Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Die Bestie

Die Bestie

Titel: Die Bestie
Autoren: A. E. van Vogt
Ads
 
1. Teil
     
1
     
    Der blau-graue Motor lag fast völlig vergraben auf einer grünen Anhöhe. Ein seelenloses Gebilde aus Metall und aus Kräften, die fast so mächtig waren, wie das Leben selbst – so ruhte er dort in jenem Sommer des Jahres 1972. Regen wusch seine gefühllose Form. Die Sonne eines Julis, dann die eines Augusts, brannte auf ihn herunter. Des Nachts spiegelten sich die Sterne matt in seinem Metall, ohne sich jedoch um sein Schicksal zu bekümmern. Das Raumfahrzeug, das er angetrieben hatte, war im Begriff gewesen, in die Erdatmosphäre einzutauchen, als der Meteorit durch das Fundament pflügte, auf dem er verankert stand. Dergestalt seiner Fesseln entledigt, zerfetzte das Triebwerk das noch verbliebene Zellenwerk und schoß augenblicklich durch das gähnende Meteorloch hinaus, um den langen Sturz in die Tiefe anzutreten.
    Während all der seither verstrichenen Wochen hatte es auf der Anhöhe gelegen – scheinbar leblos und untätig, doch in Wirklichkeit aktiv und lebendig in seiner großartigen Weise. Erdreich füllte sein Kraftfeld an; der Schmutz war so hartgestampft, daß es einen besonderen Wahrnehmungssinn erfordert hätte, wollte man feststellen, wie rasch er rotierte. Selbst die Jungen, die eines Tages auf einem Flansch der Maschine saßen, bemerkten nicht die Bewegungen des Erdreichs. Hätte einer von ihnen mit seiner schmutzigen Hand in das wirbelnde Inferno aus Energie hineingestochert, das das Kraftfeld bildete, so wären Muskeln, Knochen und Blut wie ein explodierendes Gas auseinandergespritzt.
    Doch die Jungen liefen wieder davon, und das Triebwerk befand sich noch immer auf der Anhöhe, als die Suchpartie eines Nachmittags am Fuße des Hügels vorbeikam. Die Entdeckung hing an einem Haar. Es waren ihrer zwei – geschulte Beobachter, die den Abhang inspizierten. Doch eine Wolke verhüllte das Antlitz der Sonne, und sie gingen weiter, ohne etwas gesehen zu haben.
    Es war über eine Woche später und wieder am Nachmittag, als ein Pferd den Abhang heraufgeklettert kam und über die hervorstehende Wölbung des Triebwerks stolperte. Der Reiter auf seinem Rücken schickte sich alsbald an, auf höchst erstaunliche Art abzusteigen. Mit der einen Hand, die er besaß, ergriff er das Sattelhorn und hob sich buchstäblich aus dem Sattel hoch. Wie beiläufig und scheinbar völlig mühelos brachte er hierauf ein Bein herüber, verharrte eine Sekunde lang in der Schwebe und sprang dann zu Boden. Die Zurschaustellung derartiger Körperkräfte wirkte um so müheloser, als die Handlung vollkommen automatisch geschah. Während des ganzen Vorgangs war seine Aufmerksamkeit auf das Ding in der Erde konzentriert.
    Sein hageres Gesicht verzerrte sich, als er die Maschine näher betrachtete. Mit argwöhnischem Blick sah er sich um. Dann lächelte er spöttisch, als er sich des Gedankens in seinem Geist bewußt wurde. Schließlich zuckte er die Achseln. Es bestand wenig Chance, daß ihn jemand hier draußen sah. Die Stadt Crescentville befand sich über eine Meile entfernt, und keine Spur von Leben rührte sich in der Umgebung des großen, weißen Hauses, das etwa eine Drittel Meile entfernt zwischen den Bäumen im Nordosten stand.
    Er war allein mit seinem Pferd und der Maschine. Und nach einem Moment der Stille klang seine Stimme mit kühler Ironie durch die Abendluft. »Na, Dandy, hier ist Arbeit für uns. Dieser Schrott sollte dir eine ganz nette Menge Futter einbringen. Wir schleppen den Klumpen nach Einbruch der Dunkelheit zum Schrotthändler. Sie wird es auf diese Weise nicht herausfinden, und wir bewahren uns den Rest unseres Stolzes.«
    Er brach ab. Er hatte sich unwillkürlich umgewandt und blickte auf das gartenähnliche Grundstück, das sich über nahezu eine Meile zwischen ihm und der Stadt erstreckte. Ein weißer Zaun, der im Zwielicht nebelhaft gespenstisch erschien, umgab ein grünes Gelände von Bäumen und Weiden in weitem Bogen. Stellenweise, in Senken und hinter Gebüschen, war er unsichtbar. Er verschwand zu guter Letzt im Norden jenseits des stattlichen weißen Hauses.
    Der Mann murmelte ungeduldig: »Was für ein Narr war ich doch, in der Umgebung von Crescentville zu bleiben und auf sie zu warten.« Er wandte sich um und sah auf die Maschine hinunter. »Muß probieren, wie schwer es ist«, dachte er. Dann: »Was es wohl sein mag?«
    Er kletterte die Anhöhe vollends hinauf und kam mit einem abgestorbenen Ast zurück, der etwa einen Meter zwanzig lang und sechs Zentimeter dick war.

Weitere Kostenlose Bücher

Blutbeichte
Blutbeichte von Alex Barclay
Who's sorry now?
Who's sorry now? von Jill Churchill