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Dopingmixer

Dopingmixer

Titel: Dopingmixer
Autoren: Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer
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»Und nie schlau geworden bin ich aus Randy Clement. Bei Bill weiß fast jeder, dass er krumme Geschäfte macht, vielleicht nicht mit Pflanzen, aber der tanzt sowieso auf verschiedenen Hochzeiten. Natürlich will es keiner ganz genau wissen, warum soll man sich Probleme machen? Aber Randy – der ist undurchsichtig. Da munkelt der eine was und der Nächste was anderes, aber irgendwie –« Er stockte wieder. »Also, man weiß nicht.«
    »Wann wird der Großmarkt beliefert?«
    »Die haben schon angefangen«, sagte John. »Das geht so bis acht Uhr etwa.«
    »Okay, danke«, rief Justus. Er sprang aus dem Bett, verzichtete ausnahmsweise auf den Gang ins Bad, zog sich Jeans und Pullover an und stürzte aus dem Haus. Eine halbe Minute später fuhr er am Steuer von Onkel Titus’ klapprigem Lastwagen Richtung Ventura. Hoffentlich, dachte er, nimmt Onkel Titus seine Arbeit heute etwas später auf. Aber hätte ich ihn wegen des Lkws wecken sollen?
    Unter anderen Umständen hätte sich Justus vielleicht doch für dieses riesige Angebot auf dem Blumen- und Pflanzengroßmarkt von Ventura interessiert. Eigentlich war es nämlich wirklich eindrucksvoll, was es alles gab, von Unmengen an Topfblumen bis zu gewaltigen Palmen. Und erst diese Düfte! Aber schon auf der Fahrt war es ihm ziemlich schwergefallen, die Augen offen zu halten. Es war eben noch sehr früh, zu früh.
    Justus nahm sich vor, die Pflanzenpracht links liegen zu lassen und sich allein auf seine Aufgabe zu konzentrieren. Er marschierte durch den Eingang der größten Halle und fragte den nächstbesten Verkäufer, wo er Bill Lemmon finden könne. Der Mann war wohl auch ein Morgenmuffel und zeigte stumm über die Schulter nach hinten. Vorbei an dutzenden von Kisten mit hunderten von verschiedenen Samenarten ging Justus in den rückwärtigen Teil der Halle.
    Der nächste Grünkittel, den er nach Bill Lemmon fragte, hatte ihn vor einer Viertelstunde abfahren sehen.
    »Na schön«, sagte Justus mit einem leichten Gähnen, »und wo steckt Randy Clement?«
    »Das bin ich zufällig höchstpersönlich«, erwiderte der Mann. »Und, was soll’s denn sein?«
    Mit einem Schlag war Justus hellwach. Mr Clement war kräftig und untersetzt. Justus schätzte ihn auf knapp dreißig, aber er hatte die abgearbeiteten Hände eines Menschen, der wesentlich älter hätte sein können. Sein Blick huschte unruhig hin und her. Natürlich war Justus nicht darauf vorbereitet gewesen, so plötzlich vor dem Mann zu stehen, den er suchte. Aber er fasste sich rasch.
    »Toll, was Sie da alles haben.« Justus beschrieb einen Halbkreis über das Dickicht aus Pflanzen, das sie umgab.
    »Könnte toller sein«, brummte Clement. Es klang schroff undsollte wohl auch so klingen. »Ich hoffe für dich, dass du deine Brötchen anders verdienst.« Justus sagte, er gehe noch zur Schule, aber Randy Clement war es offenbar ziemlich gleichgültig, was Justus tat oder ließ. Er hatte genügend mit sich selbst zu tun. Er wandte sich ab und bückte sich über einen Topf mit einer in Rosatönen schillernden Azalee. Justus’ Blick fiel auf Randy Clements Gesicht, das bei dieser Bewegung merkwürdig rot anlief. Mr Clement schien nicht gesund zu sein. Und das Nächste, was Justus auffiel, war sein weit vorstehendes Kinn.
    Justus schloss die Augen und versuchte, sich darauf zu konzentrieren, wo er in den vergangenen Tagen so ein Kinn gesehen hatte.
    »Ich soll Sie grüßen«, sagte er dann. »Von Ihrer Tante, Mrs Elenor Sharp.« Clement kam wieder hoch, aber die Röte wich nicht aus seinem Gesicht. Im Gegenteil, sie schien noch zuzunehmen. »So?«, sagte er dann. »Wie geht es ihr denn?«

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    Nach dem Gespräch mit Randy Clement rief Justus von der nächsten Telefonzelle aus Onkel Titus an, der gerade aufgestanden war und es einfach nicht fassen konnte, dass sein Neffe um diese Zeit schon unterwegs war. Aber er erlaubte ihm, den Wagen noch zu behalten.
    Eine Stunde später parkte Justus vor dem Haus mit der Tierfassade. An der Tür stieß er fast mit Mrs Elenor Sharp zusammen, die eben im Begriff war, einige Besorgungen zu erledigen. Sie machte einen äußerst energischen Eindruck und schien sich von dem Überfall glänzend erholt zu haben.
    »Ich soll Sie grüßen«, sagte Justus. »Von Ihrem Neffen, Randy Clement.«
    Mrs Sharp musterte Justus von oben bis unten. »Wo, junger Mann, sind Sie diesem Taugenichts begegnet?« Aus ihrem ungnädigen Gesichtsausdruck schloss Justus, dass sie gerade

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