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Die Flüchtlinge des roten Mondes

Die Flüchtlinge des roten Mondes

Titel: Die Flüchtlinge des roten Mondes
Autoren: Marion Zimmer Bradley
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1
     
    Ein ganzes Universum wartet auf mich , sagte Dane Marsh zu sich selber. Eine Galaxis zu meinen Füßen. Und wo bin ich gelandet? In Ödstadt auf dem Planeten Käfig.
    Stille herrschte in der Lebenskapsel. Es war zu still. Nur das kontrollierte Summen der Klimaanlage war zu hören, die die Luft genau richtig abstimmte, säuberte und mit einem leichten Duft von Tang und salziger Meeresluft würzte. Man hätte es auf Wunsch schnell nach Bergkiefern riechen lassen, den zarten Duft eines Blumengartens in der Sonne oder den Geruch eines Strandes bei Ebbe einstellen können. Das einzige Geräusch, welches das schwache Summen der Anlage übertönte, war das entfernte, kaum hörbare Aufschlagen von Brandung … so künstlich wie die Meeresluft, aber beruhigend. Das Licht konnte mit einer leichten Berührung eines Knopfes verändert werden, von Mondlicht, das auf einen Strand fiel, bis zur grellen Sonne – einfach alles, was man wollte. Und nichts davon war real. Es war alles künstlich. Bequem, ja luxuriös. Aber immer noch künstlich.
    Dane blickte auf zu dem Wandschmuck, der den Raum, in dem er saß, dominierte: ein Samuraischwert. Irgendwie war ihm dieser Anblick inmitten all des Luxus peinlich.
    Das war real. Schrecklich, aber real. Richtige, eindringliche Leben-und-Tod-Realität. Und dann sieh mich an …
    Es war nicht das gleiche Samuraischwert, mit dem er elf Tage lang auf dieser Welt der Jäger unter der roten Sonne gekämpft hatte und am Ende Reichtümer und die Freiheit gewonnen hatte. Dieses Schwert hing im Waffenmuseum auf der Welt der Jäger. Doch das erste, was Dane mit dem dort erworbenen Reichtum angefangen hatte – oder doch fast das erste –, war gewesen, ein Duplikat eben dieses Schwertes, mit dem er dort gefochten hatte, anfertigen zu lassen. Ein Telepath, ein sonderbares kleines Wesen der Protosaurierrasse, ähnlich einem menschengroßen Gilamonster der Erde, hatte Danes Gedanken und Erinnerung nach jedem Detail durchforscht, nicht nur nach dem Aussehen, sondern auch dem Gefühl in der Hand, seinem Gewicht, dem Zischen beim Sausen durch die Luft, der Spannung seiner Armmuskeln, all den Einzelheiten, die Dane nur unbewußt registriert hatte. Dann hatte es ein ausgezeichneter Handwerker geschmiedet, bis nichts außer seinem Verstand Dane daran erinnern konnte, daß das originale Mataguchi-Schwert im Waffenmuseum auf der Welt der Jäger hing. Dies hier war sein Schwert …
    Eine alberne Tat, sicher. Sentimental – so sentimental wie der lange, helle Zopf von Dalliths Haar, den er in einem Geheimfach seines Zimmers aufbewahrte. Romantisch und künstlich, so künstlich wie die Meeresluft in seinem Zimmer und die entfernte Brandung in dem Geräuschsystem. Dieser Teil seines Lebens war vorbei, und rational wußte Dane, daß er es nicht bedauerte. Zuerst war ihm der Friede dieser zivilisierten, mechanischen Utopiawelt willkommen gewesen nach dem langen Alptraum der Jagd und dem Roten Mond. Eine lange Zeit danach war er schweißgebadet aus Alpträumen aufgewacht, in denen alle Arten der vielgestaltigen Wesen dieser zivilisierten Welt in der Nähe des Zentrums des Bundes zu versteckten, verkleideten Jägern wurden, zu den gestaltverändernden Wesen des Roten Mondes, die wieder auf seiner Spur waren. Viele Male war er um sich schlagend, schreiend aufgewacht und hatte ein imaginäres Schwert umklammert, das er eigentlich nicht mehr brauchte, hatte Rianna mit seinen Schreien aufgeweckt. Sie schien nicht überrascht zu sein. Auch sie wurde von Alpträumen heimgesucht, und Dane dachte manchmal, sie seien schlimmer als seine eigenen. Oder war das nur ein Rest seiner irdischen Einstellung aus der Zeit, bevor ihn das Mekhar-Schiff von seiner einsamen Yacht mitten im Pazifik hinweggefegt hatte, ein Überrest, der ihn entgegen der Anschauung im Bund denken ließ, Rianna als Frau sei schwächer als er und müsse geschützt werden? Er wußte, daß es sich in Wirklichkeit anders verhielt. Rianna war keine schwache Frau, sondern hatte an seiner Seite auf der Jägerwelt mitgekämpft, war seine Begleiterin gewesen, sein Waffenbruder, seine Freundin. Und er war freiwillig mit ihr hierher gekommen, wo sie die Aufzeichnungen ihrer langen Mission auf der Welt der Jäger für den zentralen Geheimdienst des Bundes anfertigte. Freiwillig. Zunächst jedenfalls …
    Rianna … bald würde sie nach Hause kommen. Beim Galaktischen Bund, hier in der Zentrale, gab es so etwas wie Heirat nicht, doch er hielt ihre Beziehung in

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