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Dopingmixer

Dopingmixer

Titel: Dopingmixer
Autoren: Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer
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Wandspiegel hervorzuholen. Blitzblank geputzt, sollte er am nächsten Tag einem Kunden vorgeführt werden, bei dem Onkel Titus ein Kaufinteresse vermutete. Der Spiegel lehnte in der hintersten Ecke des Schuppens und war übersät mit Staub, Fliegendreck und Spinnenweben. Es schien, als hätte ihn seit Jahrzehnten niemand mehr angerührt. Mit einem leisen Seufzer machte sich Justus an die Arbeit.
    Sie war schneller getan, als er befürchtet hatte. »Dafür haben wir uns ein Stück Kirschkuchen verdient«, brummte Onkel Titus. Er klopfte die Hände an seiner speckigen Lederschürze ab und ging mit Justus hinüber ins Wohnhaus. Tante Mathilda warf nur einen Blick auf die beiden und schickte sie ins Badezimmer. Als sie zurückkamen, standen die Kuchenteller auf dem Tisch und eine Kanne von dem Früchtetee, den Justus so gern trank.
    Sie setzten sich, Tante Mathilda lud allen ein Stück Kuchen auf den Teller und schob Justus gewohnheitsmäßig die Sahneschüssel hin. Dankend lehnte er ab, Tante Mathilda und Onkel Titus nickten sich anerkennend zu.
    »Ich habe Arbeit für euch«, wandte sich Tante Mathilda an Justus. »Wenn ich mich nicht sehr täusche, habt ihr ab morgen Ferien. Da kommt euch dieser Fall bestimmt wie gerufen.«
    Mathilda Jonas war eine resolute Frau in den besten Jahren, die für gewöhnlich genau wusste, was sie wollte und wie sie ans Ziel kam. Das machte ihr Leben mit Onkel Titus nicht immer ganz einfach. Der war nämlich aus demselben Holz geschnitzt.
    »Habe ich dir schon einmal von Mrs Sharp erzählt? Eine alte Freundin von mir, vielleicht sogar meine beste.«
    Justus legte die Stirn in Falten. Aber der Name sagte ihm beim besten Willen nichts. Tante Mathilda hatte schon die verschiedensten Damen als ihre beste Freundin bezeichnet. Eine Mrs Sharp war bisher nicht dabei gewesen.
    »Elenor Sharp ist eine große Pflanzen- und Blumenliebhaberin. Sie wohnt mitten in der Stadt und hat sich hinter ihrem Haus einen exotischen Garten angelegt. Ein richtiges grünes Paradies.« Tante Mathilda wandte sich an ihren Mann. »Da zieht sie Pflanzen, von denen du bestimmt noch nicht einmal etwas gehört hast.«
    »Kann schon sein.« Onkel Titus begann seine Pfeife zu stopfen. Die Geschichte von Mrs Sharp und ihrem grünen Hobby schien ihn nicht übermäßig zu interessieren.
    »Na schön«, sagte Justus, dem es ähnlich ging. »Und wo ist der Kriminalfall?«
    Tante Mathilda schüttelte unwirsch den Kopf. »Ungeduld ist die größte Schwäche eines Detektivs«, sagte sie. »Habe ich jedenfalls irgendwo gelesen.« Sie schien es zu genießen, ihre beiden Zuhörer noch eine Weile auf die Folter zu spannen, während sie sich eine Tasse Tee nachgoss.
    »Also, bei meiner Freundin Mrs Sharp«, begann sie endlich, »hat es unwillkommenen Besuch gegeben. Und das nun schon zum zweiten Mal. Genauer gesagt, es kommen irgendwelche Taugenichtse, die, weiß der Teufel woher, wissen, wann die gute alte Elenor nicht daheim ist, und rauben ihren Garten aus.« Tante Mathildas Empörung wuchs mit jedem Satz. »Die kommen daher und klauen Pflanzen. Natürlich nicht irgendwelche, sondern immer die schönsten und wertvollsten. Buddeln sie aus und lassen sie mitgehen und hinterlassen die Beete in einem Zustand …«
    »Hast du die zerstörten Beete denn selber mal gesehen?« Über seine Brille hinweg schickte Onkel Titus seiner Frau einen misstrauischen Blick.
    »Nein. Aber Elenor hat sie mir geschildert, jeweils ein paar Tage danach.«
    Justus dachte an Lys, der er in diesen Sommerferien eigentlich etwas mehr Aufmerksamkeit schenken wollte, und an das Archiv drüben im Wohnwagen, dem Hauptquartier der drei ???. Das Archiv musste dringend gesichtet werden und der Wohnwagen brauchte dringend eine Generalüberholung, nämlich einen Hausputz drinnen und eine Art Renovierung draußen. Das gute Stück stand seit fast zehn Jahren am selben Fleck und der Wohnwagen war in dieser Zeit innen und außen sichtbar gealtert. Und jetzt kam Tante Mathilda mit dem Grünzeug von dieser Mrs Sharp. Justus interessierte sich mehr für Computer und Schach und Literatur und Kriminalfälle und knifflige Denksportaufgaben. Pflanzen hingegen ließen ihn kalt. Er überlegte, was er vom Biologieunterricht behalten hatte in puncto Pflanzen.
    Mehr als der Begriff »Steinbrechgewächse« fiel ihm nicht ein. Und der lateinische Name dazu: Saxifragaceae. Das war alles.
    »Wann war der zweite Diebstahl?«, fragte er sachlich.
    »Vor zwei Wochen.«
    »Und warum kommst du erst

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