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Die Todesbotin

Die Todesbotin

Titel: Die Todesbotin
Autoren: Carter Brown
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1
     
    »Wie du weißt, bin ich ein überzeugter
Feigling«, sagte Boris Slivka.
    »Das bin ich auch .«
    Geistesabwesend trank Boris
sein Glas auf einen Schluck fast halb leer. »Aber das Arbeitsteam Slivka -Baker muß leben und gedeihen. Habe ich recht ?«
    »Baker und Slivka über alles«, stimmte
ich zu.
    »Nur wenn du darauf bestehst,
Towarischtsch.« Er seufzte leise. »Erinnerst du dich noch an unseren letzten
Film ?«
    Ich schauderte. »Aber das war
alles die Schuld des Regisseurs. Das Drehbuch war brillant .«
    »Und auch die Produktion«,
merkte Boris an. »Obwohl der Film leider nie in den Verleih kam. Wie ich hörte,
wurde er schließlich mit zweihunderttausend Dollar Verlust ans Fernsehen
verkauft .«
    »Vielleicht ist das auch der
Grund, warum wir in den letzten sechs Monaten keine Arbeit mehr hatten«, sagte
ich düster.
    »Genau meine Meinung.« Boris
freute sich so über unsere Übereinstimmung, daß er sein Glas mit einem Schluck
leer trank und dem Barkeeper winkte. »Noch einen dreifachen Wodka Martini«,
sagte er. »Ein Tropfen Wermut reicht völlig, aber vergessen Sie nicht die
Zwiebel .«
    »Dann möchten Sie einen
Gibson«, meinte der Barkeeper.
    »Ich möchte eine Zwiebel«,
informierte ihn Boris. »Der Mensch lebt schließlich nicht vom Alkohol allein .«
    Der Barkeeper zuckte resigniert
die Schultern und begann, den Drink zu mixen. Ich nahm einen vorsichtigen
Schluck von meinem Campari Soda, denn ich machte mich auf eine lange Nacht
gefaßt.
    »Du fragst dich vielleicht,
Towarischtsch«, sagte Boris, sobald ein neues Glas vor ihm stand, »warum ich
dich telegrafisch so dringend hierher nach England gerufen habe ?«
    »Und wie ich mich das frage«,
sagte ich. »Ich mußte fast alles versetzen, um das Geld für die Flugkarte von
New York auf bringen zu können. Und du weißt, wie
ungern ich fliege .«
    »Aber du sollst nicht
enttäuscht werden«, versprach er. »Ich habe hier diesen wundervollen Mann
kennengerlernt, der so viel Geld besitzt, daß er nicht weiß, was er damit
anfangen soll .« Boris nahm wieder einen seiner
Riesenschlucke. »Ich korrigiere: Er hat so viel Geld, daß er genau weiß, was er
damit anfangen will. Er möchte einen Film machen. Mehr noch: Er möchte, daß wir einen Film für ihn machen .«
    »Er muß verrückt sein !« stellte ich fest.
    »Das stimmt wahrscheinlich«,
räumte Boris ein. »Aber verrückt oder nicht, reich ist er auf jeden Fall .«
    »Hast du von dem Geld schon
etwas gesehen ?« erkundigte ich mich hoffnungsfroh.
    Boris lächelte verträumt. »Als
Beweis für seine ernsten Absichten hat er mir gerade einen Scheck über
fünftausend englische Pfund gegeben. Ich habe ihn natürlich sofort eingelöst .«
    Unwillkürlich wurde es mir warm
ums Herz. »Der Mann wird mir immer sympathischer«, gestand ich.
    »Mit dem Thema des Films befaßt
er sich überhaupt nicht .« Großzügig wedelte Boris mit
der Hand durch die Luft. »Wir haben völlige Freiheit bei der Arbeit .«
    »Wie schön !« sagte ich. »Erinnerst du dich noch an diesen Problemfilm, den wir in der
Karibik drehen wollten? Ich habe immer noch meine Notizen und kann...«
    »Er stellt nur zwei kleinere
Bedingungen«, unterbrach mich Boris. »Aber das sind wirklich Bagatellen .«
    »Er will seine Frau die
Hauptrolle spielen lassen ?« erkundigte ich mich
mißtrauisch.
    »Die erste Bedingung hast du
erraten .« Boris lächelte mich wohlwollend an. »Willst
du es auch noch ein zweitesmal probieren ?«
    »Die Karibik scheidet aus ?«
    »Du hast ja schon wieder recht .« Boris war so zufrieden mit mir, daß er sein Glas zur
Hälfte austrank. »Er wünscht, daß wir seinen altehrwürdigen Familiensitz als
Schauplatz des Films verwenden .«
    »Du machst wohl Witze«, stöhnte
ich.
    »Aber damit eröffnet sich
deiner schriftstellerischen Phantasie doch ein immenses Feld«, gab er zu
bedenken. »Vielleicht machen wir einen Kostümfilm? Einen Einblick in die
englische Geschichte vor dem Hintergrund...«
    »Quatsch !« unterbrach ich ihn. »Wie hoch ist das Budget ?«
    »Eine halbe Million Dollar«,
informierte mich Boris.
    »Das hilft meiner
schriftstellerischen Phantasie wieder auf die Beine«, mußte ich zugeben. »Wie
heißt unser Gönner ?«
    »Lord Mapleton«, sagte Boris.
»Er ist ein alter englischer Aristokrat und außerdem stinkreich .«
    »Und seine Frau?«
    »Heißt natürlich Lady
Mapleton«, erläuterte mir Boris.
    »Das weiß sogar ich, du
russischer Holzkopf«, fauchte ich. »Aber wie sieht

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