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Die kritische Dosis

Die kritische Dosis

Titel: Die kritische Dosis
Autoren: A. A. Fair
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1

    Auf der Milchglasscheibe der Tür stand:
    B. Cool
    und
    Donald Lam
    Privatdetektive
    Bürostunden: 9.00 — 17.00
    Eingang

    Ich trat ein, nickte der Empfangsdame zu und spazierte hinüber zu der Tür, deren Aufschrift verkündete: »Donald Lam — Privat.«
    Meine Sekretärin Elsie Brand fragte: »Haben Sie sich mal den Mann angesehen, der im Vorzimmer wartet?«
    »Nein, eigentlich nicht. Warum?«
    »Weil er Sie sprechen möchte.«
    »Was hat er denn auf dem Herzen?«
    »Etwas so streng Vertrauliches, daß er es nur Ihnen sagen will.«
    »Wie heißt er?«
    Sie reichte mir eine Visitenkarte mit so dicker Prägung, daß ein Blinder sie hätte mit den Fingerspitzen lesen können.
    » DAWSON DISKONT- und EFFEKTEN-VERWERTUNGS-AG« verkündete die Karte. In der linken unteren Ecke stand: »Clayton Dawson, Vizepräsident.« Als Adresse war eine Straße in Denver, Colorado, angegeben.
    »Na, dann wollen wir uns den Herrn mal ansehen«, sagte ich zu Elsie. Sie rief die Empfangsdame an. »Mr. Lam ist jetzt da. Mr. Dawson kann hereinkommen.«
    Er war mittelgroß, um die Fünfzig. Sein Anzug war gedeckt in der Farbe, konservativ geschnitten und unübersehbar kostspielig im Material.
    Dawsons Blick ging gemächlich einmal im Zimmer herum und blieb dann an mir hängen.
    »Mr. Lam?« Das hörte sich eine Spur ungläubig an.
    »Ja«, antwortete ich schlicht.
    Er setzte sich nicht, sondern sah Elsie Brand an, sah mich an und schüttelte schließlich den Kopf. »Ich will Ihnen nicht zu nahetreten, aber es ist besser, wenn ich gleich mit offenen Karten spiele: Ich fürchte, Sie sind nicht geeignet.«
    »Dann suchen Sie sich doch einen Geeigneteren.«
    »Ich hatte einen viel kräftigeren Mann erwartet.«
    »Sie brauchen einen Detektiv?«
    »Ja.«
    »Als Mittelstürmer oder für diskrete Ermittlungen?«
    »Ich... Es ist doch so, daß Sie in Ihrem Beruf gewisse Risiken eingehen, die zuweilen allerhand Körperkraft erfordern. Ich bezweifle gar nicht, daß Sie sehr fähig und umsichtig sind, aber für die Aufgabe, die ich Ihnen übertragen wollte... Wie steht es mit Ihrem Teilhaber? Ist Mr. Cool etwas — nun sagen wir: kompakter?«
    »Doch«, meinte ich. »B. Cool ist tatsächlich kompakter.«
    Sein Gesicht erhellte sich.
    »B. ist die Abkürzung für Bertha. B. Cool ist ein weibliches Wesen.«
    Jetzt setzte sich Dawson doch, und zwar ziemlich plötzlich. »Ich werd’ verrückt«, stöhnte er.
    »Sie denken an die Schmöker«, sagte ich, »in denen der Privatdetektiv im Waschraum von zwei mit Messern bewaffneten Gangstem in die Enge getrieben wird. Den ersten packt er beim Handgelenk und reißt ihm so schwungvoll das Messer aus der Hand, daß es zur Decke fliegt und mit der Spitze dort steckenbleibt. Gleichzeitig versetzt er dem zweiten Angreifer einen wohlgezielten Tritt in den Magen...«
    »Sie brauchen nicht fortzufahren«, unterbrach Dawson.
    »Ich könnte aber«, versicherte ich. »Stundenlang.«
    »Offenbar kennen Sie sich in diesen Schmökern selber recht gut aus.«
    »Sicher. Wenn man sich mit dem Helden identifizieren kann, ist es ganz lustig, in so einer Welt zu leben.«
    »Aber in Wirklichkeit brächten Sie so etwas nicht fertig«, meinte er.
    »Nein. Sie aber auch nicht. Von meinen Bekannten ist Bertha Cool die einzige, der ich solche Kraftakte zutraue.«
    Er musterte mich nachdenklich. »Das Dumme ist nur, daß Ihre Firma einen so fabelhaften Ruf hat. Allein mir sind zwei Fälle bekannt, die Sie erfolgreich bearbeitet haben.«
    »Mit Muskeln?« fragte ich.
    Er zögerte. »Es war wohl eher Köpfchen«, räumte er dann ein. »Was ist diese Mrs. Cool für ein Mensch?«
    »Am besten sehen Sie sie sich einmal an.«
    »In diesen Fall ist eine Frau verwickelt«, teilte er mit.
    »Das pflegt meist so zu sein.«
    »Vielleicht könnte Ihre Bertha Cool den Fall übernehmen.«
    »Warum nicht?«
    »Das Mädchen, um das es sich handelt, ist jung, launisch, eigensinnig, unabhängig, vorlaut und undankbar.«
    »Mit anderen Worten: Es handelt sich um die typische junge Frau von heute. Ist sie zufällig Ihre Freundin?«
    »Sie ist meine Tochter«, gab er würdevoll zurück.
    »So ist das also. Möchten Sie vielleicht selber mit Mrs. Cool sprechen?«
    »Es wäre sicher günstig.«
    Ich nickte Elsie Brand zu, die sich ans Telefon hängte. Gleich darauf drang Bertha Cools Reibeisenstimme aus dem Hörer.
    Elsi setzte sie kurz ins Bild, legte den Hörer auf und teilte mit: »Mrs. Cool kommt sofort herüber.«
    Ein paar Minuten darauf öffnete

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