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Die Gespenstergruft

Die Gespenstergruft

Titel: Die Gespenstergruft
Autoren: Jason Dark
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die Schublade wieder zu. »Das ist Unsinn, damit machst du dich nur verrückt!« Walter verließ die Küche. Sein Weg führte ihn ins Bad. Unterwegs merkte er, daß er die Füße immer nur vorsichtig aufsetzte, als wäre er ein Fremder in seinem eigenen Haus. Er kam sich überhaupt nicht mehr sicher vor, alles um ihn herum schien sich gegen ihn verschworen zu haben.
    Im Bad schaute er in den Spiegel.
    Walter sah ein längliches Gesicht, dessen Haut eine sommerliche Bräune zeigte. Auf der Oberlippe wuchs ein Bart, und die Kontaktlinsen fielen kaum auf. Dafür die dunklen Ringe darunter. Ein Zeichen, daß er sich nicht gut fühlte, und in der Tat kreisten seine Gedanken immer wieder nur um das eine.
    Kamen sie? Kamen sie nicht?
    Er schluckte, beugte sich vor und trank einen Schluck Wasser aus den hohlen Händen. Den Rest spritzte er in sein Gesicht. Als er nach dem Handtuch griff, um sich abzutrocknen, hörte er das Läuten des Telefons.
    Es stand im Flur auf einem kleinen Bord, das durch zwei Winkeleisen an der Wand befestigt war.
    Er blieb stehen und wußte plötzlich, daß dieser Anruf nichts Gutes zu bedeuten hatte. Ein kalter Schauer rieselte über seinen Nacken und fand den Weg nach unten.
    Hingehen, abheben oder einfach das Klingeln des Apparates ignorieren?
    Er ging hin. Es konnte durchaus sein, daß der Anruf wichtig war, und nach dem fünften Klingeln hob er ab.
    Eine fremde Stimme sprach ihn an. »Ah«, dehnte der Sprecher, »du bist ja doch da.«
    Walter Cohn wußte sofort, daß er die Stimme des Anrufers noch nie gehört hatte, doch er ordnete sie gleich richtig ein. Er versuchte, sich hart und sicher zu geben. »Was wollen Sie? Wer sind Sie?« fragte er den Satanisten.
    Ein Lachen folgte. Dann die Frage: »Weißt du das wirklich nicht, Totengräber?«
    »Nein.«
    »Ich gehörte zu deinen Freunden. Aber wir sind nicht mehr deine Freunde. Du hattest uns versprochen, das Tor zu öffnen, damit wir den Friedhof ohne Schwierigkeiten betreten können. Wir haben uns leider in dir geirrt. Du hast das Tor nicht geöffnet, und so etwas mögen wir überhaupt nicht.«
    »Der Friedhof ist um diese Zeit geschlossen!«
    »Nicht für uns, Walter, nicht für uns! Weißt du denn nicht, wer wir sind?«
    Er schwieg.
    »Na, was ist? Rede endlich!«
    »Bleibt mir vom Hals!« keuchte er und warf den Hörer auf den Apparat.
    Er stieß einen Knurrlaut aus, schüttelte den Kopf, ballte die Hände zu Fäusten und fragte sich im selben Augenblick, ob er nicht falsch gehandelt und die anderen durch seine Reaktion provoziert hatte.
    Schweiß perlte über sein Gesicht. Er wußte plötzlich, daß sie ihn nicht vergessen hatten, daß sie kommen würden, und er überlegte, was er dagegen tun konnte.
    Die Polizei anrufen und den Leuten erklären, daß irgendwelche Satanisten finstere Beschwörungen auf seinem Friedhof durchführen wollten? Die Ordnungshüter hätten ihn nur ausgelacht. Außerdem hatten sie andere Dinge zu tun.
    Er war allein.
    Was konnte ihm noch helfen?
    Da brauchte Walter gar nicht so lange zu überlegen. Es war am besten, wenn er sich zurückzog. Die Flucht war hier keine Feigheit, sondern lebensnotwendig.
    Also nichts wie weg!
    Er holte seine Jacke, nahm noch die Papiere aus der Schublade und schloß die Haustür von innen ab. Wenn er schon verschwand, dann durch den Hinterausgang.
    Walter Cohn überlegte, wie sich die Satanisten wohl verhalten würden, wenn sie das Haus menschenleer fanden. Er war ein Mann, der zwar täglich mit dem Tod konfrontiert wurde, dem Gewalt jedoch fremd war. Er lehnte sie ab, er mochte sie nicht, er haßte sie, und er haßte Menschen, die Gewalt ausübten.
    Den Satanisten traute er zu, daß sie durchdrehten und seine Einrichtung zertrümmerten. Sie würden ihre ganze Wut daran auslassen. Zurück blieb dann nur mehr Kleinholz.
    Egal, was auch passierte, er konnte und wollte hier keine Sekunde länger bleiben.
    Die wichtigsten Dinge trug er bei sich. Das Licht schaltete er aus. So legte sich die Dunkelheit wie eine finstere Glocke über das Haus. Er dachte an den Angriff und versuchte dann, sich auszurechnen, wie lange es wohl dauern würde, bis die Satanisten den Weg bis zum Ziel zurückgelegt hatten.
    Es kam immer darauf an, von wo sie angerufen hatten. Vielleicht sogar aus der Nähe, denn vor dem Friedhofstor standen ebenfalls einige Telefonzellen.
    Er lief rasch auf die Hintertür zu. Das Licht brauchte er nicht. Er bewegte sich fließend durch die Dunkelheit und sah den Ausgang wie einen

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