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Die schöne Schwindlerin

Die schöne Schwindlerin

Titel: Die schöne Schwindlerin
Autoren: Celeste Bradley
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mit der Schule fertig war, räusperte sich: »Ich denke doch, Sie müssten Lord Mosely erkannt haben, Sir Thorogood. Es war Ihre Zeichnung, die ihn seine Position im Vorstand des Waisenhauses gekostet hat.«
    Verdammt. Dalton hatte die Karikaturen durchgesehen, aber offenkundig nicht gründlich genug. Er kaschierte den Patzer mit einer hochmütigen Handbewegung. »Ich porträtiere meine Figuren, wie die Muse es mir befiehlt. Ich kann mir nicht jeden Schurken merken, den meine Kunst enttarnt.«
    Einer der anderen nickte. »Es waren auch viele, das ist wahr. Von Mosely bis Wadsworth und jede Menge dazwischen.«
    Der Jüngste der Männer brannte offenkundig vor Neugier. »Wads worth?«
    Die anderen sahen ihn an. »Den hat seine Ehefrau wegen der Karikatur verlassen«, erklärte einer der anderen.
    Der junge Mann schien nur noch interessierter. Er sah seine Begleiter an, die entschieden zurückhaltender waren, und dann wieder Dalton. »Könnten Sie mir sagen… Ich wollte sagen, wo… wo bekommen Sie die Informationen her? Es muss ziemlich schwierig sein, die Geheimnisse all dieser Leute herauszufinden. Es
sind
ja schließlich Geheimnisse.«
    Dalton gestattete sich ein langsames, leicht boshaftes Lächeln. Er beugte sich vor, und die anderen neigten sich, ihrem Hochmut zum Trotz, auf ihn zu. »Nichts«, sagte er mit düsterem Ton in der Stimme.
»Nichts
ist für Sir Thorogood ein Geheimnis.«
    Ein paar von den Männern schluckten unisono. Dalton lächelte nur und merkte sich ihre Gesichter, um die Herren in seiner Freizeit zu überprüfen. An ihren Hurereien und Spielschulden hatte er kein Interesse, aber man wusste nie, wo man auf Hochverrat stieß.
    Wieder stürzten sich die Ladys auf ihn. » Oh, Sir Thorogood!«, jubilierten sie und umflatterten ihn wie Schmetterlinge, die nicht die Vernunft besaßen, sich vor dem Regen zu retten. Bei so viel weiblichem Sperrfeuer liefen die Herren auseinander, und Dalton fluchte im Geiste. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Sir Thorogood eine derartige Anziehung auf Frauen ausübte.
    Wie auch, nachdem ihn die Frauen die längste Zeit seines Lebens wie einen Furcht einflößenden Menagerie-Löwen behandelt hatten? Er fragte sich zwar manchmal, wie er die Distanz überbrücken könnte, aber im Augenblick vermisste er die ehrfurchtsvolle Scheu der Damenwelt aus ganzem Herzen.
    Steig einem Mann mit einem hohen Absatz auf die Zehen, und du wirst schon sehen, wie klein du ihn kriegst.
    Clara zog Beatrice mit einer Hand in den Frisierraum für Damen. Das in Rosa und Creme möblierte Zimmer war mit mehreren Wandspiegeln ausgestattet, die die anwesenden Damen zu einer Schwindel erregenden Menge vervielfältigten.
    Bea legte die Hand an ihre Frisur, um die Phalanx aus Pfauenfedern zu schützen, während sie sich durch die Tür schob. »Was hast du vor, Clara?«
    Clara machte sich nicht die Mühe zu antworten. Stattdessen zog sie Bea durch den überfüllten Raum in eine freie Ecke.
    »Ich muss anders aussehen«, wisperte sie Bea hastig zu. »Ich muss wie die aussehen.« Sie wies auf die anderen Frauen. »Nur besser.«
    Ein selbstgefälliges Leuchten erhellte Beas Augen. »Ich wusste es. Ich wusste, du würdest es noch bereuen, immer noch in Trauer zu gehen. Es ist wegen diesem Thorogood, nicht wahr? Er sieht gut aus, das kann ich dir versichern.«
    Clara tat die Bemerkung mit einer Handbewegung ab. »Du musst mir helfen, Bea.«
    Bea studierte sie von Kopf bis Fuß. »Wir könnten morgen Vormittag zu Madame Hortensia gehen und ein paar Sachen bestellen, obwohl ich sicher bin, dass es um diese Jahreszeit Wochen dauert…«
    »Nein, Bea
. Jetzt.«
    Beatrice zwinkerte. »Jetzt? Du willst in diesem Kleid, mit diesem Haar und diesem ungepuderten Gesicht einen Mann beeindrucken?«
    Es war Zeit, das große Geschütz aufzufahren. Clara wandte sich halb ab und ließ die Schultern sacken. »Wenn du glaubst, du schaffst es nicht, dann frage ich vielleicht besser Cora Teagarden…«
    »Diese Gans? Bist du verrückt? Eine Fliege hat mehr modisches Gespür. Du würdest schlimmer aussehen als… als…« Sprudelnd vor Entrüstung, packte Beatrice Clara am Arm und zog sie vor einen Spiegel.
    Dort stellte sie sich hinter sie und taxierte Claras Spiegelbild mit beängstigender Eindringlichkeit. »Das Kleid geht, wenn wir die Spitze nach unten ziehen. Himmel, Mädchen, warum plagst du dich mit einem Korsett, wenn du es doch nicht fest und hübsch schnürst? Zieh die Schultern nach unten… nein, tiefer…

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