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Die Drenai-Saga 2 - Der Schattenprinz

Die Drenai-Saga 2 - Der Schattenprinz

Titel: Die Drenai-Saga 2 - Der Schattenprinz
Autoren: David Gemmell
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Prolog
    Auf den Bäumen lastete der Schnee, und der Wald lag wie eine schüchterne Braut unter der weißen Decke. Eine Weile blieb der Mann zwischen den Felsen und Steinblöcken stehen und betrachtete prüfend die Hänge. Schnee sammelte sich auf seinem pelzgefütterten Umhang und dem breitkrempigen Hut, doch er beachtete es nicht, wie er auch die Kälte ignorierte, die durch sein Fleisch drang und seine Knochen taub werden ließ. Er hätte der letzte Lebende auf einem sterbenden Planeten sein können. Beinahe wünschte er, es wäre so.
    Zufrieden, weil er keine Patrouillen entdeckt hatte, bewegte er sich schließlich den Hang hinab, wobei er die Füße behutsam auf den trügerischen Boden setzte. Seine Bewegungen waren langsam, und er wußte, daß die Kälte eine wachsende Gefahr darstellte. Er brauchte einen Lagerplatz und ein Feuer.
    Hinter ihm erhoben sich die Delnoch-Berge unter sich zusammenballenden Wolken. Vor ihm lag der Skultik-Wald, ein Gebiet voll dunkler Legenden, enttäuschter Träume und Kindheitserinnerungen.
    Der Wald lag schweigend da. Nur hin und wieder knackte trockenes Holz, wenn das immer dicker werdende Eis die Zweige brechen ließ, oder es rauschte leise, wenn der Schnee von den Ästen rutschte.
    Tenaka drehte sich um und betrachtete seine Fußspuren. Die scharfen Konturen verschwammen bereits; in wenigen Minuten würde die Fährte nicht mehr zu sehen sein. Er ging weiter, seine Gedanken voller Kummer, seine Erinnerungen zerrissen.
    Er schlug in einer flachen Höhle, die Schutz vor dem Wind bot, sein Lager auf und entzündete ein kleines Feuer. Die Flammen loderten auf und ließen rote Schatten auf den Höhlenwänden tanzen. Er zog seine Wollhandschuhe aus und wärmte sich die Hände über dem Feuer; dann rieb er sich das Gesicht und kniff sich in die Wangen, damit das Blut wieder besser zirkulierte. Er hätte gern geschlafen, aber noch war die Höhle nicht warm genug.
    Der Drache war tot. Tenaka schüttelte den Kopf und schloß die Augen. Ananais, Decado, Elias, Beltzer. Alle tot. Verraten, weil sie an die Ehre und vor allem an die Pflicht glaubten. Tot, weil sie glaubten, daß der Drache unbesiegbar war, und daß das Gute letztendlich triumphieren mußte.
    Tenaka kämpfte die aufsteigende Müdigkeit nieder und legte dickere Äste auf das Feuer.
    »Der Drache ist tot«, sagte er laut. Seine Stimme hallte in der Höhle wider. Wie seltsam, dachte er – es war die Wahrheit, und doch glaubte er sie nicht.
    Er blickte in die Schatten des Feuers und sah wieder die Marmorhallen seines Palasts in Ventria vor sich. Dort gab es kein Feuer, nur die sanfte Kühle der inneren Gemächer, denn der kalte Stein hielt die kräftezehrende Hitze der Wüstensonne fern. Weiche Sessel und gewebte Teppiche, Diener, die Krüge mit geeistem Wein brachten und Eimer mit kostbarem Wasser heranschleppten, um die Rosengärten zu wässern, damit die Schönheit der blühenden Sträucher erhalten blieb.
    Beltzer war der Bote gewesen. Der getreue Beltzer – der beste Krieger im Range eines Bar, den der Flügel aufzuweisen hatte.
    »Wir sind nach Hause zurückbeordert worden, General«, hatte er gesagt, als er unbehaglich in der großen Bibliothek stand. Seine Kleidung war voller Sand und wies Spuren der Reise auf. »Die Rebellen haben eins von Ceskas Regimentern im Norden geschlagen, und Baris hat den Rückzugsbefehl persönlich erteilt.«
    »Woher weißt du, daß es Baris war?«
    »Das Siegel, General. Sein persönliches Siegel. Und die Botschaft: ›Der Drache ruft‹.«
    »Baris ist seit fünfzehn Jahren nicht mehr gesehen worden.«
    »Ich weiß, General. Aber sein Siegel …«
    »Ein Klumpen Wachs bedeutet nichts.«
    »Für mich schon, General.«
    »Also wirst du nach Drenan zurückkehren?«
    »Ja, General. Und du?«
    »Zurück zu was, Beltzer? Das Land liegt in Trümmern. Die Bastarde sind unbesiegbar. Und wer weiß, welche schändlichen, zauberischen Mächte gegen die Rebellen ins Feld geführt werden? Sieh dem ins Gesicht, Mann! Der Orden des Drachen wurde vor fünfzehn Jahren aufgelöst, und wir alle sind älter geworden. Ich war damals einer der jüngeren Offiziere. Jetzt bin ich vierzig. Du mußt auf die fünfzig zugehen – falls der Drache überlebt hätte, würdest du bald in den Ruhestand gehen.«
    »Ich weiß«, sagte Beltzer und nahm straffe Haltung an. »Aber die Ehre ruft. Ich habe den Drenai mein Leben lang gedient und kann mich dem Ruf nicht verweigern.«
    »Ich schon«, sagte Tenaka. »Die Sache ist

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