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Die Terranauten 015 - Der Clan der Magier

Die Terranauten 015 - Der Clan der Magier

Titel: Die Terranauten 015 - Der Clan der Magier
Autoren: Robert Quint
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Lärm brodelte über der Arena.
    Zehntausend Zopten auf den Sitzen des in den Fels gemeißelten Amphitheaters brüllten aus Leibeskräften, klatschten in die Hände, stampften mit den Füßen und ließen tiefe Schallwellen wie schmutzigen Rauch in den Himmel über Runnevel steigen. Durch die Lärmwolke, die sich einer durchlöcherten Mauer gleich in Zanzin von Vrests Bewußtsein abzeichnete, zirpten die Tonblitze der hochfrequenten Echoschreie, rissen das sandbedeckte Rund der Arena aus dem akustischen Chaos.
    Der Lore Zanzin von Vrest fauchte ärgerlich.
    Pöbel! dachte der Lore ergrimmt und warf das Netz seiner Echoschreie über die wackelnden Köpfe, den Staub, das Blut. Tagediebe sind sie alle, nutzlose Strolche!
    In der Arena trottete der Smolorch zufrieden hin und her, umkreiste den reglosen Körper seines besiegten Gegners. Der Smolorch war ein katzenähnliches, schuppenbedecktes Raubtier, das sich kraftvoll und mit Grazie bewegte, halb so groß und dreimal so lang wie ein durchschnittlicher Zopte, mit einem breiten Maul, das nur aus Reißzähnen zu bestehen schien.
    Der Lärm der begeisterten Zuschauer verwischte kurz das Bild des Smolorch, aber die Frequenz der Echoschreie war zu hoch, um längere Zeit von den tiefen, sonischen Schwingungen der Stimmen und des Gepolters überlagert zu werden.
    Der Lore Zanzin von Vrest wandte den massigen, fellbedeckten Schädel. Seine großen Ohrmuscheln zuckten wie Richtantennen hin und her, während seine schwachen, verkümmerten Augen nur unzusammenhängende Bilder schwankender Schatten sahen.
    »Grommoz!« brüllte der Lore und suchte mit seinen Echoschreien die Umgebung ab, bis er den Chef des Lorischen Palastkorps neben dem Schatzminister entdeckte, der fasziniert das Treiben in der Arena beobachtete. Grommoz war ein kräftiger, intelligenter Zopte, der Zanzin von Vrest absolut loyal diente.
    Und dies, dachte der Lore nicht ohne Selbstironie, ist das Kostbarste in diesen Tagen.
    Auf seinen Ruf hin zuckte Grommoz zusammen und eilte dann diensteifrig herbei.
    »Wie oft muß ich dich noch rufen, Bauerntölpel?« fauchte der Lore unbeherrscht. Er war nervös; der Lärm und der Staub – beides ermüdete ihn. Wiederholt schalt er sich einen Narren, daß er dem Drängen des Reichsverwesers nachgegeben und sich für diese Tierkämpfe Zeit genommen hatte. Er mußte verrückt gewesen sein, sich dieser Tortur auszusetzen, von der Gefahr, die ihm hier drohte, ganz zu schweigen.
    Der Gedanke weckte wieder die ungewisse Furcht seiner Nächte, und er wurde zornig, wütend über sich selbst und diesen elenden Idioten Grommoz, der selbstzufrieden vor ihm stand und immer wieder seine Ohrmuscheln abwandte und in die Arena hinunterhorchte.
    »Ich rede mit dir«, explodierte der Lore, »und du schaust dir die Wettkämpfe an, du Stück Dreck aus der Gosse, und dir vertraue ich meine Gesundheit und mein Leben und die Zukunft der Vereinigten Zoptischen Loren an! Dabei ist dein Schutz keinen verfluchten Silberling wert, du räudiger Bauernlümmel. Wie lange soll ich denn noch den Lärm dieses Proletenhaufens ertragen müssen, Grommoz? Greif dir den Wettleiter, und sorge dafür, daß es ruhiger wird und die Kämpfe weitergehen, oder ich lasse dir das Fell bei lebendigem Leibe gerben, hast du mich verstanden? Ob du verstanden hast, Grommoz?«
    Der Soldat neigte schweigend den Kopf, legte als Zeichen seiner Demut für einen Moment die Ohren eng an den Schädel und huschte dann davon, den Befehl des Loren auszuführen.
    Zanzin von Vrest schnaubte. Pack! Pack der schlimmsten Sorte, aber in Neuzen Vrest waren sie alle gleich: stupide Massen, die mit ein paar Münzen und Tierkämpfen zufriedengestellt werden konnten, und wenn das nichts mehr half, bei den Alten Loren von Vrest, dann würden sie eben den Geschmack der Gewehrkugeln kosten müssen, den Druck des Stiefels im Nacken spüren …
    Zopten erschienen in der Arena und näherten sich vorsichtig dem mißtrauisch fauchenden Smolorch und trieben ihn mit langen, spitzen Stangen in Richtung Ausgang. Als er in der runden Öffnung verschwunden war, senkte sich rasselnd ein Fallgitter. Anschließend machten sich die Tierpfleger daran, den Kadaver des unterlegenen Smolorch fortzuschaffen. Er hinterließ eine breite, blutige Spur auf dem Boden, die die Echoschreie des Loren ein klein wenig anders reflektierte als der übrige Sand und ihm ein diffuses Gefühl der Feuchtigkeit vermittelte.
    Eine Erinnerung durchzuckte den Loren. Früher, in seiner

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