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Diebe

Diebe

Titel: Diebe
Autoren: Will Gatti
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fix genug.«
    Demi schiebt Baz die halb ausgetrunkene Coladose rüber und lässt sich erzählen, wie sie sich aus dem Griff des Polizisten befreit hat – das gefällt ihm – und wie sie mitten durch den Verkehr geflüchtet ist, »Flohhüpfen«, so nennt sie das.
    Baz bricht ihre Schilderung ab, als ein Mann, den sie vom Sehen kennt, einer von Señor Moros Leuten, hereinstolziert kommt, als würde die Kneipe ihm gehören, und laut auf den Tresen klopft, um Mama Bali auf sich aufmerksam zu machen. Die kommt auch gleich herbeigewieselt, serviert erst mal einen Kaffee, um ihn zu beschwichtigen, und dann sieht Baz, wie sie ihm ein paar Zwanziger übergibt. Mama Bali fürchtet sich vor niemandem, aber um im Geschäft bleiben zu können, muss sie Señor Moro bezahlen. Jeder muss ihn bezahlen, auch Fay.
    Die Scheine zwischen Zeige- und Mittelfinger geklemmt, schwingt sich der Mann auf dem Hocker herum und schaut zu den Kindern hinüber. Demi schlürft seine Cola. Baz will etwas sagen, sich ganz ungezwungen geben, aber sie kann den Blick des Mannes spüren, als würde er sich ihr in den Nacken brennen.
    »Wie laufen die Geschäfte, Demi?«, sagt der Mann.
    »Hab nichts am Laufen.«
    »Na, immerhin genug, um dir ’n Getränk zu leisten.«
    »Hab zufällig ’n Dollar aufgegabelt«, sagt Demi. »Einfach mal Glück gehabt, sonst nichts.«
    Der Mann lacht. »Ganz zufällig«, äfft er ihn nach. »Ein Dieb wie du gabelt wahrscheinlich ständig Dollars auf. Wird wohl langsam Zeit, dass du anfängst den Schattenmann zu bezahlen.«
    »Alles, was wir kriegen, geht an Fay. Sie regelt die Geschäfte.«
    Der Mann geht darauf nicht ein. »Und das kleine Schätzchen da – was hat das denn in der Tüte? Hat’s auch einfach mal Glück gehabt?«
    Er weiß natürlich nicht, was sie in der Tüte hat. Er spielt bloß mit den beiden, aber Baz hat das Gefühl, dass sich die Gefahr wie ein Netz um sie zusammenzieht. Wenn er beschließt, die Tüte an sich zu nehmen, dann war’s das, dann ist das ganze Glück wie weggeblasen, dann sind alle Chancen vertan. Der Mann rutscht vom Hocker und tritt an den Tisch. »Na, was ham wir denn eingekauft, Schätzchen?« Er weiß ganz gut, wie sie heißt, will einfach ein bisschen sticheln. Ein Mann wie er, der langweilt sich, wenn er nicht gerade Geldscheine faltet oder jemandem Schmerzen zufügt.
    Ohne aufzublicken, hält Baz ihm die Tüte hin. »Wolln Sie den Apfel?«, fragt sie. »Hab ihn extra aufgehoben.« Ihre Stimme schwankt nicht, ihre Hand zittert nicht.
    »Apfel«, sagt der Mann. »Adam hat von Eva einen bekommen und auf einmal ist die ganze Welt den Bach runter.« Er lässt sich die Frucht geben und nimmt einen saftigen Biss. »Aber wen kümmert’s«, sagt er lachend und poltert aus der Tür hinaus auf die Gasse. Baz beobachtet, wie er noch mal in den Apfel beißt und ihn dann einfach wegwirft.
    Baz atmet durch. Demi schaut sie an, sein Blick ist fest. »Hast du’s noch?«
    »Klar. Meine Finger lassen so schnell nix los.«
    Ein breites Grinsen legt sich auf sein Gesicht, so plötzlich, als wäre es bis dahin von einem Damm zurückgehalten worden. »Was meinst du, Baz? Die Frau sah ganz schön reich aus, was?«
    »Jedenfalls kauft sie keinen Müll.«
    »Fay erwartet ja nix Besonderes, Baz. Meinst du, diesmal isses was Großes?«
    Ein bisschen ist es ein Spiel, was sie da treiben, so wie wenn man sich beim Straßenverkäufer ein paar Lotterielose kauft, und bevor man feststellt, dass man wieder mal nichts gewonnen hat, malt man sich aus, wie reich man jetzt ist und in was für einem Traumhaus man in Zukunft wohnen wird.
    »Fay wird dich lieben, Demi.«
    »Ja, kann schon sein. Auf geht’s, Baz. Schaun wir mal.«
    Sie stehen auf, um zu gehen, aber vorher steckt Demi noch den Kopf durch die Tür von Mama Balis Küche, wo diese gerade den Boden mit einem alten, schlaffen Mopp wischt und dabei so viel Wasser verspritzt, als hätte sie davon einen viel größeren Vorrat als die übrigen Bewohner des Barrio. Wenn Mama nicht kocht, dann ist sie am Saubermachen. »Hey, Mama«, sagt Demi, »bist ja tatsächlich auf Diät gewesen. Siehst dünner aus als ’n abgemagerter Hund.«
    »Meine Taille ist jedenfalls nicht größer als dein Mundwerk.« Mama Bali gibt ihm einen Klaps. Sie mag Demi; die meisten Leute mögen ihn, es sei denn, sie erwischen ihn dabei, wie er ihnen in die Tasche greift, aber im Barrio gehen er und Baz sowieso nie auf Arbeit.
    Ganz in der Nähe von Mama Balis Kneipe haben die zwei einen

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