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Die Phoenix Chroniken: Blut (German Edition)

Die Phoenix Chroniken: Blut (German Edition)

Titel: Die Phoenix Chroniken: Blut (German Edition)
Autoren: Lori Handeland
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Beschwörungsformeln, mit denen man Dämonen herbeirufen, ihnen Befehle erteilen und sie wieder entlassen kann – aber das ist nur der Anfang. Im Laufe der Jahre wurden verschiedene Übersetzungen angefertigt, doch keine von ihnen war vollständig. Wir suchten also nach der Originalausgabe, die alles enthielt.
    Leider wusste niemand, wo sie sich befand. Die letzte Person, die sie gesehen hatte, war ein Rabbi namens Turnblat. Er wurde von wilden Hunden – ein Codewort für Gestaltwandler – getötet. Doch der Schlüssel wurde unter seinen Habseligkeiten nicht gefunden.
    Ich hatte immer angenommen, dass ihn die Nephilim haben mussten. Wie sonst hätten die verfluchten Dämonen entfliehen können? Aber wenn sie jetzt uns fragten, wo der Schlüssel war … Das warf ein ganz neues Licht auf die Dinge.
    „Wo ist der Schlüssel?“, fragte der Varcolac noch einmal.
    „Ehrlich, Kumpel, wir dachten, ihr hättet ihn.“
    „Lizzy!“
    Mein Name ging in einen Fluch über, als der andere Varcolac Jimmy einen weiteren Schnitt zufügte. Er würde seine Wunde heilen, genau wie ich. Doch ich hoffte, sie würden es nicht merken. Bis jetzt kannten die Nephilim noch nicht alle meine Fähigkeiten, und mir war sehr daran gelegen, dass das auch so blieb.
    „Wie kommst du darauf, dass wir ihn haben?“, fragte der Varcolac.
    „Ihr habt doch Rabbi Turnblat umgebracht.“
    Er grinste. „Also, ich war es nicht.“
    „Und dann habt ihr den Schlüssel an euch genommen.“ Er schüttelte den Kopf. Ich schaffte es, die Schultern zu zucken, ohne die Ketten zu bewegen. „Irgendjemand hat es jedenfalls getan. Du solltest dir lieber mal deine liebreizenden Freunde vorknöpfen.“
    Für einen kurzen Moment lag Zweifel in den gelben Flammen, die in den Augen des Varcolacs loderten. Dann sah er mich finster an.
    „Wir wissen, dass du ihn hast. Der Schlüssel ist dort, wo der Phönix ist. Das hat der Rabbi gesagt.“
    Ich konnte mir vorstellen, dass der Rabbi so ziemlich alles erzählt hätte, als er dem Nephilim gegenüberstand, der ihn töten sollte. Möglicherweise sogar die Wahrheit, aber –
    „Ich habe ihn nicht. Ich schwöre bei Gott.“
    Der Varcolac zischte, ich verdrehte die Augen. Der Name Gottes tat ihnen nicht weh. Wenn dem so wäre, würde ich den ganzen Tag Kirchenlieder singen.
    „Du wirst es uns sagen. Dafür werde ich schon sorgen.“ Er hob das goldene Messer und versuchte, meinen Hals aufzuschlitzen. Doch das Hundehalsband hinderte ihn daran. Mit einem ärgerlichen Laut griff er nach dem Verschluss.
    „Das würde ich an deiner Stelle lieber nicht tun“, murmelte ich.
    Er ignorierte es.
    „Nicht!“, schrie Jimmy. „Sie muss dieses Halsband tragen. Scheiße!“
    Ich sah zu ihm hinüber. Der muskelbepackte Varcolac hatte nun ernsthaft damit begonnen, auf Jimmy einzustechen.
    „Hört auf damit!“, befahl ich.
    Der Varcolac neben mir grinste. „Und warum sollten wir das tun?“
    „Ich könnte euch dazu zwingen.“
    Er beugte sich näher zu mir, sein Gesicht befand sich unmittelbar vor meinem.
    „Du bist gefesselt, Seherin. Du wirst nie wieder frei sein. Du wirst uns alles sagen, was wir wissen wollen. Und dann wirst du zusehen, wie wir deinen liebreizenden Freund hier umbringen.“
    Er bleckte die Zähne und fauchte. „Und dann werden wir unsere Gelüste an deinem Körper stillen – jeder von uns. Und wir sind Heerscharen. Wenn du danach immer noch am Leben bist, was ich bezweifle, dann sorgen wir dafür, dass du darum bettelst, sterben zu dürfen.“
    Er fuhr mit der Zunge über meinen Hals, sein Atem roch nach Fäulnis. „Wo also ist der Schlüssel?“
    „Leck mich!“
    Er versuchte wieder, mir den Hals aufzuschlitzen. Genau das hatte ich aber gewollt. Als das Messer erneut an meinem edelsteinbesetzten Halsband hängen blieb, nahm er sich den Verschluss vor, pfriemelte ungeschickt daran herum und schaffte es endlich, ihn zu lösen.
    Der Wind legte sich. Jimmy flüsterte: „Oh-oh.“
    Die Veränderung kam wie eine Flutwelle über mich, ein Waldbrand oder ein Tornado – zwar natürlich, aber tödlich. Das Halsband hielt das Wesen in meinem Inneren unter Verschluss. Wenn ich es nicht trug, kam mein anderes, neues und verbessertes Ich zum Vorschein.
    Das war weiter kein Problem, wenn ich gerade dabei war, Dämonen zu töten. Sogar im Gegenteil. Schwierig wurde es erst, wenn es an der Zeit war, den Vampir wieder in seine Kiste zu sperren. Es gab nur wenige Wesen auf der Welt, die dazu in der Lage waren. Und in

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