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Division der Verlorenen

Titel: Division der Verlorenen
Autoren: Alan Cole & Chris Bunch
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Kapitel 1
     
    Der Schlachtkreuzer der Tahn flog in einem eleganten Bogen um die sterbende Sonne. Ziel und Kurs waren einprogrammiert, und innerhalb weniger Stunden würde das Raumschiff auf der grauweißen Oberfläche von Fundy aufsetzen. Fundy war der Hauptplanet des Erebus-Systems.
    Das Erebus-System war so ziemlich der letzte Ort, an dem sich ein Lebewesen gerne aufgehalten hätte. Seine Sonne stand kurz vor dem Verlöschen und warf nur noch ein fahlgelbes Licht auf ihre mit Kraternarben übersäten Satelliten. Alles, was auf diesen ausgeschlachteten Himmelskörpern noch an Mineralien zu holen war, reichte kaum aus, um einem einzelnen Schürfer den Lebensunterhalt zu sichern. Wollte man jedoch vom Tod träumen, dann war das genau der richtige Ort.
    Lady Atago lauschte ungeduldig dem Funkgeschnatter zwischen ihrer Besatzung und der Nachrichtenzentrale des zentralen Raumhafens von Fundy. Im Gegensatz zu den harschen Wortketten ihres eigenen Nachrichtenoffiziers klangen die Stimmen am anderen Ende nachlässig und unaufmerksam, ohne jede Disziplin – eine Beleidigung für ihr Selbstverständnis als Tahn.
    Offenbar hatte man die Verhältnisse auf Fundy schon viel zu lange schleifen lassen.
    Lady Atago war eine hochgewachsene Frau, die viele ihrer Offiziere an Körpergröße überragte. Auf den ersten Blick hätte man sie für eine exotische Schönheit halten können – langes, sanft fließendes dunkles Haar, große schwarze Augen und sinnliche Lippen. Sie war eigentlich eher schlank, nur hier und da war ein Anflug von Üppigkeit zu entdecken. Momentan kam ihr Körper besonders vorteilhaft in ihrer Galauniform zur Geltung: dunkelgrüner Umhang, rote Uniformjacke und grüne, enganliegende Hosen.
    Schon der zweite Blick verscheuchte jedoch jeden Gedanken an Schönheit und jagte dem Betrachter ein eisiges Schaudern die Wirbelsäule hinauf. Lady Atago gehörte dem höchsten Tahn-Adel an. Mit einem einfachen Nicken konnte sie so manches Schicksal besiegeln, und keines davon auf angenehme Weise.
    Als ihr Raumschiff in den Landeorbit eintauchte, warf sie ihrem Captain, der die Landung überwachte, einen Blick zu.
    »Sofort, Milady.«
    »Ich brauchte nicht mehr als eine Gruppe«, sagte sie.
    Dann entließ sie den Captain, indem sie den Kopf zur Seite drehte. Lady Atago dachte an die undisziplinierten Idioten, die sie auf Fundy erwarteten.
     
    Das große Schiff landete etwa einen halben Kilometer vom Raumhafencenter auf dem Eis. Nachdem der Antrieb ausgeschaltet war, umhüllte der eisige Wind den Kreuzer sofort mit einer schiefergrauen Eisregenkruste.
    Die Oberfläche von Fundy bestand größtenteils aus Eis und schwarzem Gestein. Ein Ort, der sich für so ziemlich nichts eignete, schon gar nicht für die Zwecke, zu denen er von seinen momentanen Bewohnern benutzt wurde.
    Die Tahn bereiteten sich auf einen Krieg gegen den Imperator vor, und das Erebus-System war der Grundstein ihres Plans. Erebus war unter allergrößter Geheimhaltung in eine systemumspannende, gigantische Produktionsstätte für Kriegsschiffe verwandelt worden.
    Erebus war so unbedeutend und lag so weit ab vom Schuss, dass es höchst unwahrscheinlich war, dass der Ewige Imperator vorzeitig auf die intensiven Aufrüstungsbemühungen aufmerksam wurde. Eintausend Schiffe wurden hier neu gebaut, umgerüstet oder von Grund auf überholt.
     
    Während Lady Atagos Schlachtkreuzer in das System eindrang, konnte sie von Bord aus einen Teil dieser Aktivitäten wahrnehmen. Kleine, kräftige Schlepper zogen die Außenhüllen der zukünftigen Kampfschiffe an Ketten von Hunderten Kilometern Länge hinter sich her. Unten auf der Planetenoberfläche wurden sie einsatzfähig fertig gestellt. Auf jedem Planeten hatte man in aller Eile gigantische Fabrikhallen errichtet, deren Hochöfen den Nachthimmel gespenstisch erleuchteten.
    Die Tahn hatten jeden einigermaßen einsetzbaren Arbeiter eingezogen. Die schlechte Qualität ihrer Arbeitskräfte war einer der Gründe, weshalb die Tahn sich dazu entschlossen hatten, einen Großteil ihrer Rüstungsindustrie auf die Planeten zu verlegen, anstatt im All zu produzieren. Weltraumarbeit erforderte hervorragend ausgebildete Fachkräfte, und genau dieser Punkt war aufgrund der massiven Rüstungsanstrengungen bis zum Gehtnichtmehr strapaziert worden. Außerdem stellten Raumfabriken enorme Investitionen dar, und die Tahn sahen ohnehin schon mit Sorge, wie die Münzen aus ihren Schatzkammern herausflossen.
    Sie wollten so viele Schiffe

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