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Die Katze, die den Dieb vertrieb.

Die Katze, die den Dieb vertrieb.

Titel: Die Katze, die den Dieb vertrieb.
Autoren: Lilian Jackson Braun
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fürchte«, sagte Carol bedauernd, »daß Danielle Schwierigkeiten hat, sich ins Kleinstadtleben einzugewöhnen. Ständig vergleicht sie Pickax mit Detroit und Baltimore, wo es Einkaufszentren gibt! Willard sagt, sie hat Heimweh. Deshalb hat er auch über die Feiertage ihren Cousin aus dem Süden unten eingeladen.« Sie senkte ihre Stimme. »Kommen Sie in mein Büro, Qwill.«
    Er folgte ihr in das Kabäuschen neben der Damenabteilung.
    »Setzen Sie sich«, sagte sie. »Danielle tut mir leid. Die Leute reden sehr schlecht über sie, aber sie fordert sie ja auch regelrecht dazu auf. Sie sieht einfach immer unmöglich aus! Jedenfalls für hiesige Verhältnisse. Die Röcke zu kurz, die Absätze zu hoch, alles hauteng, pfundweise Make-up, Haare wie ein Krähennest…! Das mag ja im Süden unten modern sein, aber man muß sich eben auch ein wenig an die hiesigen Gegebenheiten…«
    »Sie braucht eine Beraterin«, unterbrach sie Qwilleran. »Könnte Fran Brodie nicht ein paar Andeutungen machen? Sie ist mondän und hat trotzdem Klasse, und sie hilft Danielle bei ihrem Haus.«
    »Fran macht ständig Andeutungen, Qwill, aber…« Carol zuckte die Achseln. »Man sollte meinen, ihr Mann würde etwas sagen. Er ist ein intelligenter Mensch, und er paßt wunderbar in unsere Gemeinde. Willard ist dem Verein der Geschäftsleute und dem Verein der Freunde von Pickax beigetreten, und er hilft bei der Organisation des Gourmetclubs mit. Aber als Larry sich für Willard um die Mitgliedschaft im Country Club bemüht hat, ist gar nichts passiert. Sie haben den Carmichaels keine Einladung geschickt! Wir alle wissen, warum. Danielles extravagante Art, sich herzurichten, und ihr Benehmen stoßen die Leute vor den Kopf. Außerdem sagen sie, ihre Stimme klinge ordinär. Und sie ist ja auch wirklich ziemlich schrill.«
    »Ziemlich«, sagte Qwilleran. Es war ungewöhnlich, daß Carol so kritisch und so offen war.
    »Nun, wenn Ihnen irgend etwas einfällt, was wir tun können, sagen Sie es mir… soll ich Pollys Kostüm und Bluse als Geschenk verpacken?«
    »Ja, bitte. Ich hole die Sachen dann später ab. Und übertreiben Sie es nicht mit den Schleifchen und Glöckchen.«
    Danach ging er in Amandas Einrichtungsatelier, mit der Absicht, ein dekoratives Geschenk für die Rikers zu finden, und in der Hoffnung, daß Fran Brodie im Geschäft sein würde. Doch leider war die Tochter des Polizeichefs nicht da, sondern nur ihre mürrische Chefin. Amanda Goodwinter war eine erfolgreiche Geschäftsfrau und ständiges Mitglied des Stadtrats von Pickax, in den sie aufgrund ihres Namens immer wieder gewählt wurde. Die Goodwinters hatten Mitte des 19. Jahrhunderts Pickax gegründet.
    Amandas Begrüßung war wie üblich barsch. »Wenn Sie wegen einer kostenlosen Tasse Kaffee hergekommen sind, haben Sie Pech. Die Kaffeemaschine hat den Geist aufgegeben.« Ihre treu ergebenen Kunden bezeichneten ihre widerspenstigen grauen Haare und ihre langweiligen, sackartigen Kleider als ›interessant und individualistisch‹. Ihre politischen Feinde sprachen von ihr als der Vogelscheuche von Pickax.
    Um sie aufzuziehen, sagte Qwilleran, er suche ›irgendwelchen Schnickschnack‹ als Geschenk.
    Sie ging sofort hoch: »Wir verkaufen keinen Schnickschnack!«
    »Nun, wie wär’s dann mit einem kostbaren kleinen Ziergegenstand für Arch und Mildred Riker?«
    Sie schnaubte, machte ein finsteres Gesicht und zeigte ihm eine farbenfrohe Kaffeekanne aus Keramik, die aufwendig mit Trauben, Äpfeln und Birnen verziert war.
    »Ist die nicht vielleicht ein bißchen grell?«
    »Grell! Was sagen Sie da?« rief Amanda mit ihrer Stadtrats-Stimme. »Das ist Fayence! Handbemalt! Alt! Teuer! Die Rikers werden begeistert sein!«
    »Ich nehme sie«, sagte Qwilleran. Er wußte, daß Mildred den entsprechenden Künstlerblick und Arch ein Auge für den Wert haben würde. »Und ich hätte sie gern als Geschenk verpackt. Aber übertreiben Sie es nicht.«
    Was die anderen Namen auf seiner Liste betraf, verließ er sich ganz auf das neue Geschäft namens Sip ’n’ Nibble. Dort würde man ihm Geschenkkörbe mit Wein, Käse und anderen Köstlichkeiten zusammenstellen und bis zum Weihnachtsabend im ganzen Bezirk liefern.
    Einer Laune folgend, ging er auch in das Herrenausstattungsgeschäft und kaufte einen witzigen Schlips für Riker, der für seine konservativen Krawatten bekannt war. Diese war leuchtend blau mit weiß auf rot gestickten Baseball-Bällen in Originalgröße darauf. Er hoffte, sie

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