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Die Glut des Bösen: Kriminalroman (German Edition)

Die Glut des Bösen: Kriminalroman (German Edition)

Titel: Die Glut des Bösen: Kriminalroman (German Edition)
Autoren: Anette Huesmann
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Frühstück gemacht hatte. Es roch nach Kaffee. Auf dem Tisch standen Tassen und ein Korb mitfrisch aufgebackenen Brötchen. Ihr Magen knurrte. Trotzdem brachte sie es nicht fertig, sich allein an den gedeckten Tisch zu setzten.
    Rasch packte sie zwei Brötchen und etwas Käse ein. Den Kaffee füllte sie in eine Thermoskanne und gab Milch hinzu. Nachdenklich sah sie sich noch einmal um. Auf dem Tisch waren zwei Tassen und ein leerer Brotkorb zurückgeblieben. Emma packte ihre Reisetasche fester und zog die Küchentür hinter sich zu.
    Zehn Minuten später saß sie in ihrem Bus und ließ die Stadtgrenzen Heidelbergs hinter sich. Sie fuhr auf die A6 und wechselte am Kreuz Frankenthal auf die A61 Richtung Mainz. Es herrschte wenig Betrieb, der Ausflugsverkehr ließ noch auf sich warten. Emma setzte am Polizeifunk Scanner den Suchlauf in Gang, bis sie die Mainzer drin hatte. Doch außer zwei Verkehrsunfällen war nichts zu hören. Sie sah auf die Uhr. Der KDD, der Kriminaldauerdienst, war vor zwei Stunden vor Ort gewesen. Inzwischen mussten längst die Beamten der Kriminalpolizei eingetroffen sein und ihre Kollegen abgelöst haben.
    Emma war als Polizeireporterin meist im Rhein-Neckar-Dreieck unterwegs, Heidelberg, Mannheim, Ludwigshafen und die kleineren Orte der Umgebung. Da sie auch für überregionale Zeitschriften schrieb, dehnte sie ihr Einzugsgebiet nach Bedarf auch auf umliegende Regionen aus.
    Emma stellte ihr Mobiltelefon in die Freisprechanlage und versuchte es erneut bei der Pressestelle der Mainzer Polizei. Während sie darauf wartete, dass ihr Handy eine Verbindung herstellte, kramte sie in ihrem Gedächtnis, was sie im Internet zusammengesucht hatte. Die Leiche war im Benediktinerkloster Rupertsberg gefunden worden. Hildegard von Bingen hatte es Mitte des 12. Jahrhunderts erbaut. Emma wusste nur wenig über die mittelalterliche Gelehrteund Theologin. Sie nahm sich vor, für den Artikel noch ein paar Lebensdaten zu recherchieren.
    Endlich gab ihre Freisprechanlage ein paar Töne von sich. Bei der Pressestelle war noch immer besetzt.
    Emma drückte die Kurzwahltaste für Paul, ihren besten Freund, der mit ihr das Büro in Heidelberg teilte. Sie wusste, dass er heute dort sein wollte, um noch einen Bericht für seinen Sender zu sprechen. Er war fester Freier eines überregionalen Rundfunksenders und arbeitete für das Mannheimer Regionalstudio. Beim zweiten Signalton nahm er ab.
    »Guten Morgen, Paul«, rief sie. Ihre Freisprechanlage war in Ordnung, doch die teure Elektronik konnte das Motorengeräusch des 20 Jahre alten VW-Busses nicht herausfiltern. Sie musste die Lautstärke hoch drehen, um überhaupt was verstehen zu können.
    »Hallo, Prinzessin«, begrüßte er sie vergnügt, »was macht die Urlaubsvorbereitung?«
    Emma stöhnte. Dann gab sie Paul eine kurze Zusammenfassung der morgendlichen Ereignisse.
    »Also stürzt du dich jetzt in die Arbeit«, erwiderte er trocken.
    »Ich hätte mir eigentlich ohnehin keinen Urlaub leisten können. Und du?«, rief Emma. »Ich dachte, du bist heute im Büro?«
    »Dachte ich auch«, erwiderte Paul. »Aber Stefan hat mich heute Morgen rausgeklingelt. Er ist krank, und sein Sender will unbedingt einen Bericht über die Frauenleiche im Kloster Rupertsberg. Da ich ihm noch einen Gefallen schulde, habe ich mich ins Auto gesetzt.«
    »Dann sehen wir uns gleich«, erwiderte Emma und lachte. »Ich bin gerade auf dem Weg dorthin. Hast du die Mainzer schon erreicht?«
    »Ich hab sie erwischt, bevor ich los bin.«
    »Und?«
    »Die Ordensschwestern kamen um 6 Uhr zum Morgengebet und haben dabei die Frau gefunden«, sagte Paul. »Sie lag in der Klosterkirche auf dem Altar. War zu dem Zeitpunkt schon ein paar Stunden tot.«
    »Mehr Infos gibt’s noch nicht?«, rief Emma.
    »Nein«, erwiderte Paul. »Wir sehen uns dann.«
    Emma legte auf und wählte dann die Nummer vom Wochenenddienst der
Lupe
. Die Zeitschrift war erst vor einigen Monaten an den Start gegangen und wollte überregional anderen großen Wochenmagazinen Konkurrenz machen. Dafür brauchten sie gute Geschichten. Emma hatte in den vergangenen Monaten mehrere größere Artikel für sie geschrieben.
    »Eine weibliche Leiche wurde heute Morgen im Bingener Kloster gefunden«, rief Emma gegen das Motorengeräusch an.
    Kohler antwortete nicht. Sie hörte die Musik im Hintergrund. Wenn der Ressortleiter Sonntagsdienst hatte, lief meist seine Lieblingsband Shakti.
    »Was ist«, rief Emma, »kein Interesse?«
    »Der neue

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