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Die Rache des stolzen Griechen

Die Rache des stolzen Griechen

Titel: Die Rache des stolzen Griechen
Autoren: Jessica Steele
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1. KAPITEL
    Clare war oben im ersten Stock mit Bettenmachen beschäftigt, als unten im Flur das Telefon klingelte. Bestimmt nicht für mich, dachte sie. Trotzdem lief sie zur Treppe für den Fall, dass Bruce, der ältere ihrer beiden Brüder, draußen war und das Klingeln nicht hörte.
    Sie war gerade am Treppenabsatz angelangt, als das Klingeln aufhörte. „Hey, das ist eine super Idee!“, hörte sie Bruce einen Moment später ausrufen. „Zehn Tage, sagst du? Klar komme ich mit!“
    Clare musste lächeln. Sie hing sehr an ihren beiden Brüdern Bruce und Kit und freute sich mit ihnen, wenn es eine gute Nachricht gab. Als sie sich umdrehte und wieder nach oben gehen wollte, fiel ihr jedoch auf, dass Bruce’ Stimme plötzlich resigniert klang.
    „Tut mir leid, Rob, aber gerade ist mir eingefallen, dass ich doch nicht mitkommen kann. Meine Eltern sind verreist, und ich habe meinem Vater versprochen, verschiedene Arbeiten zu erledigen, bis sie zurückkommen.“
    ClarerunzeltedieStirn. Arbeiten? Ihre Elternwaren zwar gestern nach Frankreich in Urlaub gefahren, aber Dad hatte Bruce ganz sicher nicht mit irgendwelchen Arbeiten beauftragt.
    „Trotzdem besten Dank, Rob“, redete Bruce weiter. „Wär toll, wenn es ein andermal klappen würde.“
    Rob Edmonds war der beste Freund ihres Bruders und ein ebenso leidenschaftlicher Höhlenkletterer wie er. Hatte er Bruce auf eine Höhlenwanderung mitnehmen wollen?
    Bestimmt wäre Bruce gern mitgekommen, dachte Clare unglücklich, während sie wieder nach oben ging. Er und Kit hatten ebenso Urlaub wie ihre Eltern, denn das familieneigene Architekturbüro war für zwei Wochen geschlossen. Ihre Eltern hatten es so arrangiert, damit immer einer ihrer Brüder bei ihr zu Hause war.
    Das alte Schuldgefühl regte sich wieder in ihr. Sie hatte die wundervollste Familie der Welt, und nach ihrem schrecklichen Erlebnis vor fünf Jahren, das ein so großer Schock für sie gewesen war, dass sie für längere Zeit ihre Sprache verloren hatte, war sie ihnen für ihre Unterstützung sehr dankbar gewesen. Doch jetzt war sie zum größten Teil darüber hinweg, und ihre Familie brauchte ihretwegen keine Opfer mehr zu bringen.
    Bruce war sechsundzwanzig, Kit vierundzwanzig. Beide hatten ihren Freundeskreis und gingen gern aus, doch wenn es sich so ergab, dass beide Elternteile unverhofft wegfahren mussten wie damals, als Großvater starb, würde zumindest einer ihrer Brüder alle Pläne fallen lassen, damit Clare über Nacht nicht allein im Haus war. Und so wie es sich anhörte, hatte Bruce gerade ihretwegen abgelehnt, mit Rob auf eine längere Höhlenexpedition zu gehen, da ihre Eltern im Urlaub waren.
    Nein, das konnte sie nicht zulassen! Entschlossen ging Clare nach unten. Bruce war in der Küche, wo er gerade die Kaffeemaschine füllte.
    „Möchtest du auch eine Tasse, Clare?“
    „Gern.“ Lächelnd blickte sie zu ihrem Bruder auf, der sie um mehr als einen Kopf überragte.
    Innerlich zitterte sie jedoch ein wenig vor dem, was sie ihm sagen wollte. Ihr wurde bewusst, dass sie noch nie im Leben eine eigene Entscheidung getroffen hatte. Bisher hatte ihre Familie ihr immer alles abgenommen. Doch allmählich war es an der Zeit, dass sie sich abnabelte.
    Sie ließ sich am Küchentisch nieder und sah zu, wie Bruce den Kaffee in zwei Tassen goss. „Hat Rob dich gefragt, ob du mit ihm Höhlenklettern gehen willst?“, erkundigte sie sich, nachdem er sich zu ihr gesetzt hatte.
    Seine Miene verriet ihr, dass ihre Vermutung stimmte. Clare nahm ihren ganzen Mut zusammen und fuhr fort: „Bruce, dass du für Dad irgendwelche Arbeiten erledigen musst, war doch nur eine Ausrede. Ich habe genau gehört, wie er zu dir und Kit gesagt hat, dass es im Büro in den nächsten zwei Wochen nichts zu tun gibt, das nicht bis nach dem Urlaub warten könnte.“
    Verblüfft schaute Bruce Harper seine Schwester an. Diesen bestimmten Tonfall kannte er ja gar nicht an ihr!
    „Ach, Bruce!“ Sie stieß einen Seufzer aus. „Ich verderbe euch allen den ganzen Spaß. So ist es doch, oder? Ich merke genau, dass du nur meinetwegen Rob nicht begleiten willst.“
    „Sei nicht albern, Clare. Ich hatte keine Lust und redete mich mit Arbeiten für Dad heraus, weil mir auf die Schnelle nichts Besseres einfiel.“
    Sie schüttelte den Kopf. Sie dachte an die Begeisterung in Bruce’ Stimme, als er mit Rob am Telefon gesprochen hatte, und fragte sich im Stillen, auf wie viele Vergnügungen ihre Brüder ihretwegen schon verzichtet

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