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Die Geheimnisse der Therapeuten

Die Geheimnisse der Therapeuten

Titel: Die Geheimnisse der Therapeuten
Autoren: Christophe André
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Fähigkeiten und fahre somit fort, mich nicht selbst zu behaupten.«
    Anders als man meinen könnte, ist Selbstbehauptung etwas, was man erlernen kann. Es ist nicht angeboren, man kommt nicht selbstbewusst zur Welt; man lernt es! Aber was heißt das eigentlich, sich selbst zu behaupten?
    Sich selbst behaupten heißt vor allem kommunizieren
    Für eine gute Selbstbehauptung ist es unerlässlich, gut kommunizieren zu können. Streng genommen, heißt kommunizieren die Absicht haben, eine Beziehung mit einem Gegenüber herzustellen. Ich teile mich mit, wenn ich einer Person antworte, die sich an mich wendet. Antworte ich hingegen nicht, teile ich dem anderen auch etwas mit. Das heißt: Es ist mir gar nicht möglich, nicht zu kommunizieren! Man könnte also Selbstbehauptung als die Fähigkeit definieren, die eigenen Bedürfnisse, Begierden, Wünsche und Werte gegenüber einem anderen auszudrücken, und zwar ohne Angst und indem man den anderen in dem, was er ist, und als das, was er ist, achtet.
    Seit vielen Jahren habe ich über das Thema Schüchternheit und ihr Heilmittel, das Selbstbewusstsein, enorm viel gelesen und mich damit beschäftigt. Es würde den Rahmen sprengen, wenn ich an dieser Stelle alle Techniken der Selbstbehauptung nennen wollte. Ich werde sie lieber in wenigen Punkten zusammenfassen, ausgehend von einer Methode, die einer meiner Kollegen, ein hervorragender Spezialist auf dem Gebiet, entwickelt hat. Diese Methode können Sie auf jede Situation anwenden, die Ihnen begegnet, in der Sie sich selbst behaupten müssen. Ich will Sie nicht länger auf die Folter spannen. Hier ist sie. Sie heißt IEEPP.
    Eine Methode der Selbstbehauptung
    Die Methode IEEPP besagt:
    I wie Ich: den ersten Satz mit ich beginnen: »Ich fände es gut, ich würde es schätzen, ich wünsche mir ….«
    E wie Einfühlungsvermögen: den anderen berücksichtigen: »Das verstehe ich gut, aber ich hätte gern …«
    E wie Emotionen, die eigenen: »Ich muss leider darauf bestehen, dass …«, und die des anderen: »Ich verstehe, dass das für dich schwierig ist …«
    P wie präzise oder direkt sein: »Ich hätte gern die 15 Euro zurück, die ich dir geliehen habe.«
    P wie Penetranz: den passenden Satz wie eine Schallplatte mit Sprung wiederholen und abwechselnd dazu Empathie zeigen: »Ich verstehe, dass du im Augenblick in der Klemme bist, aber ich hätte gern meine 15 Euro zurück.«
    Schließlich positiv enden: »Wenn nicht diese Woche, dann nächste. Vielen Dank für deine Mühe.«

    Der Reiz an dieser einfachen Methode ist, dass man sie allein einüben kann. Sobald Sie sich diese Verfahrensweise eingeprägt haben, können Sie loslegen. Aber bevor Sie damit beginnen, sollten Sie sichergehen, dass Sie einen Misserfolg oder eine negative Reaktion einstecken und mit einem nicht einfühlsamen Verhalten umgehen können. Es ist wichtig, immer im Hinterkopf zu behalten: Während Sie das Recht haben, eine Bitte, ein Kompliment oder eine Kritik zu formulieren, haben andere auch das Recht, sie abzulehnen oder eine andere Meinung zu haben. Das stellt Sie als Person und Ihre Daseinsberechtigung nicht infrage. Was Sie sagen oder tun, spiegelt nicht total, was Sie sind und worin Ihre tieferen Werte bestehen. Vergessen Sie das nicht. Das wird Ihnen helfen, das, was bei der Kommunikation auf dem Spiel steht, zu relativieren, ebenso wie die gefürchteten Folgen von Ablehnung, Kritik, Verlassenwerden etc.
    Zum Abschluss
    Während ich die letzten Sätze dieses Kapitels schreibe, wird mir die Anstrengung, die ich gerade unternehme, verstärkt bewusst: mich anderen zu offenbaren, meine Schüchternheit öffentlich zu bekennen. Was gibt es Schwierigeres für einen Schüchternen, als sich freiwillig dem Blick anderer auszusetzen! Und dennoch ist das der wichtigste Schritt: sich annehmen, wie man ist, mit seinen Vorzügen und Fehlern, und sich dabei regelmäßig in Erinnerung rufen, dass man in Ordnung ist.
    Ich möchte dieses Kapitel mit einer kleinen Geschichte beschließen, die ich oft meinen Patienten erzähle und die sie nach ihrem eigenen Bekunden als hilfreich empfinden:
    Â»Eine der Methoden, um anzufangen, sich von Ihrer Schüchternheit zu befreien, besteht darin, sich diese wie einen Berg vorzustellen. Aus nächster Nähe erscheint er Ihnen erdrückend. Stellen Sie sich vor,

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