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Die schwarze Witwe: Thriller (German Edition)

Die schwarze Witwe: Thriller (German Edition)

Titel: Die schwarze Witwe: Thriller (German Edition)
Autoren: Beverly Connor
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Kapitel 1
    W enn Diane Fallon ein Gefängnis betrat, störten sie weder der Klang der hinter ihr ins Schloss fallenden Stahltore noch die blinkenden roten Lichter oder das schrille Geplärr der Signalhupen, die das Aufgehen der Türen anzeigten. Es war der Geruch, der mit keinem anderen vergleichbar war – die Ausdünstung Hunderter Frauen, die jahrelang auf engstem Raum zusammengepfercht leben mussten.
    Die Greysfort-Hochsicherheitshaftanstalt für Frauen sah eigentlich ganz sauber aus. Die graugrünen Wände waren frisch gestrichen, und den gleichfarbigen Ziegelfußboden hatte man derart auf Hochglanz poliert, dass Diane ihr Spiegelbild erkennen konnte, als sie den langen Flur zum Besuchsraum hinunterging. Aber derart üble Gerüche lassen sich einfach nicht unterdrücken. Auch das leicht nach Kiefern riechende Desinfektionsmittel, das einem überall in die Nase drang, konnte den Urin- und Fäkaliengestank nur unvollkommen überdecken.
    Diane waren die unangenehmen Gerüche des Todes vertraut, Gerüche, die ihr immer wieder wertvolle Informationen vermittelten. Die Vorstellung, jahrelang eine solche Gefängnisluft einatmen zu müssen, war für sie dagegen in höchstem Maße bedrückend.
    Eine Wärterin öffnete ihr die Tür und deutete auf einen einfachen grauen Metallstuhl, der neben einem Tisch auf der Besucherseite des Sprechzimmers stand. Noch ein langweiliger, graugrüner Raum, musste Diane denken.
    Der Raum wurde durch einen Drahtschirm geteilt, der so eng geflochten war, dass nur die Fingerspitzen durch die Löcher hindurchpassten. Diane blieb neben dem Stuhl stehen. Sie schaute auf ihr Handgelenk. Für einen Moment hatte sie vergessen, dass sie ihre Uhr am Empfang hatte abgeben müssen.
    Mehrere lange Minuten verstrichen.
    Diane bemerkte an der Wand hinter ihr eine Uhr. Sie erinnerte sie an die in ihrer alten Schule: groß und rund und mit schwarzen Zeigern und Ziffern auf einem weißen Blatt. Sie besaß sogar einen Sekundenzeiger, der in seiner ihm eigenen Unerbittlichkeit vorrückte. Deprimierend. An diesem Ort verstand man, wie es zu dem Ausdruck »bleierne Zeit« gekommen war.
    Dabei hätte sie viel dringender ins Museum zurückgemusst, um das Feuer auszutreten, das die örtlichen Medien angefacht hatten. Warum hatte sie überhaupt eingewilligt, hierherzukommen? Die Staatsanwaltschaft war dagegen gewesen. Genauso wie die mit dem Fall betrauten Ermittler. Eigentlich hatte sie selbst auch nicht kommen wollen.
    Es war ja nicht der erste Brief, den sie von einem Gefängnisinsassen erhalten hatte, der dort auf Grund von Beweismaterial saß, das ihr Labor geliefert hatte. Die Schreiben waren immer sehr lang und oft voller Ausreden und Vorwürfe. Dieses war dagegen kurz und fast herzlich gewesen. Drei Sätze, mehr nicht.
Liebe Dr. Fallon!
Ich weiß, dass Sie eigentlich auf meinen Brief nicht antworten wollen, aber ich muss Ihnen unbedingt etwas mitteilen. Ich bitte Sie ganz herzlich, mich hier zu besuchen. Ich verstehe aber, wenn Sie nicht kommen können.
Clymene O’Riley
    Diane hätte ihn beinahe ohne Antwort abgelegt. Dann rief sie aber doch den Chefermittler an und hinterließ ihm eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Wer zurückrief, war dann allerdings der Bezirksstaatsanwalt.
    »Das kommt überhaupt nicht in Frage«, bellte er, bevor sie noch ein einziges Wort sagen konnte. An seine Umgangsformen, selbst an sein Verhalten bei Prozessen, konnte sie sich einfach nicht gewöhnen. Sie musste sich immer wieder selbst daran erinnern, dass sie auf der gleichen Seite standen. Riddmann. Sogar sein Name klang ziemlich energisch, was er bei seinem letzten Wahlkampf auch immer wieder geschickt ausgenutzt hatte.
    »Was kommt überhaupt nicht in Frage?«, fragte Diane, obwohl sie die Antwort sehr wohl kannte.
    »Diese O’Riley zu besuchen. Das wollten Sie doch wissen, oder?«
    »Nein. Wie kommen Sie denn darauf?« Sein rotziges Benehmen konnte sie gerade an diesem Tag überhaupt nicht brauchen.
    »Detective Malone meinte … Ich nahm deshalb an …« Er zögerte kurz. »Was wollten Sie denn dann?«
    Von dir gar nichts, dachte sie. Sie kniff sich in die Nasenwurzel, um etwas gegen das sich ankündigende Kopfweh zu unternehmen. »Ich wollte Detective Malone nur fragen, ob er eine Ahnung hat, was Clymene im Schilde führen könnte.«
    »Woher soll ich das wissen? Ich hatte allerdings erwartet, dass sie Berufung einlegt. Tatsächlich war dies in vielem ja ein reiner Indizienfall.«
    Die Art, wie er das sagte,

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