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Die Phoenix Chroniken: Blut (German Edition)

Die Phoenix Chroniken: Blut (German Edition)

Titel: Die Phoenix Chroniken: Blut (German Edition)
Autoren: Lori Handeland
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in der Wüste aufzuspüren. An den meisten Tagen sahen sie wie Menschen aus. Sie lebten ihr Leben, passten sich hervorragend an und verwandelten sich nur kurz vor einer Sonnen- oder Mondfinsternis in Drachen.
    Was war zuerst da, die Henne oder das Ei? Der Drache, der den Mond fraß, oder der Mond, der sich verdunkelte und den Drachen hervorbrachte? Schwer zu sagen.
    Sicher scheint jedoch, dass die Nephilim ihr Versteckspiel sofort nach der Befreiung der Grigori aufgegeben hatten. Ihre Zeit war gekommen. Und für mich und meinesgleichen wurde die Lage etwas brenzlig.
    Bis vor Kurzem noch hatte jeder Dämonenjäger mit einem Seher zusammengearbeitet, also mit jemandem, der die übersinnliche Gabe besaß, den Dämon hinter der menschlichen Verkleidung der Nephilim zu erkennen.
    Früher bin ich selbst eine Seherin gewesen, aber inzwischen haben sich die Dinge geändert. Oh, ich verfüge immer noch über übersinnliche Kräfte, die hatte ich seit eh und je. Seit ich sprechen konnte, vielleicht sogar schon früher, konnte ich belebte und unbelebte Objekte berühren und wusste plötzlich solche seltsamen Dinge wie zum Beispiel: was Menschen getan hatten, wohin sie verschwunden waren, was sie dachten.
    Später jedoch, als ich zur Anführerin des Lichts wurde, erbte ich die Fähigkeiten der Frau, die mich aufgezogen hatte. Als nämlich Ruthie Kane in meinen Armen starb, gingen all ihre Kräfte auf mich über. Nicht nur meine psychometrischen Fähigkeiten nahmen zu, sondern … plötzlich war ich auch ein Medium.
    Ruthie mochte zwar tot sein, doch das hieß noch lange nicht, dass ich sie nicht hören oder mich nicht mit ihr unterhalten konnte. Manchmal war ich sogar imstande, sie zu sehen. Sie wurde zu meiner spirituellen Verbindung. Immer wenn ein Nephilim in der Nähe war, erfuhr ich durch Ruthies Flüstern im Wind davon. Und wenn sie etwas Größeres planten – was eigentlich immer der Fall war – , hatte ich eine Vision, in der alles darüber zu sehen war. Das war jedenfalls bis vor kurzer Zeit so gewesen.
    „Zu viele“, murmelte Jimmy.
    Wir waren in Varcolac-Blut getränkt. Ein Dutzend von ihnen hatten wir schon zerstückelt, doch dann war noch ein weiteres Dutzend aufgetaucht. Wir brauchten Hilfe, aber es war ja niemand mehr übrig.
    Die Föderation – also die Gruppe von Dämonenjägern und Sehern, die den Auftrag hatte, in diesem übersinnlichen Krieg zu kämpfen – war nach Ruthies Tod ziemlich zusammengeschrumpft. Wir konnten uns aber nicht einfach ein paar neue Dämonenjäger suchen. Schließlich mussten sie erst ausgebildet werden. Neue Seher mussten entdeckt werden. Ich hatte nicht viel Zeit, mich um den Nachwuchs zu kümmern, auch schon damals nicht, vor dieser leidigen Geschichte mit der Öffnung des Tartarus und den entflohenen Grigori. Und jetzt …
    Jetzt blieb mir nichts anderes übrig, als im Geisterzug in den Weltuntergang zu rasen. Genau genommen waren wir ziemlich am Arsch. Aber deshalb gaben wir noch lange nicht auf. Im Übrigen hatte ich auch noch eine Geheimwaffe. Etwas, das ich gern als Vampir-Überraschung bezeichne.
    Ich hob meinen Arm und strich mit den Fingern über das magische, edelsteinbesetzte Hundehalsband, das meinen Hals umschloss. Solange ich dieses Accessoire trug, war ich einfach nur ich. Doch wenn ich es ablegte …
    „Nicht, Lizzy!“
    Ich starrte Jimmy an. Er hatte gesehen, dass ich an meinem Halsband herumgespielt hatte. Selbst wenn man mich nicht so gut kannte wie er, brauchte man kein Genie zu sein, um zu ahnen, was ich vorhatte.
    Einer der Varcolacs griff unter kräftigen Schlägen seiner Drachenschwingen und mit ausgestreckten Krallen an. Jimmy schlug ihm den Kopf ab, ohne auch nur richtig hinzusehen. Jimmy war wirklich gut. Mir selbst ging das Töten noch immer nicht ganz so leicht von der Hand.
    Ich ließ das Halsband los und stellte mich dem nächsten Varcolac, hielt mein Schwert mit beiden Händen umfasst und tat, was eben getan werden musste. Ich verlor Jimmy für einen Moment aus den Augen. Diese verfluchten Dämonen schienen sich zu vermehren. Für jeden, den wir töteten, kamen zwei weitere aus der Dunkelheit hervor. Ihre Schwingen flimmerten im silbrigen Licht des fast vollen Mondes und weckten die Erinnerung an jene Nacht, in der die Grigori ausgebrochen waren und ihre Schatten die vollkommene Rundung des Mondes verdunkelt hatten.
    Jimmy schrie auf. Dieses Geräusch ließ mein Herz für einen Moment aussetzen. Einer der Varcolacs hatte seine Kralle durch Jimmys

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