer gesagt, den Geist der alten Frau, der mich manchmal im Büro besuchte, nachdem Sie und Geung nach Hause gegangen waren.«
    »Davon haben Sie ja gar nichts gesagt.«
    »Ich wollte euch nicht erschrecken. Aber sie oder, besser, der Geist war da und stand neben Seuas Leiche. Ich habe Sie verarztet, so gut es ging, und sie verschwand. Aber Saloop; ich habe keine Ahnung, wie er in die Tunnels gekommen ist. Ich habe ihn in letzter Zeit ein paar Mal an ungewöhnlichen Orten gesehen, er streunt wie früher durch die Gegend. Er besitzt noch nicht einmal den Anstand, mich hin und wieder zu besuchen.«
    »Vielleicht hat er einfach Angst vor Ihren vielen Gästen, Siri, und kommt wieder, wenn sie weg sind. Doc?«
    »Ja?«
    »Danke.«
    »Wofür?«
    »Für alles. Danke, dass Sie nach mir gesucht haben. Danke, dass Sie sich um meine Mutter kümmern. Danke, dass Sie jetzt hier sind. Ich stehe tief in Ihrer Schuld.«
    »Wenn Sie sich unbedingt revanchieren möchten, bestehen Sie die Prüfungen.«
    »Mit Bargeld kann ich auch leider nicht dienen. Apropos Geld: Warum wollen Sie mir eigentlich nicht verraten, wer das alles hier bezahlt?«
    »Dtui, Liebchen, es ist halb vier Uhr morgens, und um acht muss ich eine Niere sezieren. Meinen Sie, ich könnte bis dahin noch ein wenig schlafen? Sie mögen ja hellwach sein, ich hingegen bin todmüde.«
    »Tut mir leid. Sie haben recht. Legen Sie sich aufs Ohr.«
    »Brauchen Sie noch etwas?«

    Ihr graute davor, bis an ihr Lebensende mit einem dreieckigen Gesicht herumlaufen zu müssen.
    »Eine neue Aussicht wäre nicht schlecht. Können Sie mir vielleicht den Kopf herumdrehen?«
    »Ich wüsste nicht, was dagegen spräche.«
    Er nahm mit einer Hand ihr Kinn, legte ihr die andere auf die Stirn und bugsierte ihre Nase behutsam über das Kissen, bis sie zur anderen Wand zeigte. Das gab ihr einen kleinen Vorgeschmack auf die Schmerzen, die ihr in den nächsten Wochen das Leben versüßen würden. Siri sank ächzend in seinen Liegestuhl.
    »Nacht, Dtui.«
    »Nacht, Doc.«
     
     
    »Ach, Doc?«
    »Ja?«
    »Ist es draußen immer noch so heiß?«
    »Verdammt heiß.«

23
    NEUJAHR IM APRIL
    Vientiane rüstete sich mit dem üblichen Elan für die Neujahrsfeierlichkeiten am 14. April. Häuser mussten geputzt, Reparaturen vorgenommen, alte Streitigkeiten begraben werden. Es war Brauch, das neue Jahr in einem Zustand körperlicher und moralischer Reinheit zu begrüßen.
    So heiß wie im März und Anfang April war es seit Beginn der Wetteraufzeichnung nicht gewesen, und viele Menschen konnten sich an den letzten Regen kaum noch erinnern. Abgesehen von der Regierung freute sich das ganze Land auf Spritzgüsse, Wasserduschen und ein paar Tage ausgelassenen Feierns in kurzen Hosen und Gummisandalen. Songkran war das bei Weitem fröhlichste und ausschweifendste Fest im laotischen Kalender.
    Das Geplansche brachte gewöhnlich auch Mutter Natur auf den Geschmack, die sich mit ein paar ergiebigen Wolkenbrüchen anschickte, den Durst der ausgedorrten Erde zu löschen. Hätte Mutter Natur jedoch an der Sitzung des Innenausschusses am 11. April teilgenommen, wäre sie wohl ebenso hitzköpfig geworden wie Civilai.
    Nach der Schlussabstimmung stürmte er mit beschlagener
Brille und seinen beiden Beratern im Schlepptau aus dem Saal.
    »Dummköpfe!« Mehr hatte er nicht zu sagen.
     
    Es war Sonntag. Inthanet traf, mit tatkräftiger Hilfe seiner reizenden Assistentin Fräulein Vong, die letzten Vorbereitungen für seinen großen Auftritt. Von seinem Beobachtungsposten in der Hängematte aus konnte Siri nicht umhin, die zarte Rötung ihrer Wangen zu bemerken. Das Säumen königlicher Gewänder war entweder eine schweißtreibende Arbeit, oder die beiden führten etwas im Schilde. Er mochte sich lieber gar nicht vorstellen, was genau da vor sich ging, aber es freute ihn, dass endlich ein wenig Romantik in Fräulein Vongs trostloses Leben kam.
    Manoluk lag auf der Pritsche auf der Veranda und schlief. Zu ihren Füßen sirrte ein Ventilator, den mehrere Verlängerungskabel mit Strom versorgten. Ein weiteres Kabel führte ins Wohnzimmer, wo sich ein zweiter Ventilator drehte und die frisch bemalten Gesichter einer Reihe zufriedener Puppen trocknete. Ein dritter Ventilator kühlte die glühenden Wangen der beiden Turteltauben

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