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Die Knickerbockerbande 03 - Lindwurmspuk um Mitternacht

Die Knickerbockerbande 03 - Lindwurmspuk um Mitternacht

Titel: Die Knickerbockerbande 03 - Lindwurmspuk um Mitternacht
Autoren: Thomas Brezina
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In der Gewalt des „Grauen Barons“!
     
      Dieses schauderhafte, schreckliche Surren! Der Ton ging Axel durch Mark und Bein. Er wollte die Hände an die Ohren pressen, aber er konnte nicht! Seine Arme waren mit einer dünnen Nylonschnur an die Lehne des Sessels gefesselt, auf dem er saß. Bei jeder Bewegung zog sich das Seil enger um die Handgelenke. Es tat höllisch weh.
    Das graue, faltige Gesicht des Barons tauchte vor Axels Augen auf. Der Baron verzog den Mund zu einem spöttischen Grinsen. „Willst du uns noch immer nicht verraten, wo der Professor die Pläne versteckt hat?“ Seine Stimme klang bohrend und böse.
    Axel schüttelte stumm den Kopf und biß die Zähne fest zusammen. Nein, von diesem widerlichen Gauner ließ er sich nicht unterkriegen.
    „Na, gut“, der Baron grinste noch breiter und noch gemeiner, „dann werde ich dein Trommelfell eben ein bißchen kräftiger ‚kitzeln’.“
    Axel war verzweifelt. Lange hielt er nicht mehr durch. Sein Kopf dröhnte, und er hatte das Gefühl, daß seine Trommelfelle bald platzen würden.
    Vor drei Tagen hatte ihm sein Onkel, Professor Grübelkoller, ein Geheimnis anvertraut: „Bei meiner neuen Erfindung handelt es sich um einen Computer, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. Das Ding ist nämlich eßbar. Wenn man den Blechtrottel nicht mehr braucht, kann man ihn Mikrochip für Mikrochip verspeisen“, hatte er seinem Neffen erklärt.
    Danach hatte er Axel in den Garten hinter seinem Laboratorium geführt und auf das Vogelhaus in der Wiese gedeutet. „Die Pläne mit der Geheimformel liegen dort drinnen. Außer dir kennt keiner das Versteck. Ich muß nun für drei Wochen verreisen. Sollte ich nicht mehr zurückkehren, bring meine Aufzeichnungen in Sicherheit. Doch darfst du in der Zwischenzeit niemandem etwas verraten, Axel! Unter keinen Umständen!“ hatte ihm der Onkel eingeschärft.
    Axel versprach es ihm. Er ahnte nicht, daß ein gefährlicher Gangsterboß, der in der Unterwelt als „Grauer Baron“ bekannt war, die Pläne unbedingt haben wollte. Deshalb hatte er Axel gleich nach der Abreise des Professors entführen lassen. In einem unterirdischen Kellergewölbe versuchte er nun bereits seit zwei Tagen, aus Axel das Versteck herauszupressen. Auf brutale Art und Weise!
    Aber Axel hielt dicht, obwohl er fast am Ende seiner Kräfte war.
    Als sich der „Graue Baron“ nun zu dem Gerät beugte, das die schmerzhaften Töne erzeugte, gelang dem Jungen etwas Sensationelles. Er schaffte es, eine Hand aus den Nylonschlingen zu ziehen. Ein paar Sekunden später hatte er auch die andere befreit.
    Blitzschnell sprang Axel auf und stürzte am „Grauen Baron“ vorbei aus dem Zimmer. Als dieser seine Flucht bemerkte, hastete der Junge bereits die Treppe hinauf. „Haltet ihn!“ hörte er die Stimme des Ganoven hinter sich.
    Da! Eine Tür! Zum Glück war sie nicht versperrt. Axel riß sie auf und stolperte ins Freie. Von der Sonne geblendet, schloß er die Augen. Da klatschte plötzlich eine weiche Masse in sein Gesicht, die ihm Mund und Nase verklebte. Axel schlug wild um sich, sprang in die Höhe, schnappte nach Luft und prallte mit dem Kopf gegen etwas Hartes.
    „Aua!“ schrie er und riß die Augen auf. Rund um ihn herrschte Dunkelheit. Vorsichtig hob er die Hand und tastete den Gegenstand über sich ab. Das war doch... eine Bettlampe.
    Verschlafen blickte er sich um. Er lag in einem breiten Bett, in einem fremden Zimmer. Warum und wieso? Langsam begannen seine Grübelzellen zu arbeiten. Jetzt konnte er sich wieder erinnern, daß er gar nicht zu Hause war. Er befand sich hier im Hotel „Seeblick“ am Wörthersee.
    Nun entdeckte er auch, was die „weiche Masse“ von vorhin war. Es handelte sich dabei eindeutig um seinen Kopfpolster. Axel hatte im Schlaf den Kopf tief hineingebohrt und deshalb keine Luft mehr bekommen.
    Die Geschichte mit dem „Grauen Baron“ war also nur ein Alptraum gewesen! Oder nicht?
    Axel lauschte in die Nacht. Wenn ihn nicht alles täuschte, war da ein Geräusch. Ein Surren und Rauschen. Genau wie in seinem Traum. Es kam aus dem Nebenzimmer. Durch die Wand drangen auch einige Wortfetzen. So sehr sich Axel aber anstrengte, er konnte nichts verstehen.
    Schließlich hörte er ein „Klick“, und danach herrschte wieder Stille. Jetzt rauschten nur noch die Blätter der Bäume vor seinem Fenster.
    Der Junge kramte seine Uhr unter dem Kopfpolster hervor, hielt sie zur Nachttischlampe und schaltete das Licht schnell ein und aus.

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