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Die Legende von Shannara 01 - Brooks, T: Legende von Shannara 01

Die Legende von Shannara 01 - Brooks, T: Legende von Shannara 01

Titel: Die Legende von Shannara 01 - Brooks, T: Legende von Shannara 01
Autoren: Terry Brooks
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KAPITEL 1
    Schwarzes Eis bedeckte die hartgefrorene Erde, nachdem die Temperatur in der Nacht unter den Gefrierpunkt gefallen war. Das Eis bildete eine dünne, rutschige Schicht, auf der die verstärkten Wildledersohlen seiner Stiefel nicht haften wollten. Trotzdem schritt der Graue mit Anmut und Leichtigkeit über die tückische Glätte… nicht, weil er sich der Gefahr nicht bewusst war, sondern weil er sich an sie gewöhnt hatte. Er durchquerte die Wälder nahe der Schneegrenze an den Rändern des Tals, wobei er fast so durchscheinend war wie die Geister, mit denen man ihn oft verglich. Inmitten der Dunkelheit, der feucht schimmernden Baumstämme und Zweige und vor dem dunklen Grün der Koniferen war er nur einer von vielen nächtlichen Schatten.
    Aber nur so lange, bis man ihm nah genug gekommen war, um zu bemerken, dass er kein Trugbild der Fantasie, sondern genauso real war wie die Gerüchte, deren Flüstern ihm folgte, und das lange Schweigen. Und doch war da noch so viel mehr, das ihn umgab.
    Er durchwanderte den langsamen Rückzug der Nacht und sah, wie der Tagesanbruch den Himmel am östlichen Rand des Tals erhellte. Es lag so weit entfernt, dass kaum mehr von ihm zu erkennen war als ein schwacher Schimmer. Er war schon seit Stunden gelaufen, die Nachtruhe hatte früh für ihn geendet und seine Reise von Neuem begonnen. Jeden Tag erwachte er an einem anderen Ort, und obwohl er wieder und wieder dieselbe Route nahm, vom Rand des Tals, von den Berggipfeln zu den kargen Gebirgskämmen, hin zu den Klippen und wieder zurück, kümmerten ihn niemals die Dauer oder sein Tempo, sondern stets nur die Reihenfolge. Sein Auftrag war es, sich hoch droben von Gebirgspass zu Gebirgspass durchzuschlagen, von einer Talöffnung zur nächsten, immer auf der Suche nach einem Durchlass, der hinausführte– oder hinein, obschon er niemals einen fand. Die Nebel, die das Tal seit Hawks Zeiten versiegelten, hatten sich noch nicht zurückgezogen. Aber das würde sich ändern, und er würde es noch erleben.
    Das hatten ihm seine Träume erzählt.
    Die Barriere, die die Überlebenden der Großen Kriege sicher umhüllte und alle Dinge, welche die Welt da draußen umtrieb, fernhielt, würde nicht ewig Bestand haben, auch wenn es viele gab, die anders darüber dachten. Diese Mauer war eine Manifestation von Macht, wie er sich keine zweite vorstellen konnte, obwohl er selbst über beträchtliche Kräfte verfügte. Aber nichts währte ewig, und alles musste sich wandeln. Ganz gleich, woran die einen glaubten und was die anderen sich wünschten – das Leben war immer für Überraschungen gut.
    Vor ihm, irgendwo hoch oben am Himmel, schrie ein Falke, segelte über Schneefelder und zerklüftete Vorgebirge, und sein Schrei ermahnte den Grauen, dass ihm die Zeit davonlief und die Vergangenheit ihn einholte. Er beschleunigte seinen Schritt, bewegte sich stumm durch die tiefen Wälder, während seine zerschlissene Robe um seine schlanke Gestalt schlackerte. Er stapfte nicht zwischen den Bäumen hindurch, sein Schreiten glich eher dem Fließen eines Spektralwesens, das nur aus einem Hauch von Farben und Rauch, aus Äther und Licht bestand. Unterwegs berührte er Dinge, stieß sie zart an oder strich vorsichtig mit den Fingerspitzen darüber; in jedem erspürte er etwas von der Welt, die es umgab. Er witterte in der Luft und studierte das Aussehen der feinen Zweigspitzen. Alles sprach zu ihm. Hier war ein Koden vorbeigekommen, nicht weit dort drüben musste es Quellwasser geben. Flügge gewordene Raben hatten das Nest verlassen und waren davongeflogen, um eigene Sippen zu gründen. Eine Sippe schwarzer Eichhörnchen lebte in jenem Blaufichtenstamm und beobachtete vielleicht, wie er vorüberging. Alles war da für den, der es zu lesen verstand, doch er war nur einer von jener Handvoll, die dies vermochten.
    Er hatte es im Blut.
    Er war so groß und langgliedrig wie die Bergmenschen und die Langstrecken-Fährtenleser der Menschen- und der Elfengemeinden, dabei so zäh und breitschultrig wie die Echsen, obwohl er nicht die Last ihres Hautpanzers zu tragen hatte. Er war schnell, wenn es darauf ankam, und langsam, wenn Eile töten konnte. Gefährlich war er stets. In jeder Siedlung, jedem Dorf, jeder Festung und jeder Herberge kursierten Geschichten über ihn… und er hatte sie alle gehört. In einigen von ihnen steckte ein Körnchen Wahrheit, aber keine war vollständig. Er war einzigartig und auch der Letzte seiner Art. Jedenfalls bis er den

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