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Die Braut des Silberfinders - historischer Roman

Die Braut des Silberfinders - historischer Roman

Titel: Die Braut des Silberfinders - historischer Roman
Autoren: Gmeiner-Verlag
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ANNO DOMINI 1234
     
    Lang, lang ist’s her …
     
    Die Welt, damals noch flach wie eine Scheibe …
    … zersplittert in unzählige Herzog- und
Fürstentümer, die Bevölkerung drangsaliert und ausgebeutet von dessen
Herrschern, fand im Osten durch die wilden Horden des Mongolenfürsten Ugedai
Khan ihre Grenzen und reichte im Westen bis zur Iberischen Halbinsel, auf der
die christlichen Heere der Kastilier gerade die letzten Bastionen der Mauren
zurückeroberten.
     
    Reichtum und Willkür …
    … weltlicher Potentaten wurde nur noch
übertroffen von Einfluss und Geltung klerikaler Amtsträger. Die Schatzkammern
etlicher Bistümer waren praller gefüllt als die der Herzöge, und nicht selten
maßten sich eben jene, die Gottes Werkzeug sein sollten, seine Pracht und
Herrlichkeit an. Andere wiederum, blind in ihrem Eifer Gott zu gefallen,
machten aus Regenten gehorsame Söldner und zahlten ein fürstliches Salär, damit
diese Armeen aufstellten, um die arabischen Heiden Gottes Barmherzigkeit zu
lehren und die Heilige Stadt Jerusalem zurückzuerobern, alles im Namen und
unter dem Banner des Kreuzes.
    In jener Zeit, in der so manch ein
Kirchenmann mehr zu sagen hatte als ein Burgherr, die Wissenschaft einzig und
allein der Entwicklung neuer Kriegsapparaturen verpflichtet war, kleinste
Wunden bereits den Tod bedeuten konnten und in der ein voller Magen mehr Wert
hatte als das Leben des Nächsten, in jener Zeit also, durchstreiften zwei
Männer Europa, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten. Osman Abdel Ibn Kakar,
der eine, ein Araber aus Alexandria, einst Kammerdiener und rechte Hand eines
byzantinischen Kaufmanns, nun auf der Flucht und fern seiner geliebten Heimat,
gestraft mit der Gewissheit, sein Vaterland nie wieder betreten zu dürfen,
bestens vertraut mit dem Gedankengut arabischer, griechischer und fernöstlicher
Gelehrter und Philosophen, blitzgescheit, redegewandt und zuweilen, mehr als
seiner Gesundheit zuträglich, überheblich und stolz.
    Robert, der andere, in deutschen Landen
geboren und doch nicht hier zu Haus. Als zwölfjähriger Novize verfiel er den
verführerischen Worten des Nikolaus von Cölln und pilgerte gemeinsam mit
zwanzigtausend Kindern über die Alpen nach Genua. Hier sollte sich das Meer vor
ihnen teilen, auf dass sie trockenen Fußes Jerusalem erreichen würden, verhieß
ihnen Nikolaus. Natürlich geschah nichts dergleichen und so gelangten die
wenigen Überlebenden in die Gefangenschaft von Piraten und Halsabschneidern,
die sie an der afrikanischen Küste als Sklaven verkauften. Roberts Martyrium endete
in Alexandria. Dort wurde er mehr tot als lebendig von Osman aufgenommen und
diente dessen Herrn über zwanzig Jahre. Vom Gemüt und bisweilen auch im Umgang
mit seinen Zeitgenossen ist Robert eher von handfesterer Natur, ein Mann mit
einer fast beängstigenden physischen Präsenz und doch im Kern, trotz seiner
ruppigen Art, ein gutherziger Mensch.
     
    Auf ihrem Weg nach Cölln machten sie unlängst in Hildesheim Rast.
Völlig schuldlos gerieten sie in ein mörderisches Komplott, das ihnen beinahe
das Leben gekostet hätte. Erst im letzten Moment konnte Schlimmeres verhindert
und der wahrhaft Schuldige entlarvt werden. Nachdem ihre Wunden verheilt und
die Kräfte gestärkt waren, setzten Robert und Osman schließlich ihre Reise nach
Cölln fort …

Mittwoch, der dreißigste August
Sommersprossen
     
    »Lass sie mich aufbewahren, klingt’s mir noch im Ohr …«, lachte
Osman ohne jede Freude, »… ich bin allemal der Vernünftigere von uns beiden und
noch dazu nicht so ein Hungerhaken wie du. Bei mir ist unsere Börse sicher –
drauf geschissen!«
    Der blonde Riese zuckte zusammen, als ihm
sein Gegenüber die letzten Worte förmlich entgegenspuckte.
    »Robert, der
Tugendhafte, wahres Ausbund an Kraft und Beherrschung, immer im Vollbesitz
seiner Sinne …« Der Hagere schüttelte seinen Kopf, bevor er grimmig fortfuhr:
»Von wegen beherrscht, ein elender Trunkenbold bist du, gerade mal imstande auf
die schäbigen Lumpen achtzugeben, die du am Leib trägst. Wie konnte ich nur die
Ersparnisse meines armen Vaters einem Saufaus wie dir anvertrauen? Der Irrsinn
muss mich geritten haben!« Schwülstig rang Osman seine Hände gen Himmel.
    Robert indes gab keinen Laut von sich,
wusste er doch sehr wohl, dass jeder Einwand nur weitere Vorwürfe nach sich
ziehen würde. Stattdessen schlug er kraftvoll seinen Schlägel aufs Eisen und
hoffte dabei insgeheim, ein herausgebrochenes Stückchen

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