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Die Keltennadel

Die Keltennadel

Titel: Die Keltennadel
Autoren: Patrick Dunne
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sind.«
    »Für eine Zeremonie braucht man zweifellos mehrere Personen – als ich das letzte Mal nachgeschaut habe, bestand ein Hexensabbat aus dreizehn«, sagte Lyons. »Und warum sollten sich Leute, die nicht aus der Gegend sind, unsere Kirche aussuchen? Wahrscheinlich weiß nicht mal die Hälfte der Gemeindemitglieder, dass sie überhaupt existiert, von Auswärtigen ganz zu schweigen!«
    Lyons’ Albernheiten gingen Lavelle auf die Nerven.
    Dempsey fuhr geduldig fort. »Wenn ich recht verstehe, gab es also Ihres Wissens keine Anzeichen für Teufelsanbetung, okkulte Praktiken oder dergleichen in Kilbride, ja? Pfarrer Lavelles Idee mit den Festtagen ist demnach von Ihrer Seite die einzige Vermutung, was es mit diesem Ritual auf sich haben könnte. Ist das richtig?«
    Die beiden Priester auf der Couch sahen einander an, dann gaben sie mit einem Achselzucken zu erkennen, dass sie ihm nicht widersprechen wollten.
    »Wir wissen außerdem, dass Sarah bereits tot war, als sie hierher gebracht wurde. Bei all dem Blutverlust war sie noch leichter und sie war ohnehin ein zierliches Mädchen. Ein halbwegs kräftiger Mann könnte sie transportiert haben, zwei hätten mit Sicherheit keine Schwierigkeiten gehabt.«
    »Aber wie hat es sich abgespielt… wie kamen sie in die Kirche… wie haben sie die Leiche transportiert?«, fragte Quinn.
    »Gott, das ist wirklich wie bei Burke and Hare.« Lyons wieder.
    »Wir reden hier vom Mord an einer jungen Frau, vielleicht auch von Folterung, Hochwürden. Um Leichenraub geht es jedoch nicht.« Offensichtlich ging Lyons auch Dempsey auf die Nerven. »Aber um Pfarrer Quinns Frage zu beantworten… Wir arbeiten an einer Reihe von Möglichkeiten.« Der Detective beugte sich vor und heftete den Blick auf den jungen Priester.
    »Anscheinend wurde die Seitentür mit dem Reserveschlüssel geöffnet, der immer in der Sakristei hängt, und zwar von innen – er steckte noch im Schloss. Woher wussten die Täter, wo sie suchen mussten oder dass er überhaupt da war? Hat es ihnen jemand verraten?«
    Lyons krümmte sich unbehaglich auf seiner Couch. »Sie meinen, einer von uns? Na ja, Paddy und ich waren gestern natürlich auf dem Land. Aber Liam war den ganzen Tag hier… in der Gemeinde…«
    »Halt verdammt noch mal die Klappe, Conor! Ich kann für mich selbst reden«, brauste Lavelle auf.
    Die beiden Priester auf der Couch waren verblüfft über Lavelles Heftigkeit.
    »Kein Grund für so einen Tonfall, Liam«, rüffelte ihn Quinn.
    »Nein? Ich bin hier nicht derjenige, der seine Sprache nicht unter Kontrolle hat«, sagte Lavelle und sah Lyons böse an.
    Lyons zog eine Schnute. »Ich wollte doch nur sagen –« Dempseys Telefon läutete wieder. Er bat mit einer Handbewegung um Ruhe. »Ja, Jack… was, jetzt schon? Gut, sag ihr, ich bin unterwegs, und halt so lange die Stellung.«
    Er stand auf. »Ich muss weg. Seien Sie inzwischen vorsichtig, was Sie zu Reportern oder überhaupt zu irgendwem sagen. Ich würde Ihre Diskretion begrüßen, und das gilt sicher auch für Sarahs Familie.« Er sah Lyons scharf an. »Und nur zur Erinnerung – wir versiegeln den ganzen Tatort, das heißt das Gebäude, die Außenanlagen und den Parkplatz, Sie müssen also für Ihre Gottesdienste in den nächsten Tagen anderweitig Vorkehrungen treffen. Und falls Sie Informationen haben, von denen Sie glauben, sie könnten uns nützen, hier ist die Nummer der Sonderkommission, die wir in Lucan eingerichtet haben.«
    Er schrieb eine Nummer in seinen Notizblock, riss die Seite heraus und gab sie Pfarrer Quinn. Das Polizeirevier von Lucan war für die Ermittlungen bei Gewaltverbrechen im Westen Dublins zuständig und lag nur drei Meilen von Kilbride entfernt.
    Als er bereits auf dem Weg zur Tür war, drehte er sich noch einmal zu Lavelle um. Er hatte noch eine Frage. »Warum glauben Sie, dass Sie das Mädchen finden sollten?«
    »Ich weiß nicht. Ich glaube… ich bin wohl einfach nur müde.«

4
    W as Jane Wade von der Ausstellung gesehen hatte, reichte ihr, und sie würde auch nicht wiederkommen. Der Bursche war ein großer Selbstdarsteller, aber mit Kunst hatte das nach ihrem Verständnis nichts zu tun. Die Öffentlichkeit schockieren, grausige Denkwürdigkeiten zeigen, das klebrige Innere des Körpers zur Schau stellen – ging das alles nicht schon ein bisschen zu lange so? Gab es keine lebensbejahenden Themen zu erkunden, gerade jetzt im neuen Jahrtausend? Ihr Interview mit Raymond O’Loughlin, dem enfant terrible der

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