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Die Fährte der Toten

Die Fährte der Toten

Titel: Die Fährte der Toten
Autoren: Michael White
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Teufel / 1
     
    Die Sonne nähert sich dem Horizont, und ihr verlöschendes Licht taucht die Wüste in ein blutiges Rot. Lee streicht sich schwer atmend die langen schweißnassen Haare aus dem Gesicht und sieht sich mit einem gehetzten Blick um. Sie muss sich verlaufen haben. Aber wie konnte das passieren? Sie kennt doch diese Gegend, die Straße muss ganz in der Nähe sein, wenn sie die Straße erreicht, ist sie in Sicherheit, dann wird sie ihren Verfolgern entkommen, ein für alle Mal...
     
    Sie wirft einen weiteren Blick in die Wüste, die sich hinter ihr erstreckt und vermeint huschende Schemen zu erkennen. Sie haben aufgeholt, denkt sie. Nicht mehr lange, und sie werden mich eingeholt haben. Und dann werden sie mich töten. Genau wie den Rest meiner Familie…
     
    Lee mobilisiert ihre letzten Reserven und klettert eine von Geröll und verkrüppelten Büschen bedeckte Anhöhe hinauf, als plötzlich eine von Wind und Regen zerfressene rötliche Felswand vor ihr aufragt. Erleichterung breitet sich in ihr aus. Die Stelle kommt ihr bekannt vor. Gleich hat sie es geschafft. Sie stolpert um einen Felsvorsprung…
     
    …und bleibt wie angewurzelt stehen, als eine Gestalt in einer dunklen Kutte aus den Schatten tritt. Instinktiv will Lee umkehren und davonlaufen, doch zu ihrer eigenen Überraschung bleibt sie stehen. Die Kutte macht eine Geste in ihre Richtung, ganz so, als wolle sie Lee etwas sagen oder sie zu sich rufen. Lee macht einen Schritt auf die Kutte zu…
     
    …als sie vor ihren Augen verschwimmt und ein riesenhafter Skorpion aus dem Erdboden hervorbricht. Das Monstrum starrt mit seinen kalten Facettenaugen auf Lee herab, und für einen Moment scheint die Zeit stillzustehen. Dann bricht das Klicken der Kieferzangen den Bann, doch es ist zu spät. Die Scheren des Skorpions schließen sich um Lees Arme und heben sie wie eine Puppe in die Höhe, während sie hilflos mitansehen muss, wie sich der vor Gift triefende Stachel ihrer Kehle nähert. Le e beginnt aus Leibeskräften zu schreien und...
     
    ...ist von einem Moment auf den anderen wach. Ihr Herz rast, als hätte sie einen Marathon absolviert. Sie sieht sich mit gehetztem Blick um, doch vor ihr liegt nur die endlose Wüste. Ein Traum, denkt sie. Du musst eingenickt sein und hast einfach wieder diesen fürchterlichen Traum gehabt.
     
    Sie reibt sich die Augen und versucht, sich mit zittrigen Händen eine Zigarette anzuzünden. Der Wind lässt ihr Feuerzeug aufflackern, und sie hält die Hand davor. Schließlich hat sie Erfolg, nimmt hastig einen tiefen Zug und lässt ihren Blick noch einmal schweifen. Die Schatten werden länger, denkt sie. Bald wird die Dunkelheit hereinbrechen. Und ihre Verfolger werden wieder die Jagd aufnehmen. Deine Zeit läuft ab, denkt sie. Langsam, aber unerbittlich.
     
    'Alles in Ordnung?'
     
    Lee wirbelt herum, die Hand an ihrem Messer, nur um sich eine Närrin zu schelten, als sie den glatzköpfigen Riesen in seiner staubigen Lederweste erblickt. Pete. Es ist Pete. Ganz ruhig. Alles ist gut.
     
    'Ja...klar...alles ok.'
     
    Ihre Finger spielen immer noch am Messergriff herum.
     
    'Ich war gerade nur...etwas abwesend.'
     
    Pete nickt.
     
    'Träume? Oder Erinnerungen?'
     
    'Von beidem ein bisschen. Das Übliche halt. Du weißt doch - wenn die Toten keine Ruhe finden können, kommen sie zurück, um die Lebenden heimzusuchen.'
     
    Pete kneift die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen.
     
    'Ja, ich weiß.'
     
    Er macht eine kurze Pause, bevor er fortfährt.
     
    'Jerrys Maschine ist wieder in Ordnung. Bist du soweit?'
     
    Lee wirft die Kippe in den Sand, tritt sie aus und steckt den Stummel in ihre Jackentasche.
     
    'Ja. Bin ich. Wir können. Wohin auch immer.'
     
    Ohne eine Antwort abzuwarten geht sie zurück zum Rest der Gang, während Pete ihr hinterher schaut.
     
    'Wohin auch immer, Sister Moon...'
     
    ***
     
    'Los Männer, keine Müdigkeit vortäuschen!'
     
    Pete klatscht in die Hände, doch es klingt genauso schlapp wie er sich fühlt. Kein Wunder nach der stundenlangen Fahrerei ohne nennenswerte Pausen. Auch wenn sie das alle gewohnt sind – lange werden sie dieses Tempo nicht mehr durchhalten.
     
    'Hey, warum haben wirs eigentlich so verflucht eilig? Ist doch ganz nett hier! Warum bleiben wir nicht einfach noch ein bisschen? Ist doch genau das, worauf wir alle gewartet haben.'
     
    Pete bleibt stehen und dreht sich zu Jerry um, der sich gegen seine Maschine lümmelt und auf den rissigen Asphalt

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