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Die Terranauten 093 - Das galaktische Archiv

Die Terranauten 093 - Das galaktische Archiv

Titel: Die Terranauten 093 - Das galaktische Archiv
Autoren: Henry Roland
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Blick schaute der Riemenmann Frost und dessen beiden Supertreibern nach, als das Trio zu den Lifts strebte und die Zentralebene verließ. Es verstand sich nahezu von selbst, daß er Frost mißtraute. Doch es gab zu seinem lebhaften Bedauern keine Möglichkeit zum Anzapfen dieser drei Egos. In ihrer ungeheuren PSI-Stärke waren die Egosphären der Supertreiber selbst Llewellyn unzugänglich, und Frost war aufgrund seines Status als Manag per Gehirnoperation gegen Telepathie immunisiert worden.
    Optische Verzerrungen auf dem Panoramabildschirm der Außenübertragung lenkten seine Aufmerksamkeit wieder auf das Ziel der JAMES COOK. Die Teleobjektive der Kameras fuhren aus und holten einen Ausschnitt des Alls visuell heran. Ein elektronischer Indikator verwies auf einen winzigen dunklen Fleck. Plötzlich entstand daneben ein Glitzern, als entstünde ein neuer Stern.
    »Die Energietaster messen beträchtliche elektromagnetische Strahlungen mit Wellenlängen zwischen dreihundert und neunhundert Nanometern an«, rief Jana dem Riemenmann zu. »Offenbar wird Hephaistos von einer Atomsonne umkreist. Anscheinend sind die Entitäten noch nicht so vergeistigt, daß sie auf anständige klimatische und thermische Verhältnisse verzichten.«
    »Bei diesen Strahlungsarten muß es auf Hephaistos ja fast wie auf der Erde sein«, schlußfolgerte Llewellyn. Er lachte abgehackt. »Wenn’s so ist, serviert man uns vielleicht noch Frosts Apfelkuchen. Käme das dir nicht auch entgegen?«
    Janas Blick streifte ihn kurz, aber ungnädig. »Dir müßte allmählich bekannt sein, daß ich kein Typ für Kaffeekränzchen bin. Du brauchst deinen Ärger über Frost nicht an mir auszulassen.«
    »Entschuldigung.« Die anfangs heftigen Spannungen zwischen Jana und Llewellyn hatten sich auf ein erträgliches Maß eingependelt. Mittlerweile zeichnete sich ihr gegenseitiger Umgang durch bewußt vernunftbetonte Sachlichkeit aus. Nur manchmal entfuhr einem der beiden noch eine Äußerung, die den anderen irritierte.
    Es hatte den Anschein, als sei Jana sowenig wie Llewellyn an einer Fortsetzung des Gesprächs gelegen, und nach einem Weilchen des Schweigens nahm Silent Chorp, der einen Schritt hinter dem Sessel des Riemenmanns stand, mit Llewellyn telepathische Verbindung auf.
    Frost und seine Schergen haben sich wohl zur Beratung zurückgezogen. Könnten wir nur ergründen, was sich Valdec wirklich von dieser Expedition verspricht!
    Die Supertreiber sind nur weitere Opfer von Valdecs schändlichem Verbrecherdasein, entgegnete Llewellyn. Seinen psionischen Impulsen hafteten gedämpfte Oszillationen des Vorwurfs an. Aber im Prinzip hast du recht. Erst vorhin habe ich mich wieder mit dieser Frage beschäftigt. Es beunruhigt mich, daß wir in dieser Beziehung zu einem derartigen Blindflug gezwungen sind.
    Siehst du wirklich keine Möglichkeit, irgendwie ihre tatsächlichen Pläne herauszufinden, Llewellyn? Du bist diesen Supertreibern doch wenigstens ebenbürtig.
    Ob das der Fall ist, kann man erst bei einer ernsthaften Auseinandersetzung wirklich feststellen. Ich sehe keine Möglichkeit, sie auszuhorchen, ohne daß sie es bemerken müßten. Und was technische Mittelchen angeht, so checken sie ihre Quartiere jedesmal durch, sobald sie sie betreten.
     
    *
     
    In der Tat geschah es auch diesmal so, wie Llewellyn gesagt hatte. Frost, Thor 51 und Isis 31 bewohnten drei nebeneinander befindliche Räumlichkeiten, einen ehemaligen, nun unterteilten Lagerraum. Das Trio traf sich in Frosts Quartier.
    Isis 31 suchte die Unterkunft gelangweilt mit einem kleinen Meßinstrument sorgsam ab, während Thor 51 das gleiche nebenan und im Korridor tat. Danach kam das Sammelsurium von Mobiliar an die Reihe. Die Untersuchung beanspruchte fast eine halbe Stunde, aber wenn der Manag mit den zwei Supertreibern mündliche Angelegenheiten zu besprechen wünschte, die den Terranauten vorenthalten bleiben sollten, ließ das umständliche Verfahren sich nicht vermeiden. Unterdessen saß Frost mit angeödeter Miene auf einem skurrilen, sehr unbequemen Stuhl im Neo-Jugendstil und gab sich der Betrachtung des in die Wand eingelassenen Aquariums hin. Winzige grüne Fischlein flitzten im Wasser hin und her.
    Frost bot alle Mühe auf, um Ruhe zu bewahren, aber diese ganze Mission als angeblicher Sonderbeauftragter hing ihm schon längst zum Hals heraus. Er wartete nun nur noch darauf, daß sich die entdeckte artifizielle Welt tatsächlich als Hephaistos, die Zentralwelt der Entitäten, erwies,

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