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Die sieben Schätze des Yoga

Die sieben Schätze des Yoga

Titel: Die sieben Schätze des Yoga
Autoren: Gräfe und Unzer
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und festgelegt, diesen Weg in aller Tiefe und Konsequenz zu gehen. Aus dieser Verpflichtung und Hingabe heraus ist ihnen dann über die Jahre hinweg die Meisterschaft erwachsen. Sie waren es auch nicht selbst, die sich zum Meister ernannt haben. Es waren die Menschen, die sie begleiteten und die sich ihnen anvertraut hatten, die sie zum Meister werden ließen.
    Was an diesen Meistern wirklich auffällt, sind ihre Güte und ihre Herzqualitäten. Und genau diese Qualitäten sind es auch, die sie letzlich zu vermitteln suchen, diese »fünf geistigen Kräfte«, die wir bei Patañjali ( > ) finden: Vertrauen, Willenskraft, Einsicht/Wissen, Ruhe und Achtsamkeit. Denn nur diese Qualitäten können dazu führen, dass wir Verantwortung für unser Wohlbefinden und das Wohlergehen der Welt auf uns nehmen wollen und können.
Ein kurzer Gang durch die Geschichte des Yoga
    Im Laufe der Zeit haben sich unüberschaubar viele Traditionslinien des Yoga herausgebildet, und diese Entwicklung setzt sich auch heute in großer Lebendigkeit fort. Jeder Mensch, der sich auf den Yogaweg begibt und wirklich auf ihn einlässt, wird mit den Übungen, die über die Jahrtausende entwickelt wurden, seine eigenen Erfahrungen machen. Diese Erfahrungen können im Rahmen der Tradition bleiben, in der er im Yoga unterwiesen wurde, oder sie können diesen Rahmen im Laufe der Zeit sprengen. Das geschieht, wenn sich die Sichtweise oder auch das Bewusstsein des Übenden stark verändert und er beginnt, neue Zusammenhänge zu erkennen, oder wenn er das alte Wissen mit neuen Erkenntnissen oder Konzepten verbindet. Auf diese Weise hat sich der Yoga über die Jahrtausende hinweg immer weiterentwickelt.
    Um zu verstehen, wie sich die unterschiedlichen Traditionslinien herausbilden konnten, die sich in den Konzepten der in diesem Buch vorgestellten Meister erfahren lassen, sollten wir einen kurzen Blick auf die Geschichte der yogischen Sichtweisen werfen, wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelt und teilweise radikal verändert haben.
    Shiva Nataraj symbolisiert mit seinem Tanz das ewige Werden, Bestehen und Vergehen allen Seins.
    Eine uralte Tradition
    Die Frühzeit des Yoga – die Welt der Rishis und des Veda
    Am Beginn vor etwa 3500 Jahren war der Yoga noch sehr stark von einer magischen Sichtweise auf die Welt geprägt. Die Yogis – damals Rishi (»Seher«) genannt – waren Menschen, die intensiven Kontakt mit den alten vedischen Göttern pflegten. Mithilfe bestimmter Atem- und Meditationsübungen konnten sie sich in die Lage versetzen, die Götter des vedischen Pantheons zu schauen und mit ihnen zu kommunizieren.
    Diese frühen Yogis experimentierten noch viel mit halluzinogenen Substanzen, und sie nutzten ihre Atemkraft auf extremste Weise, um ihr Bewusstsein zu verändern und zu erweitern. Sie waren Außenseiter der Gesellschaft, die gleichermaßen bewundert und gefürchtet wurden. Das Wissen, die außergewöhnlichen Fähigkeiten und wundersamen Kräfte (wie Hellsehen), die die Rishis durch ihre Schau erwarben, benutzten sie, um Macht über ihre Mitmenschen und sogar die Götter zu gewinnen.
    Veda (»Wissen«) heißen die ältesten heiligen Texte der indischen Kultur. Sie entstanden vor ca. 3500 Jahren und enthalten die frühesten philosophischen Einsichten der indischen Überlieferung. Bis heute sind sie maßgeblich für fast alle religiösen und ethischen Richtlinien. Ein wesentlicher Teil sind Ritualvorschriften für die Götter des vedischen Pantheons wie Indra (der Göttervater), Agni (Gott des Feuers), Vayu (Gott der Winde), Surya (Sonnengott) oder Uma (Göttin der Morgenröte). Ähnlich den griechischen Göttern nahmen sie menschliche Gestalt an und wurden mit Ritualen und Opfern angerufen, genährt und besänftigt.
    Die Zeit der Upanishaden – Alleinheitsdenken und erste Yogagruppen
    Am Ende der vedischen Zeit, im Vedanta (Ende des Veda, ab dem 6. Jahrhundert v. Chr.), hatte sich die Form der Yogapraxis zum ersten Mal stark verändert. Aus den alten wilden und unabhängigen Rishis waren Weisheitslehrer geworden, die in Gemeinschaft mit ihren Frauen und einer Reihe von Schülern lebten.
    Zu dieser Zeit entstehen die ersten reinen Yogatexte, die Upanishaden. Die Wortbedeutung und die Form sagen viel darüber aus, wie diese Texte vermutlich entstanden sind: Upanishad heißt »nahe bei jemandem sitzen«, und die Textform ist in der Regel ein Dialog zwischen Lehrer und Schüler.
    Yoga wird nun also in einer Gemeinschaft geübt, der ein Meister

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