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Die Prophezeiung von Umbria

Die Prophezeiung von Umbria

Titel: Die Prophezeiung von Umbria
Autoren: Deborah Hale
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1. KAPITEL
    I hre Zeit ist gekommen.
    Maura Woodbury hatte nur noch rasch diesen Satz lesen können, bevor sie zu einem verletzten Kind ins Dorf gerufen worden war. Wessen Zeit war gemeint? Auf dem Weg nach Windleford, einem kleinen Ort im Süden Umbrias, war ihr diese Frage nicht aus dem Kopf gegangen. Aber vielleicht hatte sie den Text ja auch nicht richtig gelesen oder Langbards besorgte Blicke missverstanden.
    Entschlossen begann sie jetzt, die Hand des kleinen Jungen zu untersuchen.
    “Hier habe ich etwas, das bestimmt hilft. Gleich wirst du keine Schmerzen mehr haben”, sagte sie laut, um den schluchzenden Kleinen zu beruhigen.
    Aus einem irdenen Töpfchen, das sie in ihrem Korb mitgebracht hatte, nahm sie einen dicken Klacks grüner Salbe. Vorsichtig bestrich sie damit die blasenbedeckte kleine Hand. Augenblicklich erfüllte der angenehm scharfe Geruch von frisch zerdrücktem Wasserdorn und Marschkraut den Raum.
    Misstrauisch beobachtete die Mutter des Buben die junge Frau, während sie dabei verstohlen die Hände rang. Hatte sie nur Angst um ihren Sohn, oder fürchtete sie sich, weil das Mündel des Zauberers in ihrem Haus war?
    Wenn sie nicht gerade krank oder verletzt waren, sprachen die Dorfbewohner nämlich kaum mit Maura oder ihrem Vormund. Langbard schien das jedoch nichts auszumachen. Den alten Zauberer hatte kaum jemals etwas aus der Ruhe bringen können … bis vor einer Stunde, als dieser Botenvogel die Nachricht gebracht hatte.
    “Wie ist das eigentlich passiert?”, fragte Maura den Jungen, der endlich zu weinen aufgehört hatte. “Hast du etwas Leckeres im Kochtopf deiner Mutter entdeckt und versucht, es herauszufischen?”
    Doch wenn er sich nur verbrüht gehabt hätte, sähe seine Hand nicht so schlimm aus. Beleidigt zog der Kleine die Nase hoch. “So dumm bin ich doch nicht. Meine Freunde und ich haben gespielt, und da sah ich diesen komischen grauen Stecken. Als ich ihn aufgehoben habe, fing plötzlich meine Hand ganz fürchterlich zu brennen an, schlimmer als hundert Bienenstiche auf einmal!”
    “Ein Schmerzstachel?”, schrie Maura entsetzt. “Verdammt sollen sie sein, diese Soldaten! Wie können sie nur solche schrecklichen Dinge in der Gegend herumliegen lassen? Um eine Landbevölkerung wie uns in Schach zu halten, reichen normale Waffen doch völlig aus.”
    Vor Mauras Geburt herrschten die Han bereits in Umbria. Es waren Eindringlinge aus dem Süden, voller Gier nach den gefährlichen Reichtümern des Blutmond-Gebirges.
    “So nahe an der Garnison hatten die Jungen ja auch nichts zu suchen!”, schimpfte die Mutter, die sich jedoch mehr über Maura als über ihren Sohn zu ärgern schien. “Schließlich müssen die Soldaten die Ordnung aufrechterhalten, nicht wahr? Wenn es ein Schmerzstachel war, dann war er wahrscheinlich für die Gesetzlosen bestimmt. Ich habe gehört, dass drüben im Betchwood-Wald schon wieder so eine Bande ihr Unwesen treibt.”
    “Mag sein”, meinte Maura. Hätte sie doch nur den Mund gehalten! Vielleicht waren die Zauberwaffen der Garnison wirklich nur für die Gesetzlosen bestimmt, von denen einige in letzter Zeit ziemlich dreist geworden waren.
    “Wie geht es deiner Hand jetzt?” Sie wandte sich wieder dem Jungen zu. “Besser?”
    Das Kind nickte. “Es tut noch ein bisschen weh, aber nicht mehr so schlimm.”
    Maura wusste, dass eine solche Verletzung eigentlich ein stärkeres Heilmittel brauchte. “Ich weiß, was deine Hand wieder gesund machen wird – frischer Königinnenbalsam.”
    Er blühte, wenn sie Geburtstag hatte. In ihrer Kindheit hatten sie und Langbard diesen Tag oft mit einem Picknick gefeiert und dann gemeinsam das Kraut gesammelt.
    “Ich hoffe, du hast etwas aus dieser Geschichte gelernt.”
    Hastig packte sie ihre Sachen wieder in den Korb. Mit einem Mal wollte sie nur noch nach Hause. “Wenn du das nächste Mal so ein Metallding siehst, dann bleib weg davon.”
    Die Mutter nickte bestätigend. Widerwillig musste sie Maura recht geben.
    Maura erhob sich von dem Schemel, der neben dem Bett des Jungen stand, und reichte seiner Mutter das Salbentöpfchen. “Wenn er Schmerzen hat, streicht ihm die Salbe auf, doch verreibt sie nicht zu sehr. Morgen bringe ich Euch etwas Königinnenbalsam.”
    “Bemüht Euch nicht.” Die Frau steckte das Gefäß in die Schürzentasche. Sie schien zwischen Dankbarkeit und dem Wunsch, dass Maura endlich wieder ihr Haus verlassen möge, hin und her gerissen. “Ihr habt uns sehr geholfen.”
    Maura

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