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Die Drenai-Saga 5 - Im Reich des Wolfes

Die Drenai-Saga 5 - Im Reich des Wolfes

Titel: Die Drenai-Saga 5 - Im Reich des Wolfes
Autoren: David Gemmell
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waren feierlich. Geschmeidig stand er auf, nahm die Tonschale neben dem Grabstein und ging zum Teich, wo er die Schale füllte und begann, die Rosen zu wässern. Der gestrige Regen war kaum mehr als ein Schauer gewesen, und die Rosen waren sehr durstig.
     
    Kreeg kauerte sich tief ins Gebüsch, die Armbrust geladen. Wie einfach, dachte er und konnte ein Lächeln nicht unterdrücken.
    Suche Waylander und töte ihn
. Kreeg mußte zugeben, daß die Aussicht auf eine solche Jagd ihm Angst eingeflößt hatte. Schließlich war Waylander der Schlächter ein gewaltiger Gegner. Als seine Familie von Räubern erschlagen worden war, hatte er das Land durchkämmt, bis er jeden einzelnen der Mörder aufgespürt hatte. Waylander war in der Gilde eine Legende, ein fähiger Schwertkämpfer, doch mit dem Messer beinahe unschlagbar und ein Armbrustschütze, wie es keinen zweiten gab. Darüber hinaus besaß er mystische Fähigkeiten, hieß es. Er spürte immer, wenn Gefahr im Verzug war.
    Kreeg betrachtete die Armbrust auf dem Rücken des großen Mannes. Mystische Fähigkeiten? Pah. Ein Herzschlag noch, und er war tot.
    Der Mann am Grab nahm eine Tonschale auf und ging zu dem Teich. Kreeg zielte erneut, doch sein Opfer hockte sich nieder und füllte die Schale. Kreeg senkte seine Waffe ein kleines Stück und ließ langsam den angehaltenen Atem aus den Lungen. Waylander kehrte ihm jetzt die Seite zu; ein sicherer Todesschuß mußte dem Kopf gelten. Was machte er mit dem Wasser? Kreeg beobachtete, wie der große Mann bei den Rosen niederkniete, die Schale kippte und ihren Inhalt um die Wurzeln goß. Er geht bestimmt wieder zum Grab, dachte Kreeg. Und dann habe ich ihn.
    So viel im Leben hing vom Glück ab. Als die Gilde den Mordauftrag erhielt, hatte Kreeg ohne Geld dagestanden und wurde von einer Hure in Kasyra ausgehalten, nachdem das Gold, das er durch den Mord an einem ventrischen Kaufmann verdient hatte, schon lange in den Spielhallen der Südstadt verschwunden war. Jetzt begrüßte Kreeg das Pech, das ihn in Kasyra verfolgt hatte. Denn er wußte, das ganze Leben ist ein Kreis. Und in Kasyra hatte er von dem Einsiedler in den Bergen gehört, dem hochgewachsenen Witwer mit der scheuen Tochter. Er dachte an die Nachricht von der Gilde.
     
    Spüre einen Mann namens Dakeyras auf
. Er hat eine Frau mit Namen Danyal und eine Tochter, die Miriel heißt. Der Mann hat schwarzsilbernes Haar und dunkle Augen. Er ist groß und knapp fünfzig Jahre alt. Oft trägt er eine kleine Doppelarmbrust aus Ebenholz und Bronze. Töte ihn und bring die Armbrust als Beweis nach Drenan. Sei vorsichtig. Der Mann ist Waylander. Zehntausend in Gold warten.
     
    In Kasyra hätte Kreeg alles getan, eine solche phantastische Summe zu verdienen. Dann – gelobt seien die Götter – hatte er der Hure von der Jagd erzählt.
    »Es gibt da einen Mann mit einer Tochter, die Miriel heißt. Dieser Mann lebt in den Bergen im Norden«, sagte sie. »Ihn selbst habe ich nie gesehen, aber seine Töchter habe ich vor Jahren in der Schule der Priester kennengelernt. Wir haben dort lesen und schreiben gelernt.«
    »Weißt du noch, wie die Mutter hieß?«
    »Ich glaube, irgendwas wie Daneel … Donalia …«
    »Danyal?« flüsterte Kreeg und setzte sich im Bett auf, so daß die Laken von seinem hageren, narbenbedeckten Körper glitten.
    »Genau«, sagte sie. »Danyal.«
    Kreegs Mund war trocken geworden, sein Herz klopfte heftig. Zehntausend! Aber Waylander? Was für eine Chance hatte er gegen einen solchen Gegner?
    Fast eine Woche lang zog er durch Kasyra und fragte nach dem Mann aus den Bergen. Sheras, der dicke Müller, bekam den Mann etwa zweimal im Jahr zu Gesicht und erinnerte sich an die kleine Armbrust, die der Fremde stets bei sich hatte.
    »Der Mann ist sehr still«, sagte Sheras, »aber ich möchte seine dunkle Seite lieber nicht kennenlernen, wenn du verstehst, was ich meine. Ein harter Mann. Kalte Augen. Er war früher ziemlich freundlich, aber dann starb seine Frau – vor fünf, sechs Jahren. Ihr Pferd stürzte und fiel auf sie. Sie hatten zwei Töchter, Zwillinge. Hübsche Mädchen. Eins hat einen Jungen aus dem Süden geheiratet und ist fortgezogen. Die andere lebt immer noch bei ihm. Schüchternes Kind. Zu dünn für meinen Geschmack.«
    Goldin, der Wirt, ein Flüchtling aus Gothir mit einem hageren Gesicht, erinnerte sich ebenfalls an den Mann aus den Bergen. »Als seine Frau getötet wurde, kam er eine Zeitlang her und ertränkte seinen Kummer. Er hat nie

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