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Die Keltennadel

Die Keltennadel

Titel: Die Keltennadel
Autoren: Patrick Dunne
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geben.
    Aber Taaffe packte ihn am Arm. »Verdammt, ich hab’s, Kevin. Wenn es tatsächlich Leitern zwischen allen Ebenen gibt, dann müsste ich hineinkommen. Aber ich muss ganz nach oben.«
    »Wir haben keine Zeit mehr«, sagte Dempsey.
    Lavelle hörte sie flüstern. Zeit. Zeit schinden. Er winkte Taaffe zu sich. Der Detective Sergeant kam ein paar Stufen herab und kauerte sich neben ihn.
    »Ihr Notizbuch«, flüsterte Lavelle. »Die Nummer, die Ihnen Lyons gegeben hat. Mir ist da was eingefallen.«
    Taaffe begriff sofort, was Lavelle vorhatte, und riss die Seite mit der Nummer aus seinem Buch. Dann leuchtete er dem Priester mit der Taschenlampe, während dieser die Nummer in sein Handy eintippte.
    Taaffe gesellte sich wieder zu Dempsey.
    »Was ist los?«, fragte der Inspector irritiert.
    »Lavelle ruft ihn an – um Zeit zu schinden. Gib mir ein, zwei Minuten, bis ich ganz oben bin, dann ruf mich auf dem Handy an, und ich sag dir, was los ist. Wenn ich glaube, dass ich es nicht schaffe, kannst du die Jungs holen, damit sie die Tür zu Kleinholz schießen.«
    Dempsey wölbte die Hand über seine Uhr und stellte die Stoppuhr ein. »Also gut, zwei Minuten. Und keine Sekunde länger. Wie viele Stufen sind das?«
    »Ungefähr hundert.«
    »Dann musst du noch schneller sein, als du als Junge warst. Los jetzt!«
    Taaffe streckte Lavelle einen erhobenen Daumen entgegen und rannte mit eingeschalteter Taschenlampe los.
    Lavelle drückte die Ruftaste auf seinem Handy. Es läutete. Dempsey konnte ganz schwach das Telefonklingeln im Turm hören. Dann sah er einen Schatten im Licht schwanken, das durch die Falltür kam. Es funktionierte. Edwards war auf dem Weg nach oben.
    Dempsey rückte vom Fenster weg und sah auf seine Uhr. Eine Minute war vorbei. Er rief den Detective Sergeant an, der schwer atmend antwortete. »Ich bin fast oben… Ich habe bei den meisten Stockwerken hineingesehen… die Leitern scheinen bis ganz hinauf zu gehen.«
    Dempsey drückte das Gesicht wieder an die Scheibe. Im Halbdunkel des Raums sah er gerade noch, wie eine Gestalt in weißem Gewand aus seinem Blickfeld ging.
    Lavelle hörte, wie das Telefon abgenommen wurde. Er holte tief Luft.
    »Michael. Hier ist Liam Lavelle.«
    Taaffe vollendete die letzte Windung der Treppe zur Spitze des Turms, die von einer Brüstung mit Zinnen gekrönt war. In der Ferne sah er die Lichter der Stadt und davor die Silhouette einer hölzernen Winde, zwei Pfosten mit einer Seiltrommel dazwischen. Einige leere Zementsäcke lagen herum und der zerbrochene Stiel eines Pickels. Offenbar hatten sich die Bauarbeiter bei der Renovierung das jahrhundertealte Prinzip zunutze gemacht, um Material auf den Turm zu schaffen. Aber Taaffe suchte nach etwas anderem.
    »Ich bin innerhalb der Brüstung… in der Mitte müsste eine Falltür sein. Wenn ich nach unten komme, mache ich Edwards’ Tür von innen auf und lass euch rein… Moment noch…«
    Dempsey sah nervös auf die Uhr.
    »Bingo!«, hörte er Taaffe rufen.
    »Ach, Liam. Schlauer Einfall, mich anzurufen. Um Fürsprache für deine Konkubine einzulegen, nehme ich an. Und vom Krankenbett aus, wie rührend.«
    Gut. Er hatte keine Ahnung, dass sie in der Nähe waren.
    »Michael, wir wissen, dass du, Edwards und Mathers dieselbe Person seid.«
    »Die eine Person, Liam. Nicht dieselbe, die eine. Wieso verfällst du in diesen Irrtum?«
    Der Akzent war amerikanisch. Von der CD her bekannt. Aber wie hatte Roberts’ Stimme damals geklungen? Er erinnerte sich nicht mehr. Wie konnte er das Gespräch in die Länge ziehen? Er musste mit ihm debattieren.
    Der Strahl von Taaffes Taschenlampe fand einen eisernen Riegel. Er schob ihn zurück, zog die Falltür auf und leuchtete hinab ins Dunkel.
    »Verdammte Scheiße«, hörte ihn Dempsey fluchen. »Von hier geht keine Leiter nach unten. Bis zum Boden sind es mindestens fünf Meter. Mist.«
    »Jack, er ist jetzt oben, wo wir ihn haben wollten. Schaff deinen Arsch hier runter. Wir gehen rein.« Er winkte den Männern unter den Bäumen, und sie strömten auf die Treppe.
    »Nein, Kevin, warte. Ich komme trotzdem rein. Warte.« Taaffe ging zu der Winde und zog an einem herabhängenden Stück Seil. Es gab nicht nach.
    Dempsey wich ein paar Stufen nach oben aus, während zwei Beamte der Garda sich in einigem Abstand vor der Tür aufbauten und ihre Automatikwaffen entsicherten. »Wir brauchen ein Loch, das so groß ist, dass man hineinlangen und den Riegel zurückschieben kann«, wies Dempsey sie leise

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