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Die Karte Des Himmels

Die Karte Des Himmels

Titel: Die Karte Des Himmels
Autoren: Rachel Hore
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rufe aus Starbrough Hall in Norfolk an.«
    Jude verspürte ein leichtes Interesse. Norfolk war vertrautes Terrain. Aber wo um alles in der Welt lag Starbrough Hall? Sie hielt den Hörer dichter ans Ohr.
    »Ich besitze eine Sammlung Bücher aus dem achtzehnten Jahrhundert und möchte, dass er einen Blick darauf wirft«, fuhr Mr. Wickham fort. »Ein Freund hat mir versichert, dass die Bücher wahrscheinlich von beachtlichem Wert sind.«
    Jude schlug ein neues Blatt ihres Notizblocks auf und schrieb »Starbrough Hall« in sauberen Großbuchstaben oben auf die Seite. Dann starrte sie auf die Worte und versuchte zu verstehen, warum sie an ihrer Erinnerung zerrten. Sie glaubte nicht, dass sie jemals in Starbrough Hall gewesen war, doch aus irgendeinem Grund tauchte das Bild von Gran, ihrer Großmutter, vor ihrem geistigen Auge auf.
    »Hat Inigo Ihre Rufnummer, Mr. Wickham?«
    »Nein.« Die Vorwahl war ihr vertraut, als er die Nummer nannte. Genau dieselbe wie bei ihrer Schwester. Ja, das war es: Starbrough Hall gehörte zu dem großen Anwesen, auf dem Gran als Kind gelebt hatte. Jude notierte die Telefonnummer und kritzelte einen gezackten Stern rundherum.
    Hätte sie es dabei belassen und die Nachricht an Inigo weitergeleitet, wäre die Sache für sie erledigt gewesen. Aber der Name Starbrough bedeutete ihr etwas, und ihre Neugier war geweckt. Andererseits konnte es ja auch sein, dass das Material, das der Anrufer verkaufen wollte, für »Beecham’s« nicht interessant war.
    »Mr. Wickham«, hakte sie nach, »um welche Art Bücher handelt es sich denn? Es ist so, dass das achtzehnte Jahrhundert eigentlich zu meinem Spezialgebiet gehört.«
    »Ach, wirklich?«, sagte Wickham. »Nun, dann sollte ich mich vielleicht lieber an Sie halten als an Mr. Selbourne.«
    Sie öffnete den Mund, um zu sagen, dass Inigo sehr wohl in der Lage sei, die Sammlung zu beurteilen, merkte aber, dass sie das gar nicht sagen wollte. Es war ihr ein Rätsel. Robert Wickham hatte ausdrücklich nach Inigo gefragt. Sie jedenfalls würde vor Wut kochen, wenn Inigo ihr Arbeit wegnähme – und von Suri wusste sie, dass er das schon einmal getan hatte, obwohl Jude dem Kunden namentlich empfohlen worden war. Trotzdem wollte sie sich nicht auf sein Niveau herablassen. Es war wirklich lächerlich, dass sie beide immerzu versuchten, sich gegenseitig eins auszuwischen. Der Abteilungsleiter Klaus Vanderbilt redete dauernd davon, dass sie zusammenarbeiten sollten, um den anderen großen Auktionshäusern Aufträge abzujagen. Eigentlich hatte Jude eine Menge Respekt vor Inigos beruflichen Fähigkeiten, aber sie ärgerte sich darüber, dass er ständig die Ellbogentaktik einsetzte. Wenn er im Büro war, stand sie immer unter Spannung.
    »Kennen Sie Inigo Selbourne?«, fragte sie Robert Wickham. »Ich meine, ist er Ihnen empfohlen worden?«
    »Nein, den Namen habe ich gerade erst gehört. Ihre Zentrale hat mir den Mann vorgeschlagen.«
    Das hieß, sie mischte sich gar nicht in Inigos Angelegenheiten ein.
    »Nun, wenn das so ist«, erklärte sie Wickham und schämte sich ein bisschen, weil sie innerlich triumphierte, »dann nehme ich die Sache in die Hand, wenn es Ihnen recht ist.«
    »Das würde mich freuen. Die Sammlung gehörte einem meiner Vorfahren, Anthony Wickham. Er war so etwas wie ein Freizeit-Sterngucker, und die meisten Bücher beziehen sich auf seine Liebhaberei. Ich möchte, dass Sie den Wert der Sammlung schätzen, und zwar im Hinblick auf einen möglichen Verkauf.«
    »Er war ein Astronom? Das ist interessant.« Jude notierte sich die Einzelheiten. Nach naturwissenschaftlichen Werken, besonders aus dem achtzehnten Jahrhundert – dem Jahrhundert der Entdeckungen – herrschte im Moment eine lebhafte Nachfrage. Ihr fielen auf Anhieb zwei oder drei Händler ein, die vermutlich mehr erfahren wollten.
    »Mir wurde gesagt, dass sich mehrere Erstausgaben darunter befinden. Und ich sollte die Manuskripte erwähnen«, fuhr Wickham fort, »seine Karten und Observationsberichte. Ich selbst werde aus dem Material nicht schlau. Meine Mutter kennt sich besser damit aus. Wie auch immer, ich nehme an, dass Sie in der Lage sind, sich sofort zu äußern, wenn Sie erst einmal hier sind.«
    »Um wie viele Bücher geht es eigentlich? Ich darf vermutlich nicht davon ausgehen, dass Sie sie zu uns ins Büro bringen können?«, fragte Jude.
    »Um Himmels willen, nein. Es sind ein paar hundert oder noch mehr. Und die Papiere, die sind ziemlich empfindlich. Hören Sie, wenn

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