Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Die Hexenadvokatin

Die Hexenadvokatin

Titel: Die Hexenadvokatin
Autoren: Karla Weigand
Ads
dieser grauenhaften und perversen Verirrung beteiligt.
    Für uns heute kaum oder gar nicht nachvollziehbar dürfte sein, dass der Großteil der damaligen »Täter« (Richter, Hexenkommissare, Inquisitoren, Büttel, Scharfrichter, Henkersknechte etc.) zutiefst davon überzeugt war, das Richtige zu tun, ja ein »gottgefälliges Werk« zu verrichten: »Rettete« man doch die guten Menschen vor denen, die mit dem Teufel einen Pakt geschlossen hatten. Ja man tat noch ein Übriges: Durch das läuternde Feuer wurde die Seele der »Hexe« vom Bösen gereinigt …
    Wer Berichte über den Hexenwahn und die abartigen Schandtaten der damaligen Justiz liest, könnte an der Menschheit verzweifeln - wenn es da nicht doch immer wieder (sogar in den schlimmsten Zeiten der Hexenverfolgung!) Menschen gegeben hätte, die sich ihr Gehirn nicht hatten vernebeln lassen und die sich tapfer dem Versuch widersetzten, ihr Herz vergiften zu lassen.
    Immer wieder sind Personen dokumentiert, die versuchten,
gegen den Strom des allgemein anerkannten, pseudowissenschaftlich untermauerten Wahnsinns anzuschwimmen.
    Jedoch sollte es erst dem Jesuitenpater Friedrich Spee gelingen, diesen Irrsinn (1631) als das publik zu machen, was er immer schon war: ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Es dauerte allerdings noch eineinhalb Jahrhunderte, bis endgültig in Europa Schluss war mit den offiziellen Hexenverfolgungen.
    Dass heute noch (oder schon wieder) Menschen an »Hexen« glauben - das steht auf einem anderen Blatt.

ANMERKUNG ZUR PERSON MAXIMILIANS VON BAYERN
    Herzog Maximilian - später zum Kurfürsten ernannt - wurde auf Wunsch seines frommen Vaters Wilhelm äußerst streng, gottesfürchtig und kirchentreu (hauptsächlich von Jesuiten) erzogen. Sein Leben lang verabscheute er »Hexen«, ließ sie verfolgen, foltern und zum Feuertod verurteilen, befürwortete Teufelsaustreibungen und bekämpfte die Protestanten.
    Letztere waren für ihn »Abtrünnige vom wahren Glauben« und somit »Ketzer«, die es auszurotten galt.
    Bereits als Knabe verfügte Maximilian über ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Dazu war er empfindlich, leicht gekränkt, eitel und nachtragend. Geradezu besessen davon, seine Untertanen zu überwachen und zu kontrollieren, überzog er Bayern mit einem Netz von Spitzeln und Denunzianten. Darüber hinaus schenkte er jedem Ohrenbläser, der es verstand, sich bei ihm einzuschmeicheln, Gehör.
    Schon als Kind ließ er Gemüt und Warmherzigkeit vermissen; darin unterschied er sich wesentlich von seinen jüngeren Geschwistern, vor allem von seinen Brüdern, die - ausgestattet mit Humor und Lebenslust - ihr privilegiertes Dasein genossen. Maximilians düstere, unfrohe Wesensart ließ ihn unnahbar und kalt erscheinen. Für die herzogliche Dienerschaft war er nicht selten ein wahres Schreckgespenst: streng, unerbittlich, unnachsichtig und gar rachsüchtig.

    Selbst »in der Furcht des Herrn« lebend, war er tiefgläubig, ja bigott, und absolut kirchenhörig - was ihn allerdings nicht daran hinderte, des Öfteren mit Papst und Kurie uneins zu sein, so z. B. im Falle seines Konflikts mit dem Heiligen Vater, seinen Vorfahren, Kaiser Ludwig den Bayern, betreffend.
    Maximilian hat seine Umwelt niemals wohlwollend betrachtet - bestenfalls stand er ihr in leicht abschätziger Distanz gegenüber. Ethische Anforderungen, nüchternes Zweckdenken, ein starker persönlicher Egoismus, aber auch Kunstverstand, großer Fleiß, Verantwortungsgefühl und Hingabe an sein hohes, von Gott verliehenes Amt bestimmten bereits in jungen Jahren sein Denken und Wirken.
    Interessant ist, wie der Wittelsbacher sich selbst beurteilte:
    Niemand zuliebe,
niemand zu Leid;
der Tugend zu Ehren
ist mein Begehr’n;
Gott wird’s mir gewähr’n.

GLOSSAR
    ANTONIUSFEUER: ursprünglich »Heiliges Feuer«, wurde im Mittelalter für eine ansteckende Krankheit gehalten. Die Gliedmaßen der Betroffenen brannten wie von Feuer durchdrungen und wurden allmählich zerfressen, was bis zum Tod führte. Im 17. Jahrhundert erkannte man, dass es sich dabei um eine Pilzvergiftung handelte, hervorgerufen durch das sogenannte Mutterkorn (das man auch zur Abtreibung verwendete). Dieser Pilz nistete sich bei Feuchtigkeit in Roggenähren ein. Schon kleine Mengen wirkten tödlich.
    Der heilige Antonius Eremita erlangte als Heiler der Krankheit Bedeutung. Nach ihm wurde sie »Antoniusfeuer« genannt.
     
    BETTELORDEN: katholische Mönchsorden, in denen im Unterschied zu den BESITZORDEN nicht

Weitere Kostenlose Bücher

Wilde Chrysantheme
Wilde Chrysantheme von Jane Feather