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Die Hexenadvokatin

Die Hexenadvokatin

Titel: Die Hexenadvokatin
Autoren: Karla Weigand
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Mütze zwischen den Händen.
    »Wieso ist er dann tot?« Donna Clara Maria di Ruspoli wirkte irritiert. »Außerdem glaubte ich deinen Ausführungen zu entnehmen, dass auch die Contessa Luisa Maria di Pietrasanta nicht mehr unter den Lebenden weilt. Berichte mir von Anfang an. Langsam und deutlich! Und bemühe dich, dich einer auch mir verständlichen Sprache zu bedienen«, gebot die Äbtissin, die ihre Fassung noch nicht ganz wiedererlangt hatte.

    Giorgio Friuli stotterte entsetzlich, aber allmählich schälte sich die furchtbare Wahrheit aus all dem Gestammel heraus.
     
    Der Hintergrund und Auslöser des Vorfalls war, dass sich die sechzehnjährige Contessa Luisa Maria aus dem alten toskanischen Geschlecht der Pietrasanta, die seit drei Jahren als Zögling im Kloster Santa Caterina war, beim Kirchgang in den jungen Grafensohn Rupert Wolfgang aus dem altbayerischen Geschlecht der Grafen zu Mangfall-Pechstein verliebt hatte und dieser sich in sie.
    Der Adelsspross aus dem Oberbayerischen war siebzehn und sollte in der Stadt Bologna die Rechte studieren. Das wäre zwar auch in seinem Heimatland, in Ingolstadt, möglich gewesen - sein Landesherr, Herzog Maximilian, hatte dort sein Studium absolviert -, aber nach Meinung einiger taugte die Universität in Ingolstadt nicht allzu viel; zumindest hielt sie keinem Vergleich mit Bologna stand.
    Außerdem hatten in Ingolstadt die Jesuiten das Sagen - etwas, was seinem Vater, dem Grafen Wolfgang Friedrich zu Mangfall-Pechstein, nicht unbedingt behagte. Wer »richtige« akademische Weihen anstrebte, musste sich unbedingt an die Pariser Sorbonne oder nach Italien begeben, am besten nach Padua oder Bologna.
    Allzu weit hatte es Rupert noch nicht gebracht mit seinem Studium. Das erste Semester war mehr oder weniger an ihm vorübergerauscht: Viel zu sehr lenkten ihn die Gedanken ab, welche er der hübschen Luisa Maria widmete, die auf Wunsch ihrer Familie den Schleier nehmen sollte.
    Der junge Mann hatte die Schöne anlässlich eines Ausflugs mit Studienkollegen zum berühmten Kloster Santa Caterina und seiner Gnadenkapelle kennengelernt. Bei beiden war es die berühmte »Liebe auf den ersten Blick« gewesen.

    Da sich auch hier der alte Spruch bewahrheitete, dass, wo ein Wille ist, sich auch ein Weg auftut, fand der gewitzte Studiosus schnell Helfershelfer, die zwischen der Wohnung des jungen Grafen in Bologna und dem Kloster in den Bergen als reitende Liebesboten fungierten und fleißig kleine Briefchen zärtlichen Inhalts hin- und herbeförderten.
    Rupert stand alsbald derart in Flammen, dass ihm die schriftlichen Beteuerungen tiefster Liebe nicht mehr genügten. Den papierenen Schwüren ewiger Treue folgten nunmehr ausgeklügelte Pläne, wie man sich von Angesicht zu Angesicht »unterhalten« könnte.
    Da das Mädchen keine Möglichkeit sah, das Kloster - das es zunehmend als Gefängnis empfand - unbeobachtet zu verlassen, beschloss der schneidige Jüngling, seinerseits die Liebste in der abgelegenen Abtei aufzusuchen. Und siehe da: Es gelang ihm, eines Nachts hatte er die Festung gestürmt!
    Der tollkühne Held aus Bayern war einfach über die hohe, nur scheinbar unüberwindliche Mauer von Santa Caterina gestiegen. Jetzt zahlte es sich aus, dass der junge Herr von Kindheit an so gerne in den bayerischen Bergen, direkt vor seiner Haustüre, herumgeklettert war.
    Die tief in der Nacht dem Dormitorium geschickt entwichene Luisa Maria hatte ihn - wie abgemacht - auf dem Glockenturm der Klosterkapelle erwartet. Es war eine Stunde vor Mitternacht und bis zur Matutin um zwei Uhr morgens - wo Luisa wieder, als wäre nichts geschehen, in ihrem Bett zu liegen hatte - war es eine lange Zeit, die das verliebte Pärchen aufs Angenehmste zu nutzen verstand …
    Eine Freundin der Novizin wider Willen hatte versprochen, ebenfalls wach zu bleiben und aufzupassen, dass niemand das italienisch-bayerische Liebesglück störte.

    Zwei Monate lang ging auch alles gut. Der junge Liebhaber besuchte auf diesem Wege seine Angebetete bis zu dreimal in einer Woche. Dann war eingetreten, womit jeder erfahrene Mensch rechnen musste - außer den beiden natürlich: Luisa Maria war schwanger und wusste weder ein noch aus.
    Rupert schmiedete abenteuerliche Fluchtpläne und der guten Freundin Luisas wurde die Sache allmählich zu brenzlig. Ängstlich vertraute sie sich der Mutter Äbtissin an und verriet die jungen Liebenden - sorgsam darauf bedacht, ihre eigene Mitwirkung bei dem »Skandal« möglichst

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