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Die Fährte des Nostradamus

Die Fährte des Nostradamus

Titel: Die Fährte des Nostradamus
Autoren: Mathias Rückert
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Die Fährte des Nostradamus
     
    Von Mathias Rückert
     
    Mystery Thriller
     
     
    Salon de Provence 01.Juni 1566
     
     
    Ayme Chavignys Schritte waren unsicher, als er die Treppe zum Arbeitszimmer seines Herrn hinauf ging. Verräterisch knarrte das polierte Eichenholz unter seinen Füßen und verriet dem Hausherrn, wer den Weg zu ihm suchte. Das feine Gehör des Meisters erkannte jeden ihm bekannten Besucher an der Melodie seiner Schritte.
    Chavigny war müde von der langen Reise, die hinter ihm lag. Aber nicht die Müdigkeit lähmte seine Beine… es war Angst. Angst vor dem, was ihn hinter der schlichten Tür erwartete.
    Auf den letzten Stufen hielt er inne. Der Geruch, der ihm sein Leben lang in Erinnerung bleiben sollte, schlug ihm schon hier entgegen. Es war der Geruch des Todes. Ihn zu beschreiben war unmöglich, aber tief im Unterbewusstsein eines jeden Menschen stieß er eine Warnung aus. Als wolle er die Grenze zum Jenseits markieren, stellte er sich Chavigny in den Weg.
    Wie ihm angeraten wurde, hatte er ein in Lavendelwasser getränktes Tuch zur Hand, um jederzeit seine Nase damit bedecken zu können. Aber auch heute würde er sich nicht erlauben, davon Gebrauch zu machen. Seine Zuneigung und Ehrerbietung vor dem Mann, dem er seit vielen Jahren diente, verboten ihm eine solche Respektlosigkeit.
    Kurz vor Anbruch seiner Reise bat ihn Jean Lafette um eine Unterredung. Als König Karl IX. von der schweren Erkrankung seines einstigen Arztes erfuhr, stellte er dem Kranken großzügig die Künste des eigenen Nachfolgers zur Verfügung. Den jungen König und seinen Herrn verband eine tiefe Freundschaft, und schon Henri II. schätzte die Gesellschaft des weit gereisten Mannes.
    Lafette war damals sehr bekümmert über den Verlauf der Erkrankung und hielt eine Genesung für unwahrscheinlich. All sein Können war nun ausgeschöpft, und selbst steter Briefwechsel mit Medizinern aus allen Teilen des Landes brachte nicht den erhofften Erfolg. Lafette bedauerte sehr, aber Familie und Angehörige hätten wohl mit dem Schlimmsten zu rechnen.
    Chavigny trat damals mit ungutem Gefühl die Reise an, und er konnte seinen Herrn nicht dazu bewegen, statt seiner einen der Burschen damit zu beauftragen.
    Die Tür vom Arbeitszimmer knarrte leise und riss ihn aus seinen trüben Gedanken. „Monsieur Chavigny, Sie sind wieder zurück, endlich“, flüsterte Luise erleichtert und schloss leise die Tür hinter sich. „Dem Herrn geht es sehr schlecht. Immerzu fragt er nach Ihnen und betet, Ihr möget heimkommen, bevor es zu spät ist.“
    Die gute Luise, dachte Chavigny. Auch sie vermied es, ein Lavendeltuch zu benutzen. Obwohl gerade Luise in diesen unglücklichen Tagen die schwerste Arbeit zu verrichten hatte, besaß sie die Kraft, ihren geliebten Herrn mit Respekt und Würde zu pflegen. Als das Mädchen vor ihm stand, fiel sein Blick auf den mit blutigem Stuhl verkrusteten Nachttopf. Ein bestialischer Gestank strömte Chavigny entgegen. Um sich nicht auf der Treppe übergeben zu müssen, wandte er sich ab und hielt sich das rettende Tuch unter die Nase. Tapfere Luise, unschätzbar war ihre Arbeit in diesem Hause.
    „Seit Ihrer Abreise geht es ihm stetig schlechter“, flüsterte sie traurig, Tränen rannen über ihr gerötetes Gesicht. „ Sein Essen kann er nicht lange bei sich halten… der ständige Durst droht ihm den Verstand zu rauben. Ständig ruft er sonderbare Namen, die ich nicht kenne. Dann wieder scheint er klaren Kopfes und erzählt mir von einer Insel, die er bald aufsuchen will. Der arme Herr. Es scheint, als ob er noch immer Hoffnung auf eine baldige Genesung hegt und wieder Reisen kann. Dabei erkennt er seine Familie nicht mehr, und mich spricht er meist mit falschem Namen an.“
    Wortlos nickend ging Chavigny langsam weiter die Treppe hinauf, und ließ das weinende Mädchen zurück. An der Tür angekommen, drehte er sich um und ließ den Blick durch das prunkvolle Foyer des Hauses schweifen.
    Wie Geister aus vergangenen Tagen versammelten sich die einflussreichsten Persönlichkeiten aus Adel und Politik vor seinen Augen. Selbst die angesehenen Medicis waren gern gesehene Gäste des Hauses. Nun aber blieben die Freunde aus. Niemand hielt es für nötig, persönlich nach dem Befinden des Kranken zu sehen, und selbst, meist von Boten überreichte, Genesungswünsche und Geschenke blieben inzwischen aus.
    „Ayme, guter Freund, warum trittst du nicht endlich ein“, kam es schwach aus dem Arbeitszimmer. Ich habe

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