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Die Trinity Verschwörung

Die Trinity Verschwörung

Titel: Die Trinity Verschwörung
Autoren: Charles Cumming
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EIN PAAR BEMERKUNGEN ZU DEN » CAMBRIDGE FIVE «
    Während ihres Studiums am Trinity College in Cambridge wurden Kim Philby, Anthony Blunt, Guy Burgess, Donald Maclean und John Cairncross von der Moskauer Zentrale als Agenten für den sowjetischen NKWD angeworben. Sie gingen als die » Cambridge Five« in die Geschichte ein.
    Burgess arbeitete weiter für die BBC und das Foreign Office (Außenministerium). Maclean, Sohn eines prominenten liberalen Unterhausabgeordneten, heuerte ebenfalls im Foreign Office an und war von 1944 bis 1948 als Erster Sekretär an der englischen Botschaft in Washington, D. C. tätig. Philby wurde Offizier des britischen Auslandsgeheimdienstes (Secret Intelligence Service, besser bekannt als MI 6). Blunt, ein weltweit anerkannter Experte für die Malerei Nicolas Poussins, arbeitete bis 1945 für den MI 5 (Inlandsgeheimdienst), bevor er zum Direktor der King’s Gallery (später Queen’s Gallery) ernannt wurde. Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete John Cairncross als Codeknacker in Bletchley Park. Alle fünf Männer leiteten zahlreiche Geheimdokumente an ihre NKWD -Führungsoffiziere weiter.
    Im Mai 1951 gingen Burgess und Maclean in Southampton an Bord einer Fähre und liefen in die Sowjetunion über. Ihr Verschwinden sorgte für großes internationales Aufsehen. Sie waren von Blunt und Philby gewarnt worden, dass der MI 5 kurz davor war, Maclean als Verräter zu enttarnen. Vier Jahre später gab Philby eine Pressekonferenz, auf der er bestritt, der sogenannte » dritte Mann« zu sein. Im Unterhaus wurde er von Außenminister Harold Macmillan entlastet und lieferte weiter Informationen für den SIS . Sieben Jahre später – er arbeitete damals als Journalist im Libanon – ging Philby in Beirut an Bord eines sowjetischen Frachters und ließ sich nach Moskau schmuggeln. Das Trauma dieses Verrats macht dem britischen Geheimdienst bis auf den heutigen Tag zu schaffen.
    Cairncross wurde 1952 als sowjetischer Agent enttarnt. Allerdings vertuschte die britische Regierung seine Zugehörigkeit zum Cambridge-Kreis. 1964 unterschrieb auch Blunt ein vollständiges Geständnis, als Gegenleistung gewährte man ihm Immunität gegen Strafverfolgung. Margaret Thatcher musste 1979 vor dem Unterhaus einräumen, dass Sir Anthony Blunt, eine Säule des britischen Establishments, mehr als dreißig Jahre als sowjetischer Spion tätig gewesen war. MI 5 und SIS standen vor einem weiteren kräftigen Aderlass.
    Guy Burgess fiel 1963 in Moskau seinem Alkoholismus zum Opfer. Maclean, der für das sowjetische Außenministerium gearbeitet hatte, starb 1983. Im selben Jahr starb Blunt, dem man die Ritterwürde wieder aberkannt hatte, in seiner Londoner Wohnung. Kim Philby wurde fünf Jahre später in Moskau mit allen staatlichen Ehren zu Grabe getragen. Cairncross, der in Italien, Thailand und Frankreich gelebt hatte, starb 1995, fünf Jahre nachdem der sowjetische Überläufer Oleg Gordijewski ihn als den » fünften Mann« enttarnt hatte.
    Die Rekrutierung der Spione aus Cambridge gilt als erfolgreichste Infiltrations-Operation eines ausländischen Geheimdienstes in der Geschichte der Spionage. In Russland kannte man die Männer vom Trinity College unter dem Namen » Die glorreichen Fünf«.
    C. C.
    London 2010

Sehen Sie, einen Spion sollte man lieber nicht fangen.
    Man enttarnt ihn, um ihn zu kontrollieren,
    aber auf keinen Fall, um ihn zu fangen.
    Mit einem gefangenen Spion
    bekommt man erst richtigen Ärger.
    Harold Macmillan

1
    » Der Tote war nicht tot. Der Mann lebte, und er lebte auch wieder nicht. So war das.«
    Calvin Somers, der Krankenpfleger, blieb am Ufer des Treidelpfads stehen und schaute hinter sich, am Kanal entlang. Er war ein schmächtiger Mann, eigensinnig und launisch wie ein Kind. Gaddis blieb neben ihm stehen.
    » Erzählen Sie weiter«, sagte er.
    » Es war im Winter 1992, ein stinknormaler Montagabend im Februar.« Somers zog einen Apfel aus der Manteltasche und biss hinein, verlor sich in Erinnerungen, während er langsam kaute. » Der Name des Patienten war Edward Crane. Das Alter war mit sechsundsiebzig vermerkt, aber keiner von uns wusste, welchen Angaben man glauben durfte und welchen nicht. Für mich sah er eher wie Mitte sechzig aus.« Sie gingen weiter, schwarze Stiefel schmatzten durch den Matsch. » Offenbar hatten sie es für klüger gehalten, ihn nachts anzuliefern, als die Tagschicht schon aus dem Haus war.«
    » Wer sind › sie‹?«, fragte Gaddis.
    » Die Spione.« Eine

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