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Die Sumpfloch-Saga Bd. 3 - Nixengold und Finsterblau

Die Sumpfloch-Saga Bd. 3 - Nixengold und Finsterblau

Titel: Die Sumpfloch-Saga Bd. 3 - Nixengold und Finsterblau
Autoren: Halo Summer
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Kapitel 1: Das Geheimnis vom Einsamen Stein
     
    Der Halbvampir Viego Vandalez erreichte das ‚Kostenlose Internat von Finsterpfahl’ noch vor Anbruch des Morgens. Bleich und kränklich schimmerte der Mond hinter zähen Wolkenschleiern, die es darauf abgesehen haben mussten, die Sterne zu verdunkeln, an diesem trostlosen Ort. Viego fühlte sich hier durchaus zu Hause. Von all den bemitleidenswerten Kindern, die jemals in Finsterpfahl zur Schule gegangen waren, hatte er diesen Ort wahrscheinlich am wenigsten gehasst. Seinen Freunden Gangwolf und Geraldine war es anders ergangen: Sie hatten unter Finsterpfahls Düsternis gelitten. Wie jedes Mal, wenn Viego an Geraldine dachte, überkam ihn eine große Traurigkeit. Seit Geraldine tot war, hatte die Welt für Viego ihr inneres Leuchten verloren. Er würde es nicht wiederfinden, doch er konnte den Spuren folgen, die ihr Leuchten in seinen Alpträumen hinterlassen hatte, und er würde es für immer tun.
    Nun stieg er die unzähligen Stufen zu dem riesigen, rechteckigen Gebäude hinab, das den Mittelpunkt der Schule bildete. Die Schule war in einem ehemaligen Krankenhaus eingerichtet worden. Wobei das Wort Krankenhaus der wahren Bestimmung dieses Ortes schmeichelte. Die schmucklosen Gebäude waren während den Großen Zauberer-Kriegen errichtet worden, als unzählige Menschen in den Kriegswirren ihren Verstand verloren hatten. Dort, wo ein monumentaler Granaten-Einschlag einen Krater in der Landschaft hinterlassen hatte, war ein riesenhaftes Sanatorium für Geisteskranke errichtet worden, mit strengsten Sicherheitsvorkehrungen. Niemand, der hier eingezogen war, war jemals wieder gesund geworden, hieß es. Nachdem die letzten Insassen des Sanatoriums an Altersschwäche gestorben waren, standen die Gebäude lange Zeit leer, bis vor ungefähr achthundert Jahren das ‚Kostenlose Internat von Finsterpfahl’ gegründet worden war.
    Wie alle Geschichten, die sich um Finsterpfahl rankten, waren die üblen Sanatoriums-Geschichten natürlich maßlos übertrieben. Viego war davon überzeugt. Er ließ sich nicht leicht einschüchtern, schon gar nicht von Geschichten, die man sich gerne in langen Winternächten am Feuer erzählte und die langweilig wären, würden sie nur von heiterer Beschaulichkeit handeln.
    „Viego!“, rief der einäugige Gnom im Pförtnerhäuschen. „Wie geht’s denn so?“
    „Mäßig wie immer“, antwortete der Halbvampir. „Und selbst?“
    „Alles bestens! Ich bin zum dreiundzwanzigsten Mal Vater geworden! Nur die Ferien sind sehr langweilig.“
    „Ach, sind sie?“, sagte Viego.
    „Ja, es ist keiner da, dem ich Angst machen kann!“
    Der Gnom lachte herzlich. Er war ein netter Kerl, das wusste Viego, doch leider liebte er Vorstellungen, die ihn gar nicht nett erscheinen ließen. Man brauchte ein paar Schuljahre, um zu begreifen, dass der einäugige Gnom keine Kinder fraß.
    „Ich verstehe“, sagte Viego. „Sag mal, ist der Knochen aus Nachtlingen zurück?“
    „Gestern eingetroffen! Er erwartet dich. Ist für seine Verhältnisse richtig fröhlich, seitdem er zurück ist.“
    „Das klingt gut.“
    „Gut, ja. Wofür auch immer!“, rief der einäugige Gnom. „Also hereinspaziert, Herr Halbvampir!“
    Die dreifache Schranke hob sich mitsamt ihren Kraftfeldern. Viego schritt unter den Kraftfeldern hindurch und vernahm sogleich den vertrauten Geruch seiner alten Schule. Es roch nach Zauberei, nach Stein und den Früchten der Dornbäume, die hier in Massen wuchsen. Viego schob alle Erinnerungen beiseite, die mit dem Duft von Dornbaum-Früchten verbunden waren, und rief den magikalischen Fahrstuhl herbei, der ihn in den obersten Stock transportieren sollte. Dort befanden sich nämlich die Räume von Duhm Vultur, dem Direktor der Schule, der von allen nur ‚der Knochen’ genannt wurde.
    Der Knochen wartete schon im dunklen Flur, als Viego den Fahrstuhl verließ. Da der Knochen nur schwarze Gewänder trug, waren sein bleiches Gesicht und die knochigen weißen Hände das Einzige, was man mit bloßem Auge im Dämmerlicht erkennen konnte. Etwas Staubtrockenes schien von Vultur auszugehen, ihm haftete ein Geruch an, der Viego immer an eine erkaltete Wüste denken ließ. Aber mal abgesehen davon war Viego dem alten Knochen sehr zugetan. Schon zu Schulzeiten hatten sie sich gut verstanden und später hatte sich eine Freundschaft entwickelt, die beiden sehr nützlich war.
    „Da bist du ja, Viego! Wir müssen etwas Wichtiges besprechen“, sagte Duhm

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