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Die zerbrochene Welt 02 - Feueropfer

Die zerbrochene Welt 02 - Feueropfer

Titel: Die zerbrochene Welt 02 - Feueropfer
Autoren: Ralf Isau
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Prolog
    Die Annalen von Berith 6. Buch
 
    S eit Äonen hatten die Seher von Luxania vor der Gefahr gewarnt. Vor dem Beginn eines dunklen Zeitalters. Vor Kriegsscharen der Finsternis, die gegen Jâr’en heraufziehen werden. Die uralten Weissagungen sprachen von einem Tag, an dem die Menschen zwischen Untergang und Erhebung wählen müssten. Als dann der junge Nebelwächter Taramis den König von Dagonis tötete, schien sich die Prophezeiung zu erfüllen. Die Kinder des Lichts hatten gesiegt. Zwölf Jahre später wären am guten Ausgang der Geschichte kaum jemandem mehr Zweifel gekommen. Doch das war ein folgenschwerer Irrtum. Die Völker von Berith hatten nur einen Sieg errungen, nicht aber die Schlacht gewonnen. Ihre schwerste Prüfung stand ihnen noch bevor.
    Der Traum vom Frieden endete an einem Morgen im Frühling. Die Nacht zog sich gerade zurück. Das Licht der Sonne streichelte sanft die Lufthülle über der Heiligen Insel. Dadurch leuchtete die Sphäre in sämtlichen Farben des Regenbogens. Die Stunde der Liebenden nannten die Tempelwächter diese Zeit: Man war berauscht und zugleich blind. Auch ihre Feinde wussten das.
    Der Angriff überraschte alle. Die Tempelgarde, weil die Armada des Gegners wie aus dem Nichts erschien. Den Hohepriester Eli, weil er schon lange keinen Gedanken mehr an die alten Weissagungen verschwendet hatte. Und die Ganesen, jene Gärtner von Gan Nephaschôth, weil die Seelenbäume für sie unantastbar waren. Nie wieder, so glaubten sie, würde jemand im Heiligen Hain so wüten, wie es einst König Gaal getan hatte.
    Wie ein Blitz aus heiterem Himmel fielen die vereinigten Armeen von Dagonis und Komana über die Scholle her. Ätherschlangen stießen aus dem irisierenden Morgenhimmel herab. Mancher Wachposten bemerkte die Gefahr erst, als ihn ein Armbrustbolzen traf. Die Hälfte von ihnen war bereits gefallen, ehe das Alarmhorn erscholl.
    Von diesem Augenblick an schossen die fischköpfigen Scharfschützen auf alles, was sich bewegte: Gardisten, Priester, Gärtner, Frauen und sogar Kinder. Zudem setzten die Dagonisier Brandpfeile ein. Seltsamerweise erloschen die meisten Feuer jedoch sofort wieder.
    Unterdessen rollte die zweite Angriffswelle über Jâr’en hinweg. Sie bestand aus Drachenkröten, gigantische schildkrötenartige Geschöpfe, die viele Dutzend Krieger zu tragen vermochten. Mehr als hundert Tiere schwebten herab. Sie brachten Soldaten aus Komana, wie die Spitzhelme und brünierten Rüstungen der Kämpfer verrieten. Im Gegensatz zu den Antischen waren diese Menschen kiemenlos, konnten also mühelos die Luft der Insel atmen.
    Der Hauptverband landete am Ufer des Sees vor den Mauern des Tempelareals. Etliche Trupps seilten sich zudem über dem Bezirk ab, der einer kleinen Stadt mit Plätzen und engen Gassen glich. Im Zentrum stand Beth Gao, das »Haus Gaos«.
    Masor schreckte beim ersten Schall des Alarmhorns aus dem Schlaf. Er gehörte den Nebelwächtern an, jenem geheimen Orden also, der Berith vor dem Anbruch des dunklen Zeitalters zu schützen versuchte. Überdies bekleidete er seit zehn Jahren das Amt des Hüters von Jâr’en. Sein Freund Taramis hatte das Kommando damals an ihn abgetreten. Die sechshundert Mann starke Tempelgarde war eine zwar kleine, aber ungemein schlagkräftige Armee. In der Truppe dienten ausschließlich Zeridianer, darunter einige der mächtigsten Geistkämpfer von Berith. Masor selbst konnte Staub und Rauch in Nebel und Regen verwandeln.
    Als er den Lärm im Tempelbezirk hörte, rechnete er mit dem Schlimmsten. Noch unter Taramis’ Führung hatte es in der Zeridianergarde viele Veränderungen gegeben, um einen Überfall wie den vor zwölf Jahren zu verhindern. Wenn nun alle diese Maßnahmen wirkungslos blieben, dann konnte das nur eines bedeuten:
    Der Feind war übermächtig.
    Masor nahm sich nicht die Zeit, erst den Harnisch anzulegen. Seine Männer brauchten ihn. Lediglich mit einer Tunika bekleidet sowie mit Langbogen, Pfeilköcher und Schwert bewaffnet, lief er aus dem Haus, das hinter dem monumentalen Tempelbau lag. Bis hierhin waren die feindlichen Krieger noch nicht vorgedrungen.
    Wohin er seinen Blick auch wendete, überall stieg Qualm auf. Er sammelte seinen Willen und formte schwere Regenwolken aus dem Rauch. Bald fielen die ersten Tropfen.
    In der Nähe des Tempels erschien ein Gardist, der für zeridianische Verhältnisse eher klein war und sich wie eine Raubkatze bewegte.
    »Pyron!«, rief Masor dessen Namen.
    Der Krieger wandte

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