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Die Drenai-Saga 5 - Im Reich des Wolfes

Die Drenai-Saga 5 - Im Reich des Wolfes

Titel: Die Drenai-Saga 5 - Im Reich des Wolfes
Autoren: David Gemmell
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Prolog
    Der Mann, den sie Angel nannten, saß still in einer Ecke der Schänke, die großen, knorrigen Hände um einen Becher Glühwein gelegt, die vernarbten Züge von einer schwarzen Kapuze verborgen. Trotz der vier offenen Fenster war die Luft in dem etwa zwanzig Meter langen Raum abgestanden, und Angel konnte den Rauch der ölgefüllten Laternen riechen, der sich mit den Ausdünstungen schwitzender Männer und dem Geruch nach Küche und schalem Bier mischte.
    Angel hob den Becher an die Lippen, um einen Schluck Wein zu nehmen, den er lange im Mund behielt. Die Spitzohreule war heute abend voll; vor der Bar drängten sich die Gäste, der Speiseraum war überfüllt. Doch niemand näherte sich Angel, der nur langsam trank. Der Mann mit der Kapuze mochte keine Gesellschaft, und so wurde dem vernarbten Gladiator soviel Privatsphäre zugestanden, wie in einem Wirtshaus nur möglich war.
    Kurz vor Mitternacht brach in einer Gruppe von Arbeitern Streit aus. Angels steingraue Augen waren auf die Männer gerichtet und blickten prüfend in deren Gesichter. Es waren fünf, und sie stritten sich um ein verschüttetes Bier. Angel konnte sehen, wie ihnen das Blut ins Gesicht stieg, und wußte, daß trotz ihrer erhobenen Stimmen keiner von ihnen in wirklicher Rauflust war. Wenn ein Kampf kurz bevorsteht, weicht alles Blut aus dem Gesicht, so daß es geisterhaft bleich wird. Dann zuckte Angels Blick zu einem jungen Mann am Rande der Gruppe. Dieser hier war gefährlich! Das Gesicht des Mannes war blaß, die Lippen zu einem dünnen Strich zusammengepreßt, und seine rechte Hand war in den Falten seiner Tunika verborgen.
    Angel wandte sich nach Balka um, dem Kneipenwirt. Der stämmige ehemalige Ringer stand hinter dem Tresen und beobachtete die Männer. Angel entspannte sich. Balka hatte die Gefahr erkannt und war bereit.
    Der Streit flaute ab, doch der blasse junge Bursche sagte etwas zu einem der anderen, und plötzlich flogen Fäuste. Ein Messer blitzte im Schein der Laternen auf, und ein Mann schrie schmerzerfüllt auf.
    Mit einer kurzen hölzernen Keule in der Hand schwang Balka sich über den Tresen und sprang den blassen Messerstecher an. Zuerst hieb er ihm die Keule gegen das Handgelenk, so daß er die Klinge fallen lassen mußte; dann hämmerte er ihm einen Schlag gegen die Schläfe. Der junge Bursche stürzte wie vom Blitz getroffen auf den mit Sägemehl bestreuten Boden.
    »Das war’s, Freunde!« dröhnte Balka. »Der Abend ist vorbei.«
    »Och, nicht noch ein Bier, Balka?« bat ein Stammgast.
    »Morgen«, fauchte der Wirt. »Kommt schon, Jungs. Wir wollen den Mist hier aufräumen.«
    Die Männer tranken ihr Bier oder ihren Wein aus. Einige packten den bewußtlosen Messerstecher und zerrten ihn hinaus auf die Straße. Der Mann hatte sein Opfer in die Schulter gestochen; die Wunde war tief, sein Arm gefühllos. Balka gab ihm einen großen Branntwein, ehe er ihn zu einem Arzt schickte.
    Schließlich schloß der Wirt die Tür und legte den Riegel vor. Sein Schankkellner und die Serviermädchen begannen, Krüge, Becher und Teller einzusammeln sowie Tische und Stühle wieder aufzurichten, die bei dem kurzen Handgemenge umgestürzt waren. Balka steckte die Keule in die große Tasche seiner Lederschürze zurück und schlenderte zu Angel.
    »Wieder ein ruhiger Abend«, murmelte er, zog sich einen Stuhl heran und ließ sich dem Gladiator gegenüber nieder. »Janic!« rief er. »Bring mir einen Krug.«
    Der junge Kellerbursche goß eine Flasche vom besten lentrischen Roten in einen Tonkrug, suchte einen sauberen Zinnbecher hervor und brachte beides zum Tisch. Balka sah zu dem Jungen auf und zwinkerte. »Bist ein guter Bursche, Janic«, sagte er. Janic lächelte, warf Angel einen nervösen Blick zu und trat den Rückzug an. Balka seufzte und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
    »Warum gießt du ihn nicht einfach aus der Flasche ein?« fragte Angel, dessen graue Augen den Wirt musterten, ohne zu blinzeln.
    Balka lachte vergnügt. »Aus einem Tonkrug schmeckt er besser.«
    »Pferdemist!« Angel griff über den Tisch, nahm den Krug und hielt ihn unter seine ungestalte Nase. »Lentrischer Roter … mindestens fünfzehn Jahre alt.«
    »Zwanzig«, sagte Balka grinsend.
    »Andere Leute sollen nicht wissen, daß du reich genug bist, um so etwas zu trinken«, stellte Angel fest. »Das würde deinem Ruf schaden. Mann des Volkes.«
    »Reich? Ich bin nur ein armer Wirt.«
    »Und ich eine ventrische Schleiertänzerin.«
    Balka nickte und

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