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Die Zufalle des Herzens

Die Zufalle des Herzens

Titel: Die Zufalle des Herzens
Autoren: Fay Juliette
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Vaters rasch und sauber vonstatten gegangen. Ohne Krankenhausaufenthalte oder trauernde Freunde, nicht einmal ein Sarg musste ausgesucht werden. Doch darüber dachte Dana nicht gerne nach.
    Â»Cotters Rock Dental Center«, sagte eine Stimme in ihr Ohr. »Was kann ich …«
    Aus ihrer düsteren Träumerei gerissen, zuckte Dana zusammen, worauf das Telefon polternd zu Boden fiel. Rasch hob sie es wieder auf. »Tut mir leid, Kendra! Ich hoffe, Ihnen ist nicht das Ohr geplatzt.«
    Â»Schon in Ordnung«, sagte die Sprechstundenhilfe.
    Â»Es ist mir wirklich unangenehm. Bitte entschuldigen Sie noch mal.«
    Â»Mir ist nichts passiert. Was kann ich für Sie tun?«
    Â»Hier ist Dana Stellgarten. Morgans und Gradys Mom. Ich hätte gerne Termine zur Kontrolluntersuchung für die beiden, wenn das möglich ist.«
    Aus der Diele drangen das Knarren einer Tür und das dumpfe Aufschlagen eines Rucksacks auf den Fliesen. »Entschuldigen Sie mich bitte einen Moment«, murmelte Dana ins Telefon, bevor sie die Sprechmuschel mit der Hand bedeckte. »Morgan?«, rief sie.
    Â»Ja.«
    Â»Ich dachte, du wolltest nach der Schule mit zu Darby gehen.«
    Â»Tja, wohl doch nicht.« Morgan erschien in der Küche und öffnete den Kühlschrank. Sie starrte hinein, als liefe dort zwischen Würzsoßen und Joghurtbechern ein Film, den nur vorpubertäre Jugendliche sehen konnten.
    Â»Es tut mir wirklich leid, aber ich muss Sie, glaube ich, später noch mal anrufen«, sagte Dana ins Telefon. Dann wandte sie sich ihrer Tochter zu, die im Schein des Kühlschranklichts stand. »Habt ihr eure Pläne geändert?«, fragte sie.
    Â»Darby hat sich nicht gut gefühlt .« Morgans Finger krümmten sich unvermittelt zu Gänsefüßchen.
    Â»Habt ihr einen neuen Termin vereinbart?«
    Morgan drehte sich zu ihrer Mutter um. »Nein, Mom, wir haben keinen neuen Termin vereinbart . Wir wollten nur abhängen. Zum Abhängen vereinbart man keinen neuen Termin.«
    Â»Du scheinst … Bist du sauer auf Darby?«
    Mit einem dumpfen Geräusch schlug Morgan die Kühlschranktür zu. »Wie soll ich sauer auf sie sein? Sie hat nichts Falsches gemacht.«
    Â»Wie hat sie es dir denn gesagt?«
    Jetzt, wo Morgan in der sechsten Klasse war, hatte Dana gelernt, dass es nicht mehr darauf ankam, was Mädchen zueinander sagten. Die eigentliche Information lag jetzt ausschließlich in der Art, wie sie es sagten.
    Morgan ließ sich auf einen Küchenstuhl fallen, nahm eine Serviette und verdrehte sie, bis sie die Form und Dichte eines Sektquirls hatte. »Sie stand bei Kimmi, und ich so: ›Hey, wir treffen uns nach der letzten Stunde‹. Da hat sie Kimmi nur angeguckt.«
    Das war schlimm, wusste Dana. In dem Alter waren die Augen so etwas wie Waffen. »Sie hat sie angeguckt?«
    Â»Ja. Und dann hat sie gesagt: ›Ach ja, äh, mir geht’s nicht so gut. Ich glaub, ich gehe lieber nach Hause.‹ Und dann ich: ›Ist dir schlecht?‹ Da hat sie Kimmi wieder angeguckt und gesagt: ›Ich bin nicht krank. Ich brauche nur eine kleine Auszeit.‹«
    Sie wollte lieber allein sein als mit Morgan zusammen? , dachte Dana. Eine Welle fürsorglicher Wut überkam sie, was sie sich jedoch nicht anmerken ließ, wohl wissend, dass das Morgans Vermutungen nur bestätigen und sie sich dann noch schlechter fühlen würde. Dana musste sich selbst oft an der schwachen Hoffnung festklammern, dass ihr Leben doch nicht ganz so entmutigend war, wie es ihr vorkam. »Vielleicht hat sie heute einfach noch was anderes vorgehabt, mein Schatz«, gab sie zu bedenken.
    Â»Wir sind doch keine Kindergartenkinder mehr, Mom.« Morgan stand auf und ging hinauf in ihr Zimmer. Dana ließ sie in Ruhe. Sie wusste, dass Morgan ein Schulbuch aufschlagen, sich darüberbeugen und sich so lange auf eine Seite konzentrieren würde, bis es auf der Welt nichts anderes mehr gab als Abbildung A und Paragraf B.
    Â»Ich bringe Grady zum Training!«, rief Dana später zu Morgan hinauf. Sie lud Grady mitsamt seiner Ausrüstung in den Minivan und machte einen Umweg, um die Lasagne nebst Salat, Brot und Brownies bei den McPhersons abzugeben.
    Â»Kannich ’m Auto lei’m?«, fragte der siebenjährige Grady, an seinem Mundschutz saugend.
    Â»Was?« Dana hatte Mühe, alle Essensbehälter zu tragen. »Ein bisschen Hilfe wär nicht

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Das Pubertier von Jan Weiler