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Die Befreier von Canea

Die Befreier von Canea

Titel: Die Befreier von Canea
Autoren: Jim Butcher
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Prolog

    »Hier entlang, mein Fürst!«, schrie der junge Ritter Aeris und winkte, während er die Richtung seines Windstroms änderte und durch den dämmrigen Himmel nach unten stieß. Er blutete aus einer Wunde am Hals. An dieser Stelle hatte ihn unterhalb des Helms eines dieser messerscharfen Eisbruchstücke getroffen, die diese Wesen schleuderten wie Speere. Der junge Narr durfte sich glücklich schätzen, dass er überhaupt noch lebte; mit einer Halswunde war nicht zu spaßen. Wenn er nicht aufhörte, so wild herumzufuchteln, und wenn er sich nicht bald um seine Verletzung kümmerte, würde sie weiter aufreißen und die Legion einen unersetzlichen Mann kosten.
    Der Hohe Fürst Antillus Raucus glich seinen Windstrom an den des jungen Ritters an und stieß neben ihm hinab zur Dritten Antillanischen Legion, die kampfbereit auf der Schildmauer stand. »Du!«, fauchte er und überholte den Ritter mühelos, da seine Elementare bei weitem überlegen waren. Wie hieß der Idiot noch? Marius? Karius? Carlus, das war es. »Ritter Carlus, du begibst dich zu den Heilern. Sofort.«
    Carlus riss erschrocken die Augen auf, während Raucus davonschoss und den jüngeren Mann hinter sich zurückließ, als würde der auf der Stelle schweben und nicht in waghalsigem Sturzflug gen Boden jagen. Raucus hörte ihn noch sagen: »Ja, mein F …« Der Rest des Wortes ging im Brausen des Windes unter, den der Hohe Fürst hinter sich erzeugte.
    Raucus bat seine Elementare, sein Sehvermögen zu verstärken, und die Szene unten wurde durch Luftkrümmung erheblich vergrößert. Auf dem Weg hinab nahm er eine Einschätzung der Lage vor und fluchte herzhaft. Sein Hauptmann hatte recht daran getan, ihn um Hilfe zu bitten.
    Die Dritte Antillanische befand sich in einer verzweifelten Lage.
    Raucus hatte mit vierzehn die Feuertaufe auf dem Schlachtfeld bestanden. In den vierzig Jahren seither war kaum ein Monat vergangen, ohne dass er in kleinere oder größere Kampfhandlungen verwickelt worden wäre, denn die Schildmauer wurde unablässig von den primitiven Eismenschen des Nordens bedroht.
    In all den Jahren hatte er nie zuvor so viele von ihnen gesehen.
    Ein Meer von Wilden erstreckte sich vor der Schildmauer, Zehntausende hatten sich versammelt, und während Raucus tiefer hinabstieß, wurde er plötzlich von einer Kälte umschlossen, die ihm eisiger erschien als der Frost des Winters. Binnen Sekunden war seine Rüstung mit Reif überzogen, und er musste seine Feuerkräfte einsetzen, um sich gegen die Kälte zu schützen.
    Der Feind hatte Berge aus Schnee und Leichen vor der Schildmauer aufgehäuft und zu Rampen geformt. Diese Taktik war ihm nicht neu, er hatte sie schon bei ihren entschlossensten Überfällen erlebt. Die Legion hatte darauf mit den üblichen Mitteln geantwortet: brennendes Öl und Feuerstöße von den Rittern Ignus.
    Die Mauer selbst war gewissermaßen ein Bestandteil des Landes, ein massives Bauwerk aus Granit, das mit Elementarkräften aus den Tiefen der Erde gezogen worden war. Es maß fünfzig Fuß in der Höhe und war hundert Fuß dick. Die Eismenschen musste es Tausende von Opfern gekostet haben, diese Rampen aufzuhäufen, die stets wieder abgeschmolzen wurden und neu errichtet werden mussten – wieder und wieder und wieder, bis sie es endlich geschafft hatten. Die Kälte dauerte lange genug an, um die Legionares ihrer Kräfte zu berauben, und die Schlacht wütete nun schon so lange, dass auch die Ritter der Dritten kaum noch in der Lage waren, dem Feind Einhalt zu gebieten.
    Die Eismenschen hatten die eigentliche Mauer erreicht.
    Raucus biss niedergeschlagen und wütend die Zähne zusammen, während die affenartigen Wesen durch eine Bresche in der Verteidigungsfront einfielen. Die größten dieser Scheusale konnten es an Höhe beinahe mit aleranischen Legionares aufnehmen, allerdings waren sie viel breiter in den Schultern. Sie hatten lange Arme mit riesigen Pranken, und ihre lederartige Haut bedeckte ein drahtiges gelbweißes Fell, durch das sie im eisigen Ödland des Nordens beinahe unsichtbar wurden. Gelbweiße Augen glänzten unter zotteligen Brauen, und dicke Hauer ragten aus ihren kräftigen Kiefern. Jeder Eismensch trug eine Keule aus Knochen oder Stein, und bei manchen waren scharfe Splitter aus unnatürlich hartem Eis eingearbeitet, die sich wie die Kälte des Winters selbst dem Willen dieser Wilden zu beugen schienen.
    Die Legionares scharten sich hinter einem Zenturio mit Kammhelm zusammen und drängten

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