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Die drei Fragezeichen und der 5. Advent

Die drei Fragezeichen und der 5. Advent

Titel: Die drei Fragezeichen und der 5. Advent
Autoren: André Minninger
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Am 1. Dezember war Justus Jonas alles andere als weihnachtlich zumute. Das lag hauptsächlich an den spätsommerlichen Temperaturen, die seit einigen Tagen in Rocky Beach herrschten. Selbst für südkalifornische Verhältnisse war es für diese Jahreszeit ungewöhnlich warm. Hatte das etwas mit der Klimakatastrophe zu tun, die in aller Munde war? Dieser Gedanke ging Justus durch den Kopf, als er in Hollywood in den Canyon Lake Drive einbog, um für seine Tante Mathilda einen Botengang zu machen.
    Zwei Minuten später hatte er sein Ziel erreicht und drückte auf den Klingelknopf von Lydia Candles Bungalow. Einige Sekunden geschah gar nichts; hinter der Tür blieb alles ruhig. Justus sah sich auf dem Grundstück um. Aus dem gepflegten Vorgarten bot sich ein fantastischer Blick auf den berühmten Hollywood-Schriftzug, dessen Buchstaben im gleißenden Licht der Mittagssonne leuchteten.
    In diesem Moment rumorte es im Schlüsselloch und die Haustür wurde geöffnet. Justus fuhr herum und blickte in das freundliche, von Falten durchzogene Gesicht von Tante Mathildas langjähriger Freundin.
    »Justus! Das ist ja eine Überraschung!«
    »Hallo, Mrs Candle!« Der Erste Detektiv deutete auf die goldene Stofftasche, die er bei sich trug. »Tante Mathilda schickt mich. Ich soll Ihnen eine kleine Festtagsgabe überreichen.« Mrs Candle blickte theatralisch gen Himmel und legte eine Hand auf ihr Herz. »Oh, wie aufmerksam! Wenn jemandem in der vorweihnachtlichen Zeit das Wort ›Nächstenliebe‹ noch ein Begriff ist, dann der Familie Jonas. Komm doch rein, Junge!«
    Justus folgte der alten Dame ins Wohnzimmer. Sie deutete auf einen gemütlichen Sessel und bat den Jungen, Platz zu nehmen. Bevor Justus sich setzte, blickte er sich überrascht um. »Meine Güte, Mrs Candle! Wohnt hier der Weihnachtsmann?«
    Das Wohnzimmer war über und über festlich geschmückt. Unzählige Girlanden aus Tannenzweigen, Kränze, Engel, Sterne, selbst gestrickte Santa-Claus-Socken und blinkende Lichterketten kündeten vom nahenden Weihnachtsfest. Aus einem CD-Player ertönten die leisen Klänge von »Jingle Bells«. Justus’ Augen begannen zu leuchten.
    »Ich muss schon sagen, Mrs Candle, Sie verstehen es wahrlich, einen in Weihnachtsstimmung zu versetzen!« Er ließ sich in den Sessel plumpsen und blickte fasziniert zum Kamin, in dem trotz der sommerlichen Außentemperaturen ein Feuer brannte. Über dem Kaminsims hing ein gerahmter Zeitungsbericht, der die alte Dame in ihrem Garten zeigte.
    »Tante Mathilda hat mir erzählt, dass Sie kürzlich einen Preis für Ihren Garten bekommen haben! Sogar im Fernsehen wurde darüber berichtet! Glückwunsch, Mrs Candle!«
    »Und als ersten Preis bekomme ich im Januar Besuch vom renommiertesten Landschaftsarchitekten Hollywoods! Der wird meinem Garten einen ganz neuen Look verpassen!«, antwortete sie stolz, griff nach einer Keksdose und hielt sie Justus unter die Nase. »Dann lang mal zu und lass es dir schmecken. Die habe ich heute Morgen selbst gebacken.«
    Justus griff nach einem Plätzchen und ließ es genussvoll auf der Zunge zergehen. »Mmhhh … köstlich! Das habe ich ja noch nie gegessen. Was ist denn das?«
    »Zimtsterne. Nach original deutschem Rezept!« Mrs Candle lächelte und nahm in ihrem Ohrensessel Platz. Dann griff sie nach der Tasche, die Justus auf dem Tisch abgestellt hatte, und zog daraus ein Geschenk mit üppiger Schleife hervor. »Ach, wie lieb!«, flötete sie gerührt und begann neugierig, das Päckchen mit ihren knochigen Fingern abzutasten, um den Inhalt zu erraten. Doch dann rief sie sich zur Vernunft und schob das Geschenk von sich: »Oh nein, Lydia! Übe dich in Geduld! Noch ist nicht Weihnachten!«
    Justus konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Er kannte Mrs Candle seit seinen frühen Kindertagen und hatte schon immer bewundert, wie sehr die alte Dame im Herzen ein kleines Mädchen geblieben war. Inzwischen war sie steinalt, aber daran schien sich nichts geändert zu haben.
    »Ich liebe die Festtage über alles! Wenn es nach mir ginge, könnte jeden Monat Dezember sein!« Dabei griff auch sie nach einem Keks und ließ ihn schnell in ihrem Mund verschwinden. »Ich hoffe doch, du hast ein bisschen Zeit mitgebracht, Junge.«
    Justus wollte nicht unhöflich sein. Er wusste zwar, dass Mrs Candle kaum noch Freunde und Verwandte hatte und nur selten Besuch bekam – aber zu Hause wartete noch eine Menge Arbeit auf ihn. Er hatte versprochen, seinem Onkel dabei zu helfen, eine Fuhre

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