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Die Elementare von Calderon

Die Elementare von Calderon

Titel: Die Elementare von Calderon
Autoren: Jim Butcher
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1
    Amara saß auf dem schwankenden Rücken eines riesigen alten Gargantenbullen und ging ihren Plan noch einmal im Geiste durch. Die Morgensonne schien ihr ins Gesicht, vertrieb die Kälte aus der dunstigen Luft und wärmte ihre dunklen Wollröcke. Hinter ihr quietschten und ächzten die Achsen des Karrens unter dem Gewicht der Ladung. Der Sklavenring, den sie trug, scheuerte ihr die Haut auf; bei der nächsten Mission würde sie daran denken, ihn einige Tage vorher anzulegen, um sich daran zu gewöhnen.
    Vorausgesetzt, sie überlebte diese hier.
    Die Angst kroch ihr über den Rücken, und Amara zog die Schultern zusammen. Sie holte tief Luft und stieß sie wieder aus, schloss die Augen für einen Moment, verdrängte alle Gedanken und konzentrierte sich auf das, was sie mit ihren Sinnen wahrnehmen konnte: Sonnenlicht auf dem Gesicht, das Wanken des stinkenden Garganten mit seinen langen Schritten, das Ächzen der Karrenachsen.
    »Nervös?«, fragte der Mann, der neben dem Garganten ging. In seinen Händen baumelte ein Stachelstock, den er allerdings im Laufe der ganzen Reise noch nicht ein einziges Mal benutzt hatte.
Er führte das Tier nur mit den Riemen, obwohl er dem alten Bullen kaum bis zu den braunbehaarten Oberschenkeln reichte. Der Mann trug die einfache Kleidung eines fahrenden Händlers: braune enge Hose, robuste Sandalen und eine gesteppte Jacke über dem Hemd - dunkelgrün auf naturfarben. Den langen Umhang, schmutziggrün mit Stickereien, hatte er auf die Seite geschoben, während die Sonne höher stieg.
    »Nein«, log Amara. Sie öffnete die Augen wieder und starrte nach vorn.
    Fidelias lachte. »Du lügst. So schlecht ist der Plan allerdings gar nicht. Er könnte funktionieren.«
    Amara warf ihrem Lehrer einen skeptischen Blick zu. »Aber du hättest noch einen Vorschlag?«
    »Bei deiner Abschlussübung?«, fragte Fidelias. »Bei den Krähen, nein. Das würde mir nicht im Traum einfallen, Akadem . Damit würde ich ja deine Leistung herabsetzen.«
    Amara fuhr sich mit der Zunge über die Lippen. »Trotzdem meinst du, ich hätte vielleicht etwas übersehen?«
    Fidelias warf ihr einen unschuldigen Blick zu. »Mir stellen sich da lediglich ein paar Fragen.«
    »Fragen?«, sagte Amara. »Wir sind gleich da.«
    »Ich kann sie auch für mich behalten, bis wir angekommen sind, falls dir das lieber ist.«
    »Wenn du nicht mein Patriserus wärest, ich glaube, ich könnte dich nicht leiden«, seufzte Amara.
    »Nett, wie du das sagst«, erwiderte Fidelias. »Du hast schon viel erreicht, seit du an der Akademie angefangen hast. Erinnerst du dich noch, wie schockiert du warst, als dir dämmerte, dass die Kursoren nicht nur Sendschreiben überbringen?«
    »Musst du immer noch auf dieser Geschichte herumreiten? Du weißt, ich mag das nicht.«
    »Nein«, meinte Fidelias und grinste. »Eben deshalb reite ich so gerne darauf herum, weil du es nicht magst.«

    Sie warf ihm einen spitzbübischen Blick zu. »Deshalb schickt dich der Kursor Legatus immer fort auf Missionen, glaube ich.«
    »Das liegt an meinem einnehmenden Wesen«, stimmte Fidelias zu. »Also gut. Meine erste Sorge -«
    »Frage«, berichtigte Amara.
    »Frage«, räumte er ein, »betrifft unsere Tarnung.«
    »Was stellt sich da für eine Frage? Armeen brauchen Eisen. Du bist ein Erzschmuggler, ich bin deine Sklavin. Als du gehört hast, dass du hier draußen etwas verkaufen könntest, bist du hergekommen, um ein wenig Geld zu machen.«
    »Ach«, meinte Fidelias, »und was erzähle ich ihnen, wenn sie nach der Herkunft des Erzes fragen? Man findet so was ja schließlich nicht einfach am Straßenrand, oder?«
    »Du bist ein Kursor Callidus. Dir fällt da doch bestimmt was Schönes ein.«
    Fidelias lachte. »Immerhin hast du schon gelernt, Aufgaben zu delegieren. Wir nähern uns also dieser abtrünnigen Legion mit unserem wertvollen Erz.« Er deutete mit dem Kopf auf den quietschenden Karren. »Wie hindern wir sie daran, uns unsere Ladung einfach abzunehmen?«
    »Du bist der Erste einer ganzen Gruppe von Schmugglern und vertrittst in dieser Angelegenheit mehrere Händler. Man wartet, bis du mit Ergebnissen zurückkommst, und wenn es sich lohnt, sind die anderen bereit, ihre Vorräte ebenfalls zu verkaufen.«
    »Genau das verstehe ich nicht«, sagte Fidelias mit unschuldiger Miene. »Wenn es sich tatsächlich um eine abtrünnige Legion handelt, die, wie die Gerüchte behaupten, unter dem Befehl eines Hohen Fürsten steht und bereits Vorbereitungen trifft, den

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