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Die geheime Treppe

Die geheime Treppe

Titel: Die geheime Treppe
Autoren: Marco Sonnleitner
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einfach nicht leisten, krank zu werden.«
    »Wegen der ganzen Klausuren, die anstehen?«, riet Bob.
    Justus hustete sich ein Kratzen aus dem Hals. »Genau.«
    »Nur noch fünf Minuten, ja?«, bat Peter. Ohne den Schlüssel war er aufgeschmissen. Vor allem der Nachschlüssel für den MG würde ihn enorm viel Zeit, Unannehmlichkeiten und Geld kosten.
    »Hm.« Justus stapfte missmutig weiter.
    Außer ihnen war natürlich niemand am Strand. Nicht einmal Möwen ließen sich blicken. Und aufs Meer wagte sich selbstverständlich auch keiner. Nur ganz weit draußen konnte man ein großes Containerschiff vermuten, doch das konnte auch eine optische Täuschung sein.
    Peter suchte vor allem den Teil des Strandes ab, an dem er gestern gelegen hatte. Wobei er nur noch ungefähr wusste, wo das gewesen sein könnte. Er schob vorsichtig den nassen Sand zur Seite, um den Schlüssel nicht zu begraben, achtete auf jedes fahle Blinken und robbte schließlich auch auf den Knien durch den Sand. Doch da war nichts.
    Justus nahm sich die Strecke vor, die Peter ungefähr zum Fahrrad zurückgelegt hatte. Aber er hatte schon mit mehr Eifer nach Dingen gesucht und außerdem sah er nicht mehr so viel, seitdem ihm ständig die Augen tränten und die Nase lief. Übellaunig starrte er in den Sand, schniefte, hustete und fror.
    Bob kämmte nach dem Zufallsprinzip den Rest des Strandes durch. Vielleicht hatte jemand den Schlüssel aus Versehen irgendwohin gekickt? Vielleicht hatte ihn die Flut eingegraben? Oder ein Kind hatte damit seine Sandburg geschmückt?
    »Habt ihr was?«, rief Peter und versuchte, zuversichtlich zu klingen.
    »Hunger«, knurrte Justus.
    »Kalte Füße.« Auch Bobs Laune wurde nicht etwa besser.
    Peter lächelte geknickt. Warum war er nur so dämlich gewesen!
    Nach fünf weiteren ergebnislosen Minuten und dreimaligem heftigen Niesen hatte Justus genug. »Kollegen, das war´s! Lasst uns zurück zum Auto gehen. Den Schlüssel finden wir nie im Leben.«
    »Sehe ich auch so. Wenn unser Metallsuchgerät nicht kaputt wäre, hätten wir vielleicht eine Chance gehabt. Aber so.« Bob hob bedauernd die Hände und ging zu Justus hinüber. »Das Teil ist weg, Peter, gib´s auf.«
    Der Zweite Detektiv seufzte und ließ die Schultern hängen. Aber er musste einsehen, dass Justus und Bob recht hatten. Und er konnte unmöglich von ihnen verlangen, dass sie sich noch länger hier draußen herumtrieben. Er richtete sich auf, klopfte sich den Sand von der Hose und trottete mit gesenktem Haupt zu seinen Freunden. »Okay, lassen wir´s gut sein.«
    »Dann nichts wie ab nach Hause und einen schönen heißen Tee schlürfen.« Justus rieb sich die Hände.
    »Und ich lege mich heute Abend in die Badewanne, bis ich Schwimmhäute bekomme«, verkündete Bob.
    Peter nickte trübselig. »Und ich schlachte schon mal mein Sparschwein.«
    Bob klopfte ihm mit seiner gesunden Hand tröstend auf die Schulter, aber Peter seufzte nur abermals schwer.
    Zurück zum Parkplatz liefen die drei Jungen nahe am Wasser entlang. Dort war der Sand nicht so tief. Schweigend kämpften sie gegen den Wind an, der sich allmählich zu einem ausgemachten Sturm auswuchs. Böig blies er ihnen ins Gesicht und zerrte an Haaren und Kleidung. Am Ende des Strandes mussten sie einen großen Felsen umrunden, hinter dem eine Steintreppe hinauf zum Parkplatz führte. Doch plötzlich blieben alle drei stehen.
    »Was ist das denn?« Bob bückte sich nach einem durchnässten Stück Holz, das die Wellen an den Strand gespült hatten.
    »Eine alte Schiffsplanke vielleicht?«, vermutete Justus.
    Bob hob das vollgesogene Brett auf und drehte es in den Händen. »Nein, zu schmal. Sieht eher aus wie eine –« Bob stutzte. »Kollegen, seht mal! Da steht was drauf!«
    Justus kam neugierig näher. »Lass mal sehen.« Der Erste Detektiv nahm Bob das Treibgut aus der Hand, drehte sich aus dem Wind und wischte das Wasser von der Holzlatte. Auch Peters Interesse war geweckt. Für den Moment vergaß er seinen Schlüssel und beugte sich ebenfalls über das Brett.
    »Hm«, machte Justus. »Ich würde sagen, da hat jemand mit einem Kugelschreiber oder einem Filzstift was draufgekritzelt. Könnte ein ... Gesicht sein.« Er drehte das Brett um 90 Grad. »Oder ein Kopf.«
    »Ja, vielleicht, aber sieh doch«, widersprach Peter. »Die Linie geht hier weiter.« Er zeichnete mit dem Finger einen dünnen, verwaschenen Strich nach. »Hier steigt sie wieder an, da sind ein paar Zacken, und da in der Mitte ist eine

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