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Die Legende der Wächter 11: Das Königreich (German Edition)

Die Legende der Wächter 11: Das Königreich (German Edition)

Titel: Die Legende der Wächter 11: Das Königreich (German Edition)
Autoren: Kathryn Lasky
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„Hägsmagie!“ Das Wort hing bedrohlich in der Luft.
    „Glaubst du das wirklich, Coryn?“, fragte die Elfenkäuzin Gylfie. „Dass die Dämonenmagie zusammen mit der Glut wieder in unsere Welt gelangt ist?“
    Die sechs Eulen betrachteten den vergitterten Eisenbehälter, in dem das sagenumwobene Glutstück lag. Es flackerte regelmäßig, als würde es atmen. Einen knappen Mondzyklus war es erst her, dass Coryn die Glut aus dem Vulkan in den Hinterlanden geborgen hatte. Er hatte sie auf die Insel Hoole gebracht und jetzt war er der rechtmäßige König im Großen Baum.
    Mehrere Nächte und Tage studierten die Freunde nun schon die alten Legenden. Das hatte ihnen der alte Ezylryb auf seinem Sterbelager aufgetragen.
    „Er wollte uns warnen“, sagte Digger.
    „Aber wovor?“ Die kleine Gylfie saß auf der Schulter von Morgengrau, dem stattlichen Bartkauz. „Am Ende des zweiten Buches wird doch alles gut. Der Große Ga’Hoole-Baum wächst und gedeiht und Hoole wird König. Das hat er den wohltätigen Kräften der Glut zu verdanken.“
    Soren seufzte. „Die Glut hat bestimmt viele gute Eigenschaften. Aber zwischen Gut und Böse liegt manchmal nur eine Federbreite.“
    „Da stimme ich dir zu“, sagte Otulissa. „Das Böse kann sich als etwas Gutes tarnen. Andererseits kann das Gute auf den ersten Blick böse erscheinen.“
    Coryn drehte sich nach der Fleckenkäuzin um. In den Hinterlanden war Otulissa seine Lehrerin gewesen. Er schätzte sie sehr. Trotzdem staunte er, wie treffend sie seine Befürchtungen in Worte fasste. Hat König Hoole gewusst, dass die Glut auch Gefahren mit sich bringt? Ist es ihm damals gelungen, mit ihrer Hilfe die Hägsmagie zu besiegen? Vielleicht gibt uns ja der letzte Band der Legenden darüber Aufschluss.
    Coryn wandte sich an seinen Onkel. „Lass uns weiterlesen.“
    Soren fegte den Staub von dem dicken Wälzer. Die vergoldete Schrift auf dem brüchigen Mäuseleder funkelte im Schein der Glut. DIE LEGENDEN VON GA’HOOLE stand mit großen Buchstaben auf dem Buchdeckel und darunter, in kleinerer Schrift: Das Königreich .

Wer ich bin, tut nichts zur Sache. Wichtig ist allein, was ich zu berichten habe …
    Hoole trug keine Krone und auch kein anderes sichtbares Zeichen seiner Königswürde. Er hatte lediglich seine Kampfkrallen angelegt. Im Steuerbordfuß hielt er einen verbeulten Eisenbehälter. Darin lag das geheimnisvolle Glutstück, das er aus dem Vulkan geborgen hatte. Die Hitze stieg zu ihm empor. Aber noch etwas anderes ging von der Glut aus: eine rätselhafte Kraft.
    Seltsam , dachte Hoole. Bei Gränk hat die Glut bewirkt, dass er träge und gleichgültig wurde. Bei mir ist das Gegenteil der Fall. Ich fühle mich so tatendurstig wie noch nie! Und zum ersten Mal verspüre ich den Wunsch, Rache zu nehmen. Rache für den Mord an meinem Vater, für den Tod meiner Mutter und für alles Leid, das der Verräter Arrin und seine Dämonen meinem Volk zugefügt haben.
    Aber Hoole beherrschte sich gleich wieder. Rachedurst verdarb den Charakter. Alle grausamen Herrscher der Eulengeschichte waren von Rachsucht getrieben gewesen.
    Auf Hooles Backbordseite flog sein Ziehvater und Berater Gränk. Steuerbords wurde der junge König von seinen besten Freunden flankiert: von dem Sperlingskauz Phineas und dem Uhu Theo. Hinter ihnen formierten sich die Krieger des berühmten Eisregiments.
    Am Horizont tauchte eine Insel auf. Hohe Wellen brachen sich an ihren Ufern. In der Mitte der Insel stand ein so riesiger Baum, wie ihn keine der Eulen je gesehen hatte. Seine Äste ragten bis in die Wolken, als wollte er das Licht des Mondes umlenken und den Eulen den Weg weisen. Denn jetzt wallte dichter Nebel auf und verdeckte das Meer und die Insel. Doch von der Insel ging ein Leuchten aus, das durch die grauen Schwaden drang. War es der Widerschein des Mondes? Oder ging das Leuchten gar von dem Glutstück aus, das Hoole bei sich trug? Reicht der Einfluss der Glut so weit? , dachte Hoole. Welche verborgenen Kräfte mögen in ihr schlummern?
    Hoole und seine Getreuen kamen aus einer großen Schlacht. Es war ihnen gelungen, den machtgierigen Eulenfürsten Arrin und seine Dämonenverbündeten in die Flucht zu schlagen. Arrin hatte bereits Hooles Vater, König H’rath, auf dem Gewissen. Nun war auch noch Hooles Mutter, Königin Siv, im Kampf gefallen. Wenn Hoole an sie dachte, krampfte ihm der Kummer den Magen zusammen.
    Doch zum Trauern war jetzt keine Zeit. Hoole musste den aufständischen Fürsten ein

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