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Die Kinder des Saturn

Die Kinder des Saturn

Titel: Die Kinder des Saturn
Autoren: Stross Charles
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nicht ganz folgen«, sage ich.
    »Meine Auftraggeber verfügen über ein Objekt, das aus dem inneren System zum Mars befördert werden muss«, erklärt Ichiban und wartet vorsichtig ab.
    Warum erzählt er mir das? Reisen ist nicht meine starke Seite: Es ist zu kostspielig für Angehörige meiner Sippe; ein solches Vergnügen können wir uns nur selten gönnen. Bei verdoppelten Maßen verachtfacht sich der Umfang – und somit auch der Preis, der bei Reisen durch den Raum für Masse und Energie zu zahlen ist. Vor allem deswegen ist das Sonnensystem eine Spielwiese für Chibi-Zwerge statt normal ausgewachsene Personen. Ich bin doppelt so groß wie fast alle anderen, und genau das ist der Hauptgrund dafür, dass ich hier festsitze. Ich verberge meine Enttäuschung hinter einer Miene höflicher Aufmerksamkeit.
    »Das Objekt wird gegenwärtig auf Merkur fertiggestellt und muss in etwa achtzig Tagen weiterbefördert werden. Unser Problem ist, dass dieses Objekt ein störungsanfälliges Forschungsergebnis von beträchtlichem Wert darstellt. Es muss überwacht und in einer stoßgeschützten Umgebung aufbewahrt werden, bei gleichbleibender Temperatur, gleichbleibendem Druck und gleichbleibender Sauerstoffzufuhr.« Immer noch starrt er mich an. »Ich glaube, andere Ihres Typs haben gelegentlich schon als Begleiterinnen oder Kuriere gearbeitet, stimmt’s?«
    Woher weiß er das?, frage ich mich leicht verdutzt. »Ja, mein Archetyp wurde tatsächlich als Begleitdame geschaffen«, erwidere ich vorsichtig. Begleitdame für wen oder was? – Das lasse ich für alle Fälle unausgesprochen. Bestimmte Vorurteile sind nur schwer aus der Welt zu schaffen.
    »Als Begleitdame für Organismen rein biologischer Art«, ergänzt Ichiban und nickt liebenswürdig. »Replikatoren aus Pink Goo .«

    Ich versuche meine Bestürzung zu überspielen. »Was genau ist dieses Objekt, dieses Forschungsergebnis?«
    »Das kann ich Ihnen nicht sagen.« Immer noch lächelt Ichiban leicht. »Da es sich um ein vertrauliches Geschäft handelt, hat man mir die Einzelheiten vorenthalten. Allerdings bin ich befugt, Ihre Reise nach Cinnabar sofort zu bezahlen, falls Sie damit einverstanden sind, sich mit meinen Kollegen zu treffen, und diesen Arbeitseinsatz ernsthaft in Betracht ziehen.« Gleich darauf streckt er warnend den Zeigefinger hoch. »Allerdings sind Sie nicht die einzige Auftragnehmerin, die wir ansprechen. Da es sich um eine recht delikate Angelegenheit handelt – unsere Konkurrenten würden dieses Projekt liebend gern zu Fall bringen -, kann ich nicht garantieren, dass man Sie auswählen wird. Doch soweit ich weiß, brauchen Sie in jedem Fall ein Ticket zu einer anderen Welt, deshalb hoffe ich, dass wir einander von Nutzen sein können.«
    Die wollen also, dass ich eine biologische Probe für sie befördere? Einen lebenden Organismus?
    Vor Bestürzung falle ich fast vom Stuhl. »Ich … Es wäre mir ein Vergnügen«, stottere ich mechanisch. »Aber … Reise ich in einer Sardinenbüchse?«
    Ichibans Lächeln schwindet. »Es wird uns eine ganze Stange Geld kosten, Ihre großen Gliedmaßen in den Orbit zu verfrachten«, bemerkt er in warnendem Ton. Was bedeuten soll: Reiz dein Glück nicht aus!
    Also nicke ich und schicke mich ins Unabänderliche. Es war wohl auch vermessen, auf eine Luxuskabine zu hoffen, in der ich mich frei bewegen könnte. »Wann soll ich los?«
    Ichiban sieht Victor an. »Sofort. Sie können gleich mit mir mitkommen.« Und damit ist das Vorstellungsgespräch beendet.

    Ichiban hetzt mich durch eine finstere Seitengasse, von deren Existenz ich gar nichts wusste, und einen steilen Fußgängerweg neben einer Straße hinauf, wo eine Rikscha wartet. Die Rikschakulis
sind zwei Ponyjungs, die mich mit leerem Blick anstarren, während ich einsteige. Die Rikscha ächzt unter meinem Gewicht, doch das scheint Ichiban nichts auszumachen. »Beeilt euch«, befiehlt er den Ponyjungs, und sie traben mit hochgereckten Schwänzen los.
    Mir fällt auf, dass uns zwei kleine Ornithopter folgen. »Gehören die zu Ihnen?«, frage ich.
    Ichiban sieht mich ausdruckslos an. »Das lassen Sie ruhig meine Sorge sein.« Er lehnt sich zurück und schließt die Augen. Einige Sekunden später beginnt einer der Vogelbots zu schwelen und schwenkt hektisch von seinem Kurs ab. Der andere schlägt vorsichtig einen Bogen um uns.
    Wir biegen in eine Seitenpassage ab und fahren vor einem geräumigen Anlegehafen vor, wo eine winzige Barkasse wartet. Sie ist am anderen Ende

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