Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Die schonende Abwehr verliebter Frauen oder Die Kunst der Verstellung - Soboczynski, A: Die schonende Abwehr verliebter Frauen

Die schonende Abwehr verliebter Frauen oder Die Kunst der Verstellung - Soboczynski, A: Die schonende Abwehr verliebter Frauen

Titel: Die schonende Abwehr verliebter Frauen oder Die Kunst der Verstellung - Soboczynski, A: Die schonende Abwehr verliebter Frauen
Autoren: Adam Soboczynski
Ads
[ Menü ]
    |11| 1 DIE SCHONENDE ABWEHR VERLIEBTER FRAUEN BEHERRSCHEN
    E in unschönes Ereignis: Jemand ist in einen verliebt, umgekehrt ist man es aber nicht. Höflichkeit gebietet es, in diesem Fall
     schonend vorzugehen.
    Nehmen wir an, Sie sind ein Mann. Sie lernen auf einer Party, der Geburtstag einer alten Bekannten wird gefeiert, gegen ein
     Uhr nachts eine Frau kennen. Sie sind liiert, das weiß die Frau aber nicht. Sie verraten auch nicht gleich, dass sie mit jemandem
     liiert sind, der an diesem Abend aufgrund einer kleinen Erkältung verhindert ist. Sie verschweigen diese Information aus zwei
     Gründen: Zum einen käme das einem Affront gleich. Sie würden mit einer kurzen Erwähnung Ihrer Lebensgefährtin auf grobe Weise
     zu verstehen geben, dass Sie erkannt haben, dass die Frau des Abends Interesse an Ihnen zeigt. Zum anderen verschweigen Sie
     Ihre Beziehung, da die Begegnung nicht frei von sich anbahnender nervöser Anspannung ist, was zu genießen, zumindest in den
     wenigen Stunden einer Feier, Sie reizt.
    Sie sprechen über das Berufsleben, über den schwierigen Umgang mit Vorgesetzten, über vergangene und zu planende Urlaubsreisen
     (Rom, Finnland im Herbst!), darüber ob Kochen eine vergnügliche Tätigkeit ist oder eher nervt, und Sie |12| gelangen mit der Frau des Abends nach dem dritten Glas Wein, der die Zungen vollends löst, in eine übermütig-launige Stimmung.
     Sie mustern die anderen Gäste und lästern. Es fallen abschätzige Bemerkungen über eine verzweifelt gut gelaunte Frau in reifen
     Jahren.
    Lästern ist ein Gradmesser der Vertrautheit. Wer lästert, teilt unverhohlen seine niederen Gedanken mit und hofft auch noch,
     dass sie goutiert werden. An diesem Abend werden sie goutiert: Sie lachen gemeinsam. Es ist unversehens spät geworden, irgendwo
     fällt eine Bierflasche um, vier angeheiterte Frauen tanzen exaltiert zu einem kitschigen Schlager aus den Achtzigern. Sie
     stehen abseits des Treibens, in einer wenig frequentierten Nische, und fast wäre es zu einer unbedachten Berührung mit Ihrer
     Gesprächspartnerin gekommen, zur Andeutung eines Kusses. Unbedingt Zeit zu gehen! Sie verlassen nach dem vierten Glas Wein,
     das die Gefahr einer unkontrollierbaren Zusammenkunft in sich birgt, rasch das Fest, verabschieden sich, einen arbeitsreichen
     nächsten Morgen vorschützend, mit sachter Umarmung von ihrer neuen Bekanntschaft und vereinbaren noch, sich bald einmal auf
     einen Kaffee zu treffen.
    Irgendetwas störte. Vielleicht das etwas zu laute Lachen? Oder die spitzen Schuhe, die auf aggressive Weise Unterschichtiges
     suggerierten? Es sind ja immer diese Winzigkeiten, die alles entscheiden in Liebesdingen. Vielleicht war es auch nur die schnöde
     Scheu vor Komplikationen, die mit Affären einhergehen, das Geständnis, das schließlich zu äußern Sie nicht hätten umgehen
     können: Sie seien zwar |13| bereits vergeben, aber gegen eine lockere Liaison, herrje, ja, da hätten Sie nichts einzuwenden. Überhaupt: das Reden. Sie
     reden nicht gern vor einer Beziehung über dieselbige, womöglich lag es gar nicht an den Schuhen.
    Zwei Tage später natürlich die SMS von ihr. »Kaffee? Heute? Oder morgen?« Bewusst gut gelaunt abgefasst. Was tun? Am besten
     nichts. Nicht reagieren. Wobei – sich gleich nach der Feier gar nicht mehr zu melden geht natürlich nicht. Besser: erst einmal
     Zeit gewinnen. Sie schreiben also: »Gerne, aber im Moment wahnsinnig viel Stress, melde mich nächste Woche. Liebe Grüße!«
    Sie melden sich nach einer Woche keineswegs. Eine durchaus nachahmenswürdige Weise, den Kontakt abzubrechen. Die Verschmähte
     hat nun, Sie betreffend, eine schlechte Meinung. Das ist auch Ihre Absicht gewesen. Denn wer schonend Verliebte abwehren möchte,
     muss früh den Eindruck erwecken, er sei ein unzuverlässiger, vor allem aber ein durch und durch schwieriger Mensch. Kein bösartiger
     natürlich – wer weiß, ob die Verliebte Ihnen einmal wiederbegegnet? Oder durch üble Nachrede ihren Ruf zu schädigen sucht?
    Niemals darf die schonende Abwehr verliebter Frauen dem Abwehrer schaden. Es gilt vielmehr, die Verliebten kunstvoll im Glauben
     zu lassen, sie selbst hätten das Interesse an einem verloren. Verliebte Frauen zu schonen bedeutet, in ihnen die Selbstlüge
     zu entfalten.
    Besonders ärgerlich aber ist der Fall, wenn man aufgrund eines wortkargen Rückzugs als schillerndes Mysterium gilt. Wenn sich
     Frauen aufgrund des vermeintlich komplizierten |14|

Weitere Kostenlose Bücher

Verbotene Nähe
Verbotene Nähe von Christina Dodd
Der Seelenbrecher
Der Seelenbrecher von Sebastian Fitzek