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Die Heilerin des Kaisers

Die Heilerin des Kaisers

Titel: Die Heilerin des Kaisers
Autoren: Karla Weigand
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Griseldis’ Bitte hin berichtete die Mutter zum wiederholten Male, was sich während ihrer Abwesenheit in Tannhofen ereignet hatte.
    Eine Gruppe von fünf entlaufenen Mönchen, zerlumpte und verwahrloste Gestalten, war zur Mittagsstunde bettelnd durch den Ort gezogen.
    Die Glaubensbrüder ließen dabei jegliche Bescheidenheit und Demut vermissen; ohne sich darum zu scheren, dass die Dorfbewohner vor einigen Stunden von Räubern ausgeplündert worden waren, forderten sie die Herausgabe von Lebensmitteln. Sie gingen dabei äußerst skrupellos vor, was Handgreiflichkeiten und Beschimpfungen betraf, so dass die Frauen sich gezwungen fühlten, allerlei Vorräte herauszurücken, von denen sie sich normalerweise niemals getrennt hätten. Noch herrschten frostige Temperaturen und die Nahrung war sowieso äußerst knapp.
    Die meisten Bäuerinnen, die sich allein daheim aufhielten, waren schon älter, die jüngeren Frauen und ihre Männer machten sich gerade daran zu schaffen, die verkohlten Holzbalken der niedergebrannten Hütten zu zerkleinern und fortzubringen.
    Jede von ihnen wollte die aufdringlichen Kerle möglichst schnell wieder vom Hof haben. Auch Frowein und sein Sohn sowie sämtliche Knechte und Mägde waren außer Haus; Griseldis war nach Regensburg geritten und die kleine Gertrud spielte in der unversehrten Nachbarscheune mit den jungen Kätzchen.
    »Ich stand gerade am Herd und rührte in der Suppe, die ich später den hungrigen Männern und Weibern in einem großen Topf zur Dorfmitte bringen wollte«, erzählte Dietlinde. »Da sind die fünf ehemaligen Klosterbrüder in meine Küche eingedrungen.«
    Obwohl sie ein kräftiges und beherztes Weib war und nicht leicht einzuschüchtern, hatte sie auf Anhieb erkannt, dass es dieses Mal klüger wäre, klein beizugeben.
    Ohne sich lange bitten zu lassen, hatte sie den räuberischen Kuttenträgern die Würste und Speckseiten überlassen, die in einem kleinen Raum direkt neben der Küche, in der sogenannten Rauchkuchl, von den verrußten Deckenbalken hingen.
    Sogar ein kleines Fass mit eingesäuertem Kraut ließen die Mönche mitgehen und einer der gottgeweihten Landstreicher steckte die Brotlaibe, von der Bäuerin gerade aus dem Backofen geholt und zum Auskühlen auf ein Brett gelegt, behände in einen schmierigen Rupfensack.
    Dann hatten sie in drohendem Tonfall von Dietlinde Bier verlangt und sie dabei frech angesehen. »Wir wissen, dass hier Bier gebraut wird, das riecht man doch.«
    »Freilich, Ihr frommen Brüder«, hatte sie versucht, die Bande zu besänftigen, »sofort bring ich Euch welches.« Und Dietlinde hatte die Bodenklappe vor dem Herd geöffnet, durch die man mittels einer kurzen Leiter in den Keller des Hauses klettern konnte.
    »Beeil dich«, hatte ein anderer grinsend hinzugefügt, »sonst machen wir aus deiner Kuchl Kleinholz.«
    So schnell sie es auch geschafft hatte, einen Eimer voll des selbst gebrauten dunkelbraunen Malzgetränkes nach oben zu hieven, die Mienen der verkommenen Gesellen in ihren speckigen Kutten waren grimmig geblieben. Die Männer hangelten sich Krüge aus grobem Steinzeug von einem Bord über dem gemauerten Herd und füllten mit dem hölzernen Schöpflöffel das schäumende Bier aus dem Kübel.
    »Der HERR segne Euch diesen Trunk, fromme Väter«, hatte Dietlinde zu ihnen gesagt. Bei der Erinnerung daran zitterte ihre Stimme erneut. Aber die Mönche würdigten sie keiner Antwort, nur einer rülpste laut und grunzte dann: »Halts Maul, Weib.«
    Dietlinde war an dieser Stelle in ihrer Erzählung verstummt und hatte zu Boden geblickt.
    »Jetzt sprich nur, Frau«, ermunterte sie Frowein, »das Mädchen soll nur hören, wie gemein es heutzutage auf der Welt zugeht.«
    Obwohl es der Mutter ziemlich unangenehm war, hob sie den Kopf und berichtete weiter, was dann geschehen war.
    Nachdem sich die Männer mehrmals nachgeschenkt hatten, war sich Dietlinde auf einmal bewusst geworden, dass die Kerle sie nicht mehr wie zu Anfang voller Verdruss betrachteten; in ihren Augen stand plötzlich die blanke Gier. Die Bäuerin dankte im Stillen allen Heiligen im Himmel, dass diese es so eingerichtet hatten, dass ihre beiden Töchter nicht daheim waren. Sie ahnte nämlich, was ihr gleich bevorstehen sollte.
    »Ein Weib wär jetzt recht«, sagte einer der fünf Strolche dumpf und stierte die achtunddreißigjährige Bauersfrau begierig an.
    »Ich hatte auch schon lang keines mehr unter mir liegen«, erwiderte der Zweite, atmete schwer und stand

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