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Die Rose des Propheten 5 - Das Buch der Nomaden

Die Rose des Propheten 5 - Das Buch der Nomaden

Titel: Die Rose des Propheten 5 - Das Buch der Nomaden
Autoren: Margaret Weis & Tracy Hickman
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Das Buch Quar
1
    Die Wüste brannte unter einer Sommersonne, die am Himmel loderte wie das Auge eines rachsüchtigen Gotts. Vor diesem sengenden, vernichtenden Blick konnte nur wenig Bestand haben. Wer ihn überlebte, hielt sich außerhalb der feurigen Sichtweite des Gotts, vergrub sich in sein Loch, schmollte in seinem Zelt, bis sich das Auge zum nächtlichen Schlaf schloß.
    Wenngleich es noch früh am Morgen war, strahlte die Hitze bereits vom Wüstenboden mit einer Heftigkeit ab, die selbst dem Dschinn Fedj ein Gefühl verursachte, als sei er wie ein Shishlick aufgespießt worden, um nunmehr gemächlich über den Kohlen eines ewigen Feuers geröstet zu werden.
    Fedj schlenderte niedergeschlagen durch das Lager um den Tel – sofern man es als Lager bezeichnen durfte. Er wußte, daß er eigentlich seinem Herrn hätte aufwarten müssen, Scheich Jaafar al Widjar, doch angesichts der Stimmung, die dem Scheich dieser Tage eignete, hätte der Dschinn es sogar vorgezogen, einem Wisch des Sul zu dienen. Die letzten Monate war es jeden Morgen dasselbe gewesen. Kaum war Fedj dem Ring an der Hand seines Herrn entsprungen, schon ging es los.
    Zuerst das Wimmern. Händeringend jammerte Jaafar vor sich hin.
    »Bin ich von allen Kindern des Akhran nicht der Unglückseligste? Ich bin verdammt, verdammt! Mein Volk in Gefangenschaft! Unser Zuhause in den Bergen vernichtet! Die Schafe, die unser Leben sind, in die Winde und unter die Wölfe verstreut! Meine älteste Tochter, das Licht meiner müden Augen, verschwunden!«
    Es hatte eine Zeit gegeben, und sie lag gar nicht einmal allzulange zurück, da mußte Fedj an diesem Punkt stets säuerlich denken, da man das Verschwinden dieser Tochter als Segen und nicht als Fluch begriffen hätte, aber der Dschinn versagte es sich stets, das zu erwähnen.
    Winseln und Händeringen steigerten sich zu einem lauten Klagen.
    »Warum hast du mir das angetan, Hazrat Akhran? Ich, Jaafar al Widjar, habe doch jeden deiner Befehle ohne zu fragen ausgeführt!«
    Ohne zu fragen, Herr? Dann bin ich auch der Sohn einer Ziege!
    »Habe ich nicht meine Tochter herbeigeführt, mein kostbares Kleinod mit den Augen einer Gazelle…«
    Und der Stimmung eines verhungernden Leoparden!
    »…um sie mit dem Sohn meines Erzfeinds Scheich Majiid al Fakhar – mögen Kamele auf seinem Kopf herumtrampeln – zu vermählen, und habe ich nicht des weiteren mein Volk auf dein Geheiß hierhergeführt, um sich um diesen verdammten Tel herum niederzulassen, und haben wir des weiteren etwa nicht in Frieden mit unserem Feind gelebt, wie es dein erlauchter Wille war, Hazrat Akhran, oder hätten wir es nicht getan, wären wir nicht von den diebischen Akar über die Grenze des Erträglichen hinausgetrieben worden…«
    »Die es sich aus irgendeinem unverständlichen Grund in den Kopf gesetzt hatten, sich über den ›friedlichen‹ Pferdediebstahl der Hrana zu empören!«
    »Und haben wir nicht unter unseren Feinden gelitten? Unsere Frauen und Kinder, von den Soldaten des Emir aus unserer Umarmung gerissen und in der Stadt gefangengehalten? Unser Lager verwüstet, während das Wasser in der Oase täglich vor unseren Augen weniger wird…«
    Fedj rollte die Augen, seufzte und betrat – da er wußte, daß er darum nicht herumkommen würde, das Zelt seines Herrn, der sich in einem empörten Redeschwall erließ.
    »…und trotzdem beharrst du darauf, daß wir hierbleiben, an diesem Ort, wo nicht einmal Sul allzulange würde leben können, während wir darauf warten, daß irgendeine vermaledeite Blume erblüht – deren braune und vertrockneten Enden mittlerweile ebenso ausgemergelt aussehen wie meine. Erblüht? Eher sprießen Rosen aus meinem Kinn als aus diesem sandsaugenden Kaktus!« schrie Jaafar und schüttelte eine kraftlose Faust gen Himmel.
    Die Versuchung, nunmehr tatsächlich Blüten aus dem ergrauten Kinn des Manns hervorzutreiben, war so stark, daß Fedj sich in Qualen wand. Doch nun hatte das Hadern aufgehört. Ihm folgte unweigerlich tränenreiche Reue und Kriecherei. Fedj spannte sich an. Er wußte, was nun kommen würde.
    »Verzeih mir, Hazrat Akhran.« Jaafar warf sich zu Boden. »Es ist ja nur, daß dein Wille schwer zu begreifen und für uns arme Sterbliche hart ist, und da es wahrscheinlich zu sein scheint, daß wir alle ob der Härte und der Schwierigkeit eingehen werden, flehe ich dich an…« Ein Knopfauge spähte aus den Falten des Haik hervor und richtete sich eindringlich auf den Dschinn »…uns von unserem

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