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Die Jagd nach den Millionendieben

Die Jagd nach den Millionendieben

Titel: Die Jagd nach den Millionendieben
Autoren: Stefan Wolf
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1. Sein Erzfeind heißt Rembrandt
     
    Tarzan war noch im Waschsaal
und putzte sich die Zähne. Wie üblich, war er der letzte; und damit’s schneller
ging, ließ er die Backenzähne aus.
    Klößchen, der eigentlich Willi
hieß, sah zur Tür herein. „Beeil’ dich! Rembrandt kommt.“
    Na und? dachte Tarzan. Dann
kommt er eben. Ist ja schließlich nichts Neues. Seinetwegen reiße ich mir
bestimmt kein Bein aus.
    Er gurgelte nochmal kräftig und
spülte sich den Mund aus.
    Rembrandt — wie sie den
Zeichenlehrer Dr. Pauling nannten — war sein Erzfeind. Und Tarzan tat alles,
damit diese Feindschaft nicht erlosch. Aber heute abend hatte er was Tolles
vor. Daher war es besser, Rembrandt nicht unnötig zu reizen.
    Tarzan drückte seinen
Waschlappen aus, hängte das Handtuch an den Haken und steckte die Zahnbürste in
den Becher.
    Die Tür flog auf.
    Tarzan sah nicht hin. Er wußte
auch so, wer es war.
    Das helle Licht der
Leuchtröhren spiegelte sich auf Dr. Paulings Brillengläsern. Er hatte ein
bleiches Gesicht, das nie lachte, und wenig Haare. Daß er ungerecht und gemein
war, wußten alle. Unter den 500 Schülern der Internatsschule war keiner, der
ihn mochte.
    Rembrandt räusperte sich. Das
tat er oft, und es klang jedesmal, als leide ein Rabe an Halsweh.
    „Natürlich! Herr Peter Carsten
ist wieder mal nicht fertig. Er möchte wohl eine Extraeinladung? In drei
Minuten, mein Lieber, bist du im Bett. Klar?“
    „Ich war noch so staubig hinter
den Ohren“, sagte Tarzan, „deshalb hat’s länger gedauert.“
    Aber Rembrandt hörte nicht hin.
Er war schon draußen, um seine Runde durch den zweiten Stock fortzusetzen.
    Hier schliefen die 12- bis
14jährigen. Für sie war um halb neun Zapfenstreich. So verlangte es die
Hausordnung des Internats.
    Drei Minuten! dachte Tarzan.
Was der sich einbildet! Ist ja erst Viertel nach acht. Seine Uhr geht wohl vor?
    Peter Carsten, der mit Spitznamen
Tarzan hieß, war 13 und ziemlich groß für sein Alter. Außerdem war er der beste
100-m-Läufer und ein so guter Volleyball-Spieler, daß er demnächst in der
Schulmannschaft mitmachen sollte.
    Seinen Spitznamen hatte er weg,
weil er mit affenartiger Geschwindigkeit am Kletterseil hochturnen konnte.
Außerdem vielleicht, weil er dunkle Locken hatte. Und weil sogar im Winter
seine Haut die sommerliche Bräune behielt. Er war ein blauäugiger Tarzan,
schlank, muskulös und durch und durch sportlich.
    Alle Schlafräume im zweiten
Stock hatten Spitznamen.
    Das ADLERNEST, wo Tarzan
wohnte, zwar ein winziger Raum, gerade groß genug für zwei Betten, zwei
Schränke und Klößchens Freßvorräte.
    Auch jetzt, nach dem
Zähneputzen, saß Klößchen auf seinem Kopfkissen und kaute. Schokolade,
natürlich. Ohne Schokolade konnte er nicht leben; und je mehr er davon aß, um
so dicker wurde er.
    „Hast du deine Kniebeugen
gemacht?“ fragte Tarzan.
    Klößchen zog schuldbewußt den
Kopf ein. „Nur 20.“
    „So wirst du nie dünner. Wenn
du eines Tages platzt, möchte ich nicht in deiner Nähe sein. Ich wette, du hast
nicht Blut, sondern Kakao in den Adern.“
    Klößchen wischte sich den Mund
ab. Er war einen halben Kopf kleiner als Tarzan, wog aber sechs Kilo mehr.
Seine runde Figur wurde einem Kloß immer ähnlicher. Und wenn er beim Turnen
zappelnd an der Reckstange hing, ohne einen halben Klimmzug zu schaffen, mußte
Tarzan ihn hochstemmen — was Schwerarbeit war. Aber Klößchen hatte ein
freundliches Mondgesicht. Seine Segelohren und die rotblonden Haare paßten dazu.
    Erstaunt beobachtete er jetzt,
wie Tarzan rasch in seine Jeans schlüpfte, die Turnschuhe anzog, das blaue
T-Shirt und den gelben Pullover.
    „Willst du noch weg?“
    „Klar. Ich bin verabredet.“
    Tarzan kroch ins Bett. Bis zum
Kinn zog er die Decke hoch. Wie er so dalag, sah er aus wie ein Pennematz, den
nichts aus den Federn bringt — es sei denn, die Schule brennt.
    „Au Backe!“ Klößchen wurde blaß
vor Aufregung. „Und das heute. Wo Rembrandt rumschleicht. Drei Verweise hast du
schon. Einen noch, und du fliegst. Bei dir steht’s auf der Kippe. Und da
riskierst du sowas!“
    „Du weißt doch, daß die
Verweise alle von Rembrandt sind. Eine haarsträubende Ungerechtigkeit! Nochmal
erwischt der mich nicht. Heute kann gar nichts schiefgehen. Wenn die Lichter
aus sind, haut Rembrandt sich ins Bett. Und ich bin vor Mitternacht zurück.“
    „Wäre Mist, wenn du
rausfliegst“, sagte Klößchen bekümmert und aß noch rasch ein Stück Nußriegel.
    Tarzan

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